Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 355 Bad Hersfeld, Stiftskirche/Stiftsruine     17. Jh.?

Beschreibung

Namen auf einem Quader aus rotem Sandstein, innen in der rechten Fensterlaibung der Turmstube des Westturms, dritter Quader von unten.1) Der Name (A) steht oben über einem Wappenschild (gewendet) und weist keinen erkennbaren Zusammenhang zu anderen Bearbeitungen der Fläche auf, die allerdings kaum von den Spuren ausgedehnter Abmeißelungen zu unterscheiden sind. Man kann den Namen also als Wappenbeischrift verstehen. Einige Buchstabenreste auf dem Quader darüber, weiter links am Rand beginnend, lassen sich zum identischen Namen (B) zusammenfügen.

Maße: H. (A) 26, B. 40, H. (B) 26, B. 41,5, Bu. 1,8–ca. 5 cm.

Schriftart(en): Minuskel mit Versal.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Christian Bauer, Bad Hersfeld) [1/2]

  1. A

    Io(hanne)s ho(n)[g]e(n)

  2. B

    Io(hanne)s ho[(n)gen]

Wappen:
unkenntlich

Kommentar

Die Minuskelschrift ist unspezifisch. Hörle las bei der Inschrift von 1491 auf der gegenüberliegenden Seite der Laibung (Nr. 90) den obigen Namen, was sich dort für den gesamten Buchstabenbestand nur ansatzweise bestätigen ließ, jedoch vom Duktus und den Kürzungen nachvollziehbar ist. Stärkere Ausrundung von Brechungen hier wie dort lassen beide Namen jünger erscheinen als die umgebenden, teils datierten Minuskelinschriften vor und um 1500 (Nrr. 90, 98, 100, u. ö.). Noch mehr gerundet sind die Minuskeln desselben Namens am Kreuzgewölbeträger (Nr. 356). Gemeinsam sind beiden versales I, das vergrößerte unziale h, die Kürzungen im Namen und die Verwendung eines schleifenförmigen s; bezeichnenderweise findet sich das gerundete h beim Hersfelder Doppelkreuz in einem quadrierten Wappen des Abtes Volpert Riedesel von Bellersheim unter dem Quader des Heinrich Kurt (Nr. 137).

Sofern man den Namen als Toponym von Hungen (Lkr. Gießen) versteht, rückt diese Inschrift doch wieder in die Nähe der des Abtes Volpert (Nr. 98), der aus der Bellersheimer Linie der Riedesel stammte und somit zu einem Ort bei Hungen (heute Stadtteil) in Verbindung stand. Aus dieser Stadt stammte auch der 1516 gewählte Abt Crato Melles (Kraft Myle) (Nrr. 145 f., 211/LLL). Der Namensträger könnte also von einem der beiden Äbte an den Konvent oder nur nach Hersfeld gezogen worden sein. Die Schrift wirkt aber wesentlich jünger.

Anmerkungen

  1. Christian Bauer (Reversio, Bad Hersfeld) sei für die erste photographische Dokumentation der Inschrift herzlich gedankt.

Nachweise

  1. Hörle, Hersfelder Inschriften (vor 1513) 140.

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 355 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0035508.