Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 318† Rotenburg, Evangelische Pfarrkirche St. Jakobi 1623

Beschreibung

Epitaph für den Generalsuperintendenten und Dekan Johannes Kalckhoff. Das in Holz ausgeführte Epitaph befand sich gegenüber der Kanzel unter der Fürstenempore. Die Buchstaben waren vergoldet.

Nach Lucae.

  1. Epitaphium reverendi et clarissimi viri domini Iohannis Calchovii ecclesiarum inferioris Hassiae dioeceseos ad Fuldam et Werram quondam superintendentis generalis nec non decani capituli Rotenburgensis, quod cum sibi ipsi ante obitum gravissimos nephritidi morbi cruciatus sustinens conscripsysset. Paulo post 17 februarii anno 1623 die eodem, quo ante 57 annos erat natus, animam de ecclesia optime meritam pie et placide Deo creatori suo reddidit.

Übersetzung:

Epitaph des ehrwürdigen und hochberühmten Mannes, Herrn Johannes Kalckhoff, einst Generalsuperintendent der niederhessischen Diözese an Fulda und Werra sowie Dekan des Stiftes Rotenburg, das er für sich selbst vor dem Tod geschrieben hat, während er die überaus heftigen Qualen der Nierenentzündung ertrug. Kurz danach hat er am 17. Februar im Jahre 1623, an demselben Tag, an dem er 57 Jahre zuvor geboren worden war, seinen um die Kirche hochverdienten Geist fromm und sanft Gott, seinem Schöpfer, zurückgegeben.

Kommentar

Johannes wurde am 17. Februar 1566 in Homberg als Sohn des Pfarrers Tilemann Kalckhoff geboren. Er war von 1587 bis 1590 Lehrer am Pädagogium in Marburg und von 1590 bis 1594 Schulmeister in Homberg. Von 1594 bis 1598 wirkte er als Pfarrer in Borken, und dann von 1598 bis 1607 als Pfarrer in Kassel-Unterneustadt. In den Jahren 1607 bis 1612 war er erster Hofprediger in Kassel und amtierte schließlich von 1612 bis 1623 als Dekan und erster Pfarrer in Rotenburg. Im Jahr 1622 wurde er zudem zum Superintendenten gewählt.1)

Bemerkenswert ist, daß die Inschrift Kalckhoff selbst als Verfasser des Epitaphtextes nennt und auch sein Leiden, die Nierenentzündung, angibt, an der er kurz darauf starb. Conscribere betrifft aber keinesfalls die Koinzidenz von Geburts- und Todestag – die konnte er ja nicht kennen – und dürfte im Sinne von „das er für sich selbst vor dem Tod entworfen hat“ zu verstehen sein, so als habe er im Angesicht des Todes den Epitaphtext in Umrissen festgelegt. Möglicherweise unterschlug Lucae ein Grabgedicht.

Anmerkungen

  1. Hütteroth, Pfarrer 164.

Nachweise

  1. Lucae, Kleinod 36 (41).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 318† (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0031803.