Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 267† Rotenburg, Evangelische Pfarrkirche St. Jakobi 1603/04?

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Bibelparaphrase an der Vorderseite der Orgel, die 1603 auf Veranlassung von Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1592–1627) auf der Südseite des Chores errichtet wurde. Die Mitte der Orgelvorderseite schmückte sein Wappen, das von jeweils 10 Zeilen einer Inschrift flankiert wurde – so nach Auskunft Lucaes. Wahrscheinlich gehörten Wappen und Inschrift zu dem erst im Jahr 1604 durch den Hersfelder Malermeister Reitz fertiggestellten Prospekt. Diese Teile hatten offenbar und zur Verwunderung des Gewährsmanns die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg überstanden und waren auch durch die Neugestaltung der Orgel 1682 zunächst nicht beseitigt worden – jedenfalls kannte Lucae die angeblich alte Beschriftung und auch den Neubau durch Jost Friedrich Schäffer.1) Allerdings bleibt fraglich, ob Lucae die alte Beschriftung von der neuen Gestaltung trennen und das anhand der unterschiedlichen Wappen – mittlerweile waren das Fürstentum Hersfeld und Schaumburg in das hessische Landgrafenwappen eingefügt worden – absichern konnte.

Nach Lucae.

  1. Psalm 149Laus honos et gloriaSit Deo foetusa) novi,Huic sacretur carminis,Hunc sono per iubila.Praedicet cohors sacra,Conditore gaudeat.Israelisb) gens DeoEt Sionis parvuliRege gaudeant suoEius et nomen canant //In choreis buccinisTympanisque bellicis.Sic enim Deo placetNatio concreditaNamque egenos sublevatEt misellos adiuvat.Tum lubens ad sideraErigat pius manusEt celebret gloriaIn cubilibus suis2).

Übersetzung:

Lob, Ehre und Ruhm sei dem Gott des neuen Gedeihens (des neuen Bundes?, Jer 31,31), dem (das Lob) dieses Liedes gewidmet sein soll, den ich durch den Jubelgesang besinge. Ihn soll die heilige Schar loben, sie soll sich an ihrem Schöpfer erfreuen. Das Volk Israel und die Kinder Zions sollen sich an Gott, ihrem König, erfreuen und seinen Namen preisen im Chor mit Trompeten und Kriegstrommeln. So nämlich gefällt Gott das ihm anvertraute Volk, und er unterstützt die Armen und hilft den Elenden. Dann möge er gern seine gütige Hand zu den Sternen erheben, und es soll sich sein Ruhm in seinen Heimstätten (Kirchen) verbreiten.

Versmaß: Zwanzig Siebensilbler.

Wappen:
Hessen-Kassel

Kommentar

Die Inschrift thematisiert in Anlehnung an Psalm 149 passend zur Funktion der Orgel das Lob Gottes durch Gesang und Musik.

Textkritischer Apparat

  1. So wahrscheinlich statt foederis. Da Deo auch in zwei anderen Versen zweisilbig gezählt wird, ergäben sich mit foederis vom Versmaß abweichend acht Silben; anscheinend deklinierte man fälschlich foedus wie foetus und setzte es in dieser Schreibweise ein.
  2. Davor steht nochmals Is. Das Wort ist ohne grammatischen Bezug innerhalb der Verse und offenbar eine Wiederholung der Anfangsbuchstaben des folgenden Wortes, weil die sieben Silben auch ohne Is erreicht werden.

Anmerkungen

  1. Zur neuen Orgel vgl. auch Pontow, in: 500 Jahre St. Jakobus 24–28.
  2. Paraphrase von PsH 149,1–5.

Nachweise

  1. Lucae, Kleinod 37 (42).
Addenda & Corrigenda (Stand: 18. Oktober 2022):

Hinweis zur Übersetzung:

Dr. Edgar Siedschlag, Witzenhausen, schlägt vor, in der 3. Zeile foetus nicht mit foedus in Verbindung zu bringen, sondern diese Passage so zu verstehen:

„…. sei Gott, dem die Frucht des neuen Liedes gewidmet sei, den ich ... besinge.“

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 267† (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0026707.