Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 339 Bad Hersfeld, Stiftskirche/Stiftsruine 1635

Beschreibung

Grabplatte des Bartholomäus Derentz (de Rentz) von Betz (Bezz). Die Platte aus rotem Sandstein steht innen an der Südwand des Langhauses. Die Platte besteht aus zwei etwa gleichgroßen Teilen, in die sie auseinandergeschnitten wurde. Die Grabinschrift läuft auf dem erhöhten Rand um. Oben im Feld ist ein Wappen angebracht; unter einer Mittelleiste, durch die die Fuge verläuft, befindet sich ein auf einer Bibelparaphrase aufbauendes Reimgebet (B). Darunter könnte ein Steinmetzzeichen1) eingefügt sein, dessen Form aber nicht zuverlässig aus den vielen Oberflächenschäden herausgearbeitet werden kann.

Maße: H. 135, B. 80, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (A). Fraktur (B).

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. A

    ANNO 1635 DEN 16 AVGUS/TI IST DER WOLEDLE [G]ESTRE[NG VE]ST UND M/[A]NHAFFT BARTHOLOME(US) / DERENTZ VON BEZZ AVS BRABAND S(ELIG) ENTSCHLAF(EN)

  2. B

    R[…] 14 /Herr Jesu dir leb ich /Herr Jesu dir sterb ich2)Herr Jesu dein bin ich /Tho[t]t vnt Lebendig3)

Versmaß: Deutsche Reimverse (B).

Wappen:
unkenntlich

Kommentar

Wie der Verstorbene nach Hersfeld kam, ist nicht bekannt. Es handelt es sich entweder um einen Glaubensflüchtling aus den Spanischen Niederlanden, einen im Krieg, etwa während der Einquartierung kaiserlicher Truppen, dahin Verschlagenen oder um einen von Landgraf Moritz ins Land gezogenen Protestanten. Das Kirchenbuch von Hersfeld weist eine Lücke vom 24. Oktober 1632 bis zum 19. August 1635 auf (und eine weitere vom 5. Oktober 1635 bis zum 31. Dezember 1649); auch in den Tagen danach konnte der Verstorbene in einer Zeit erhöhter Sterblichkeit nicht identifiziert werden.4) Der Verstorbene hat wohl nichts zu tun mit der Hersfelder Familie Betz5) oder Beza6).

Es gibt viele Übereinstimmungen in Komposition und leitformartigen Schriftformen zur Platte des Pfarrers Stotzmann (vorangehende Nr.). Insofern muß man der Deutung von Vertiefungen, die mittig unter Inschrift (B) festgestellt wurden, als Steinmetzzeichen doch mit einiger Skepsis entgegentreten; auf der komplementären Platte gibt es keins.

Anmerkungen

  1. So nach Schmidt, fraglich ob mittig, siehe aber unten zur verwandten Platte Stotzmann.
  2. Paraphrase von Röm 14,8
  3. Protestantisches Gebet seit angeblich 1557, so ältester Beleg, später auch im katholischen Bereich übernommen, vgl. A. Stock, Liturgie und Poesie. Zur Sprache des Gottesdienstes. Kevelaer 2010, bei Anm. 23. Eine jüngere Verwendung des Textes in Braunschweig, vgl. DI 56 (Stadt Braunschweig II) Nr. 1122.
  4. Kirchenbuch Hersfeld 1/1635. Zur Pest von 1635 vgl. Neuhaus, Kirchenbuch 102.
  5. Vgl. einen Schüler Johannes Betz im Jahre 1633, Hafner, Schülerverzeichnisse 8 Nr. 10.
  6. Vgl. einen Schüler Johann Georg Beza im Jahre 1637, Hafner, Schülerverzeichnisse 24 Nr. 93. Vgl. auch viele neue Bürger dieser Namen bei Schmidt, Bürgerbücher 150 (Register), dazu Nr. 508 ein Konrad Bez aus Hersfeld im Jahre 1639.

Nachweise

  1. Neuhaus, Bei den Toten 74 (A).
  2. „Bartholomäus Derentz (de Rentz ?) 1635, Hersfeld“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1106> (Stand: 31. 10. 2006, Bearb. Andreas Schmidt, HLGL).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 339 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0033905.