Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 280 Heimboldshausen (Philippsthal), Evangelische Kirche 1608

Beschreibung

Bibelzitat, Meister- und Stifterinschrift sowie Namen als Bauinschrift am Kanzelkorb. Die Kanzel befindet sich heute auf der linken Seite des Langhauses vor dem Chor, doch ist dies nicht der originale Standort. Bei der Umsetzung der Kanzel wurden Teile des Kanzelkorbs offenbar beschädigt und überputzt. Dies ist vor allem an dem Feld neben dem Aufgang zu beobachten. Das erste Feld wurde angeschnitten, wodurch Buchstabenverlust eintrat. Das Bibelzitat (A) läuft oben an dem Kanzelkorb entlang und geht auf den letzten beiden Seiten vor dem Zugang zum Kanzelkorb in die zweite und dritte Zeile über. Darunter befindet sich die Herstellungsinschrift (B). Weiter unten folgen die Namensinschriften (C) und (D). Die Stifterinschrift (E) ist unten am Kanzelkorb auf drei Feldern angebracht. Die Buchstaben sind mit goldener Farbe ausgemalt, die Farbfassung der Kanzel ist neu. Bei der Erneuerung der Farbfassung sind Buchstaben teilweise ergänzt, aber auch ohne goldene Fassung mit der Grundfarbe grau übermalt worden. Als Worttrenner dienen Dreiecke.

Maße: H. 256, Dm. 105, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© ADW Göttingen (Sabine Wehking) [1/13]

  1. A

    [DE]S PRISTERS LIPPEN SOLLEN / DIE LEHR BWAHRE / DAS MAN AVS SEI/NEM MVND DAS / GESETZ SVCHE DE(N) / DER IST EIN // ENGEL DES HERRE[N]a) / ZEBAOHT / MAL(EACHI) 2 CA(PITEL)1)

  2. B

    ANNO 16/08 / HANNSb) / BEL ∙ ET / MATTHEVSc) / SIMON EX / CIVITATE LE[I]SFELTd, 2) ∙ / FECE[B]VN[T]e)

  3. C

    BVRCKHART MEY/ANTZ VNDf) / MARTIN ∙ BICKING / DISER ZEIT / KASTEMEISTER ∙

  4. D

    PRAECEPTORg) IOHA[N]h) / SCH[VI]Ei)

  5. E

    IOHANN=/ LIMPVRGK ∙ / POSVIT ∙

Übersetzung:

(B) Im Jahr 1608 haben Hans Bell und Matthäus Simon aus der Stadt Lengsfeld (diese Kanzel) gemacht. – (D) Lehrer Johann Schvie (Schne). – (E) Johann Limburg hat (sie) gesetzt.

Kommentar

Johann Limburg wurde um 1543 als Sohn des Johann Bertold Limburg (Limberger) in Hersfeld geboren. Er war zunächst Adjunkt und ab 1575 oder 1576 Pfarrer in Kreuzberg (heute Philippsthal), wo er 1614 starb. Zugleich war er von 1579 bis 1614 auch Pfarrer von Heimboldshausen.3) In dieser Eigenschaft stiftete er die Kanzel. Das ausgewählte, sonst selten auf Kanzeln verwendete Bibelzitat (A) macht das Selbstverständnis Johann Limburgers schlaglichtartig deutlich. Mit den für die Finanzen verantwortlichen Kastenmeistern und dem Lehrer sind weitere führende Personen der kirchlichen Gemeinde verewigt worden.

Bei den ausführenden Handwerkern bzw. Künstlern handelt es sich um noch zu identifizierende Bildhauer, ggf. auch Maler,4) aus dem unweit gelegenen hessischen (Schenk)Lengsfeld. Ihre Schrifteigenart zeigt sich in der linearen Kapitalis, Deckbalken des A in ANNO, geschwungenem Schrägbalken des N und auch sonst eher zeitkonformer zierloser Buchstaben mit einem mittleren Anteil von Nexus. Die Ausmalung wirkt allerdings entstellend.

Textkritischer Apparat

  1. Von dem N ist nur der linke Schaft vorhanden.
  2. Hinter dem Vornamen befindet sich ein Steinmetzzeichen (Nr. 15), anscheinend auf dem Kopf stehend.
  3. Hinter dem Vornamen befinden sich Zirkel und Winkelmaß, die miteinander verschränkt sind.
  4. Das angebliche I steht auf der Kante, danach eine kleine Lücke; das Ganze sollte wohl LENSFELD heißen.
  5. Sic für FECERVNT, die Ausmalung anscheinend falsch und den Befund überdeckend. Vom N ist nur der linke Schaft vorhanden, der Rest ist aufgemalt; das T ist am Stein noch in Spuren zu erkennen. Unter dem Wort befindet sich eine nicht gefaßte und die Kante überschneidende Vignette.
  6. Der heutige Befund zeigt einen Nexus von N und E, doch sind die Balken des E nur aufgemalt. Das D ist am Stein noch nachvollziehbar.
  7. Das O eng und kleiner zwischen T und R gestellt.
  8. Das N ist aufgemalt.
  9. Auch dieser Name ist entstellt, vielleicht aus SCHNE.

Anmerkungen

  1. Mal 2,7.
  2. Hinter dem Wort verbirgt sich wohl Lengsfeld, heute wahrscheinlich Schenklengsfeld (Lkr. Hersfeld-Rotenburg), kaum Stadtlengsfeld (Wartburgkreis, Thüringen).
  3. Hütteroth, Pfarrer 207.
  4. Man erwartet eine Reihung nach Gewerken, nämlich Bildhauer und dann erst Maler – das widerspräche aber der Anbringung von Baumeisterwerkzeugen (Zirkel und Winkelmaß) bei Matthäus Simon.

Nachweise

  1. Großmann, Taufsteinwerkstatt 66 (B).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 280 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0028000.