Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 297 Gehau (Breitenbach am Herzberg), Burg Herzberg, aus Breitenbach, Ev. Kirche 1614

Beschreibung

Grabplatte der Agnes von Dörnberg. Die Platte aus gelbgrauem Sandstein steht heute innen an der Nordwand der Kapelle, stammt aber wohl aus der Kirche in Breitenbach.1) Die Grabinschrift (A) läuft auf einem Beschlagwerkrahmen um. Dem Beschlagwerkhintergrund sind im sonst nicht abgegrenzten Feld oben und unten jeweils zwei Vollwappen mit Beischriften (W) aufgelegt. In der Mitte befindet sich ein Kranzmedaillon mit den Bibelzitaten (B) und (C) in insgesamt zwölf gestaffelten Zeilen. Als Worttrenner dienen Quadrangel. Leichte Beschädigungen rundum, links unten mit Textverlust. Die Farbfassung ist modern.

Maße: H. 203, B. 88, Bu. 5,4 (A), 3,5 (B), 3 (W) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Sebastian Scholz) [1/1]

  1. A

    ANNO ∙ D(OMI)NI 1614 DEN / XXII ∙ MARa) ∙ IST DIE EDLE UND VIEL DUGENTS[AME] IUNGFRAU / ANGNESAb) VON DURING/E[NBE]RGK IM HERRN SELIG VERSCHEIDEN ∙ IHRES ALTERSc) LXI ∙ IARd)

  2. B

    PS(A)L(M) XXXIIII / DER GERECHTE / MVS VIEL LEIDEN / ABER DER HERRE / HILFT IHME AVS / DEHM ALLENN2)

  3. C

    PS(A)L(M) ∙ LXXVII ∙ / ABER DOCH SPRACH ICH / ICH MVS DAS LEIDEN DIE / RECHTE HAND DES HOCH/STENN KANN ALLES ENDERNN3)

  4. W

    DURIN/GENBE/RGK ZER/TZE/N 
    HOPFGARTEN MALSBURGK 

Wappen:
DörnbergZerssen
HopfgartenMalsburg

Kommentar

Nur Inschrift (A) zeigt einen Wechsel von rundem U und V, der sich nach dem Lautwert von vokalischem U und konsonantischem V richtet, was in dieser Zeit sonst eher selten ist.4) Bei den Psalmzitaten ist die Verteilung nicht sprachkonform, bei den Wappen aber doch wieder.

Die nach der Inschrift rechnerisch 1552 oder 1553 geborene „Angnesa“ (Agnes) war eine Tochter Adolph Wilhelms von Dörnberg und der Anna von Zerssen.5) Sofern man die Altersangabe als „Nach Vollendung des 61. Lebensjahrs“ versteht, müßte Agnes zwischen dem 23. Mai 1552 und dem 22. Mai 1553 geboren sein. Von dem letzten Datum wird man weiter zurückgehen müssen, da ihr Bruder Johann Adrian vor dem 23. Mai 1554 geboren ist und gewisse Karenzen einzurechnen sind; auch weiß man nicht, wie der bei Buttlar-Elberberg zwischen beiden eingeschobene Bruder Wilhelm anzusetzen ist. Auffälligerweise kennt Buttler-Elberfeld nur das Geburtsjahr 1551.

Textkritischer Apparat

  1. Das Ϋ ist klein unter den Balken des T gesetzt.
  2. A klein angefügt.
  3. S klein neben die Cauda des R gesetzt.
  4. LXI IAR in kleineren Buchstaben.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Nr. 148, Anm. 1.
  2. PsH 34,20.
  3. PsH 77,11.
  4. Vgl. zur Verwendung von U DI 29 (Worms) LXVII; DI 34 (Bad Kreuznach) XLIX; DI 38 (Bergstraße) Nr. 193 mit Anm. 5 und XLIV; DI 49 (Darmstadt, Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau) Nrr. 335, 341, 348, 349, 351, 378; zur frühen Unterscheidung von U und V nach dem Sprachgebrauch vgl. DI 63 (Odenwaldkreis) Nrr. 215 und 249; vgl. oben Nrr. 290, 295.
  5. Bei Humbracht, Stammtafeln, Taf. 262 wird sie nicht erwähnt, bei Buttlar-Elberberg, Stammbuch, Dörnberg Taf. I gleichwohl, aber mit dem Geburtsjahr 1551.

Nachweise

  1. „Agnes von Dörnberg 1614, Herzberg“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1075> (Stand: 9. 7. 2006, Bearb. Otto Volk, HLGL).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 297 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0029701.