Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 281 Bad Hersfeld, Evangelische Stadtkirche 1609

Beschreibung

Gußdatum, Spruchinschrift und Gußvermerk auf der Glocke (12/21/93B), die hinter den anderen Glocken des Achtergeläuts hängt und dadurch schlecht zugänglich ist. Gußdatum (A) und Spruchinschrift (B) laufen zwischen Doppelstegen auf der Glockenschulter um. Der unterste Steg trägt einen hängenden Rankenfries. Der Gußvermerk (C) befindet sich zwischen einfachen Stegen am Wolm. Auf der Flanke ist das Hersfelder Wappen angebracht. Als Worttrenner dienen Quadrangel. Ca. 1600 kg nach Glockenaufnahme.

Maße: H. 96, Dm. 1141) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/3]

  1. A

    ∙ ANNO DOMINI CHSa) ∙ M ∙ D ∙ CIXb) ∙ DIE ∙ XII ∙ MAII ∙ ∙ ∙

  2. B

    ZV GOTTES WORT RVFF ICH DIE LEVTWELCHS ALLEN DIENT ZVR SELIGKEIT

  3. C

    ∙ HERMAN KONIGK ∙ VON ERFFVRT GOS MICH2)

Versmaß: Deutsche Reimverse (B).

Datum: 12. Mai 1609.

Wappen:
Stadt Hersfeld3)

Kommentar

Der Glockengießer Herman König ist von 1596 bis 1611 als Stück- und Glockengießer in Erfurt belegt. Er goß vor allem Glocken für den Bereich Thüringen und Sachsen-Anhalt.4) Am 11. Januar 1609 erhielt er vom Rat der Stadt Hersfeld den Auftrag, die Sonntagsglocke und die Sturmglocke umzugießen und zwei neue Glocken herzustellen.5) Nach der Inschrift muß es sich bei dieser Glocke um die neue Sonntagsglocke handeln, während das Schicksal der Sturmglocke unbekannt ist; die als Sturmglocke bezeichnete von 1389 (Nr. 42) hing jedenfalls noch bis 1940 auf dem Dachreiter. Seltsamerweise galt die Glocke von 1609 auch als Feuerglocke.6) Schlegel sah als Sonntagsglocke die 1666 gegossene und heute verlorene an.7)

Textkritischer Apparat

  1. Sic! Die Bedeutung der Buchstabenfolge ist unklar und läßt sich auf den übrigen bekannten Glocken Hermann Königs nicht nachweisen. Nach Schlegel XSTI anscheinend für CH(RI)STI.
  2. MDC18, verschrieben bei Schlegel aus MDCIX; die Glocke gerät dadurch in einen falschen Zeitabschnitt unter dem Administrator Landgraf Wilhelm V.

Anmerkungen

  1. 125 cm nach Karteikarte.
  2. Für die Hilfe bei der Lesung der Inschrift auf der schwer zugänglichen Glocke danke ich herzlich Herrn PD Dr. Michael Oberweis, Mainz.
  3. Gespalten: vorn ein steigender, linksgewendeter Löwe (Hessen), hinten Stift Hersfeld, vgl. auch Vahl, Hersfeld, Sphragistik und Heraldik 628.
  4. Eichler, Handbuch 162; DI 62 (Weißenfels) Nrr. 197, 198.
  5. Demme, Nachrichten I 94.
  6. So Kempe, Glocken 19.
  7. Schlegel 438, so auch Universitäts- und Landesbibliothek Kassel, fol. Ms. Hass. 119c, Konvolut Hersfeld.

Nachweise

  1. Schlegel, Abbatia (Hs. Gießen) 431 (A, B).
  2. Schoof, Hess. Glockenstudien I 312.
  3. Karteikarte im Glockenarchiv des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, 12/21/93B (kein Foto).
  4. Glockenaufnahme im Hessischen Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden.
  5. Kempe, Geläut 15 mit Teilabb.

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 281 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0028109.