Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 258 Bad Hersfeld, Stiftskirche/Stiftsruine um 1600

Beschreibung

Fragment der Grabplatte des Sekretärs Johannes Breul. Die Platte aus rotem Sandstein stand früher in der Krypta und ist jetzt im Nordquerhaus aufgestellt. Die Inschrift läuft auf dem erhöhten Rand um. Im oberen Teil des Feldes befinden sich zwei Vollwappen.

Ergänzt nach Hörle.

Maße: H. 66, B. 76, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. [– – – AETA]TIS SVAE AN(N)O L / M(AGISTER) IOHANNES B[REV]LAE/VS SECRETAR[IVS – – –]

Übersetzung:

… im Alter von 50 Jahren (starb) Magister Johannes Breul, Sekretär …

Wappen:
Breul1)unbekannt2)

Kommentar

Johannes Breul wird 1595 beim Grenzgang Abt Joachims von Hersfeld3) und dann 1597 als Sekretär des Stifts Hersfeld genannt.4) Vermutlich war er der Nachfolger des 1591 verstorbenen Sekretärs Georg Rüdiger (Nr. 226) im Dienste des Abtes. Sein genaues Todesdatum ließ sich nicht ermitteln, jedoch heiratete seine Tochter Anna Maria 1607 in die Familie Faust ein und starb 1626 im Alter von 39 Jahren,5) woraus sich ein Geburtsjahr des Johannes Breul nicht zu knapp vor 1567 errechnen läßt. Sollte der Verstorbene mit jenem 1569 in Marburg eingeschriebenen Johannes Breul identisch sein,6) müßte sein Geburtsjahr um 1550 liegen und ließe sich daher gut mit dem Karriereschritt von 1591 und einer Datierung des Todesfalls um 1600, eben im Alter von 50 Jahren, vereinbaren.

Der fragmentarische Zustand verhindert eine umfangreiche Beurteilung der Kapitalis, die in der Region zu den am stärksten klassizierenden Schriften im beginnenden 17. Jahrhundert gehört. Verhältnismäßig dünnstrichig, unterscheidet sie sich jedoch erheblich von einer noch stärker klassizierenden Schrift von ca. 1630 in Neukirchen (Nr. 333). Nur einige Merkmale kommen jenem Ideal nahe, so teilweise Proportionen (nicht das überbreite A), Linksschrägenverstärkung und die entsprechende Schattenachse, die Kreisbögen von C und O und der auf die Grundlinie gezogene Mittelteil des M, nicht jedoch die am Beginn des 17. Jahrhunderts charakteristische Trennung von Bogen und Cauda des R sowie der recht hoch sitzende Mittelbalken des E; es gelang hier freilich die klassizierende Längenabstufung der Balken.

Anmerkungen

  1. Das Wappen ist verstümmelt. Im Feld sind noch drei dreiblättrige Kleeblätter zu sehen, die aus einem Stiel hervorwachsen; weitere Reste genügen, um das identische Wappenbild in der Helmzier wiederzuerkennen; Helmzier: W, in dessen äußere Schäfte zwei G verschränkt eingehängt sind, aus dem W wachsen die Kleeblätter des Wappenbildes hervor. Die Initialen passen eigentümlicherweise nicht zum Namen des Verstorbenen.
  2. Das Wappenbild ist zerstört, oben noch eine Rosette erkennbar. Helmzier: ein Frauenrumpf mit erhobenen Armen, der Kopf fehlt.
  3. Ziegler, Territorium 221.
  4. Demme, Nachrichten I 344, Beilage 106.
  5. Nach Strieder, Grundlage IV 75 f.
  6. Falckenheiner, Personen- und Ortsregister 18.

Nachweise

  1. Hörle, Die Grabsteine im Stift aus dem 16. Jahrhundert 43.
  2. „Johannes Breul um 1600/1611, Hersfeld“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1104> (Stand: 31. 10. 2006, Bearb. Andreas Schmidt, HLGL).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 258 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0025808.