Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 273 Gehau (Breitenbach am Herzberg), Burg Herzberg, aus Breitenbach, Ev. Kirche 1606

Beschreibung

Grabplatte des Adolf Heiderich (Heidenreich) von Dörnberg. Die Platte aus gelbgrauem Sandstein steht heute innen an der Nordwand der Kapelle, stammt aber wohl aus der Kirche in Breitenbach.1) Die Grabinschrift (A) läuft auf einem Beschlagwerkrahmen um. Im Feld sind vor dem Hintergrund des dünnen Beschlagwerks oben und unten jeweils zwei Vollwappen mit Beischriften (W) angebracht. Die Beischriften stehen oben auf Schriftbändern und unten auf kleinen Tafeln. In der Mitte des Feldes befindet sich eine reliefierte Rollwerktafel mit dem Bibelzitat (B). Als Worttrenner dienen kleine Quadrangel. Die untere und die linke Leiste weisen zum Teil erhebliche Beschädigungen auf, wodurch Textverlust eingetreten ist. Die Farbfassung ist modern.

Maße: H. 222, B. 98, Bu. 6,6 (A), 3 (B), 4,3 (W) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Sebastian Scholz) [1/1]

  1. A

    ANNO ∙ 1606 ∙ DEN ∙ 10 ∙ / FEBRUARII ∙ DES ABENTS ZWISCHEN 7 ∙ VND 8 ∙ VHREN IST ADO/LF [HEID]E[RI]CH ∙ VON D[OR/INGENBERGK] SELIGKa) ENTSCHLAFEN ∙ SEINS ALD[ERS] IM 27 ∙ IARb)

  2. B

    ICH WEIS DAS MEIN / ERLÖSER LEBET / VND ER WIRT MICH / HERNACH AUS DER / ERDEN AUFWECK=/EN VND WERDE DAR=/NACH MIT DIESSER / MEINER HAUT VMB=/GEBEN WERDE(N) VND / WERDE IN MEINEM FL=/EISCH GOT SEHEN ∙ IOB ∙ 19c)2)

  3. W

    DORI/NGENB/ERGK K/ALENB/ERGK 
    ZERTZEN KRA[MM] 

Wappen:
DörnbergCallenberg (Calenberg)3)
Zerssen4)Cramm5)

Kommentar

Die Kapitalis zeigt einen Wechsel von rundem U und V, der sich jedoch nicht nach dem Lautwert von vokalischem U und konsonantischem V richtet.6)

Adolf Heiderich (Heidenreich) war laut Ahnenprobe ein Sohn Johann Adrians von Dörnberg und Gertruds von Callenberg (Calenberg) (Nrr. 290, 326).7)

Textkritischer Apparat

  1. Von den Buchstaben sind nur die unteren Schaftenden erhalten.
  2. 27 IAR in kleineren, hochgestellten Ziffern und Buchstaben.
  3. Die letzte Zeile ist in kleineren Buchstaben geschrieben.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Nr. 148, Anm. 1.
  2. Ijob 19,25 f.
  3. Gespalten: vorne in Silber zwei geschrägte rote Lanzen, überhöht von einer roten Rose; hinten in Rot ein goldener Schräglinksbalken, belegt mit aufwärtsschreitendem schwarzem Greif; Helmzier: offener Flug mit vorderem Schildbild, vgl. Siebmacher 1, Taf. 139 (Hessen), Siebmacher, Schlesien, Abgestorbene 16 mit Taf. 12. Nicht zu verwechseln mit Kalenberg (niedersächs.) nach Siebmacher, Sachsen 2, 81 mit Taf. 51.
  4. In Silber ein schwarzer Kesselhaken; Helmzier: in offenem rotem Flug Kopf und Hals eines roten Hahns, vgl. Siebmacher 1, Taf. 180; Siebmacher, Preußen 467 mit Taf. 507.
  5. In Rot drei silberne Lilien, 2:1 gestellt, vgl. Siebmacher 1, Taf. 167; nach Siebmacher, Sachsen 2, 32 mit Taf. 20 verwechselte Farben. Helmzier: in offenem Flug silberne Säule, mit Federn besteckt und von Lilien beseitet.
  6. Dies ist auch sonst selten der Fall, vgl. zur Verwendung von U DI 29 (Worms) LXVII; DI 34 (Bad Kreuznach) XLIX; DI 38 (Bergstraße) Nr. 193 mit Anm. 5 und XLIV; DI 49 (Darmstadt, Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau) Nrr. 335, 341, 348, 349, 351, 378.
  7. Bei Humbracht, Stammtafeln, Taf. 262, ist als Sohn dieses Paares nur Ludwig genannt (Nr. 345), der die Linie fortsetzte; bei Buttlar-Elberberg, Stammbuch, Dörnberg Taf. I wird Adolf Heidenreich richtig eingeordnet – das mit der Inschrift übereinstimmende Lebensalter von 27 Jahren schließt eine Verwechslung und einen anderen Namen aus. Der zweite Vorname stammt vom Großvater mütterlicherseits (Nr. 326). Der Name schon bei Görlich erkannt.

Nachweise

  1. Görlich, Burgkapelle 38 (B).
  2. „Adolf von Dörnberg 1606, Herzberg“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1074> (Stand: 8. 7. 2006, Bearb. Otto Volk, HLGL).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 273 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0027309.