Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 353 Oberellenbach (Alheim), Evangelische Kirche 2. D. 17. Jh.?

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabstein der Martha Heusner. Das Denkmal aus rotem Sandstein ist heute außen am östlichen Mauervorsprung der Südwand befestigt. Von dem ädikulaartigen Mal ist nur das Schriftfeld zwischen flachen und oben mit Schuppen belegten Pilastern und einem schlicht profilierten Sockel erhalten geblieben; der obere Abschluß und der rechte Pilaster fehlen. Die achtzeilige Inschrift ist unten mit einer Vignette abgeschlossen und weist rechts leichte Verluste auf. Als Worttrenner dienen Dreiecke.

Maße: H. (Fragm.) 72, B. (Fragm.) 44,5, Bu. 3–4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. ALHIR RUHET / MARTHA HEUSENER / IN DER EHE GELEBT ∙ 33 ∙ IAHR UND DAR/IN ERZIHLET 4 ∙ SÖH/NE UND TREY TÖ[CH]/TER IHRES ALTE[RS] / 53 ∙ IAHR ∙

Kommentar

Mit Schuppen dekorierte Pilaster sind im Bestand in der zweiten Dekade des 17. Jahrhunderts vorhanden (Nrr. 292, 305, 306, 324), zeichnerisch sogar schon auf dem Epitaph des Abtes Joachim Roell (Nr. 275); über diese datierten Stücke hinaus dürfte es noch mehr heute nicht mehr aus sich heraus datierte geben und gegeben haben. Das Todesjahr könnte hier im oberen Abschluß gestanden haben oder auf der nicht kontrollierbaren Rückseite, wenngleich kein unbehauener Sockel einen zweiseitig gestalteten Grabstein anzeigt.

Die Buchstabenformen entsprechen dem ländlich-gemütvollen minderen Niveau eines längeren Zeitraums, etwa die nach außen gebogenen Schrägschäfte des A, der geschwungene Schrägschaft des N, die vorgewölbte und stumpf auf der Grundlinie endende Cauda des R, das schwach gekrümmte S und die unnötigen diakritischen Zeichen (kurze rechtsschräge Striche) über den eckig-spitzen U. Deshalb und weil die Schuppen einen besonderen Platz oben am Pilaster einnehmen, wird man von der zweiten Dekade des 17. Jahrhunderts abrücken müssen. Nach 1620 wird der Vergleich durch geringere Inschriftendichte und die Konzentration auf zwei Grablegen mit eigenen Schrifttraditionen der Hersteller erschwert.

Das Kirchenbuch von Oberellenbach setzt erst 1659 ein; immerhin ist der Name Heusner lokal und regional verbreitet.1) Die Belege für Martha Heusner setzen erst 1681 ein, besagen aber nichts hinsichtlich der Datierung der Inschrift, weil es sich im Kirchenbuch jeweils um Mädchennamen handelt. In Hersfeld ist der Name Heusner 1655 (Johann Jakob), 1657 (Johann Daniel)2) und später gut belegt, Zuwanderer nach Hersfeld sind aus Mecklar (1628) und Rotenburg (1651),3) also aus der Nachbarschaft des Belegs, nachweisbar.

Anmerkungen

  1. Rechnungen des Amtes Rotenburg 48 zu 1678 in Oberellenbach.
  2. Vgl. Hafner, Schülerverzeichnisse 55 Nr. 258, 71 Nr. 287.
  3. Nach Schmidt, Bürgerbücher Nrr. 289, 652, siehe auch S. 153 (Register) für mehr.
Addenda & Corrigenda (Stand: 21. Juli 2022):

Hinweis zur Datierung: Im Raum Witzenhausen kommen die Schuppenpilaster nur in einer kurzen Zeitspanne nach der Mitte des 17. Jh. vor, vgl. DI 87 (Altkreis Witzenhausen) Nr. 194 (1668), 197 (1669), während im Bereich Hersfeld-Rotenburg Daten teils weit davor liegen.

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 353 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0035300.