Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 251† Rotenburg, Schloß 1600

Beschreibung

Gedenkinschrift über der Tür, die vom Schloßplatz zum großen Rittersaal führte. Die Inschrift scheint von Lucae buchstabengetreu wiedergegeben worden zu sein.

Nach Lucae.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. ANNO MDC I IUN(II) M(ITTAGS)a) IST DER DURCH=/LEUCHTE FÜRST UND HERR MORITZ LANDGRAF / ZU HESSEN GRAF ZU CATZENELNBOGEN DIETZ / ZIEGENHAIN UND NIDDA SAMT HERTZOG CHRIS=/TOPHELN ZU LÜNEBURG DAS ERSTEMAHL AUF DEM / WASSER ALLHIER ZU SCHIFF ANKOMMEN

Datum: 1. Juni 1600.

Kommentar

Ursprünglich wurde die Fulda von Kassel flußaufwärts nur bis Melsungen von Schiffen befahren. Aber wohl im Jahr 1600 ließ Landgraf Moritz von Hessen, der mit der Anwartschaft auf das Stift Hersfeld die Fulda für die wichtige Verbindung nach Süden nutzen wollte, unterhalb des Schlosses in Rotenburg eine Fulda-Schleuse errichten, um den Fluß weiter schiffbar zu machen.1) Am 3. Juni 1600 befuhr Landgraf Moritz zum ersten Mal die Fulda von Rotenburg nach Hersfeld, um ihre Schiffbarkeit zu prüfen, was die angebliche Datierung der Inschrift auf Juni 1601 ausschließt und gut zu einer Ankunft am 1. Juni 1600 und anschließender Rast im Rotenburger Schloß paßt. In Hersfeld bestieg er mit Abt Joachim von Hersfeld ein großes Schiff, dem zwei weitere Schiffe folgten, und fuhr über Rotenburg zurück nach Kassel; offenbar war der Fluß auch schon zwischen Melsungen und Rotenburg ausgebaut worden. Danach wurden weitere Arbeiten vorgenommen, um die Fulda umfassend schiffbar zu machen,2) und am 24. September 1601 befuhren erstmals Handelsschiffe die Fulda bis Rotenburg, und dann weiter nach Hersfeld.3) Am 27. März 1602 schließlich fuhr Landgraf Moritz mit drei Schiffen von Kassel nach Rotenburg.4)

Moritz fuhr im Jahre 1600 in Begleitung von Herzog Christoph von Braunschweig-Lüneburg (Harburg).5)

Textkritischer Apparat

  1. Die Abschrift von Lucae ist hinsichtlich der Spatien nicht eindeutig; die Druckversion las daraus ANNO MDCI IUN(II) M(ENSE), also „Im Jahre 1601 im Monat Juni“. Die Umstände der Inschrift und somit ihr Inhalt legen aber nahe, daß eine präzise Zeitangabe beabsichtigt war, die gemäß der neuen Korrektur auch in einen größeren Zusammenhang der landgräflichen Schiffahrt paßt. Die Konjektur M(ITTAGS) ist zwar nicht beweisbar, doch im eben erläuterten Zusammenhang schlüssig, außerdem nicht so befremdend wie das nachgestellte M(ENSE) und zum deutschen Text passender.

Anmerkungen

  1. Lucae 273 (111); Brunner, Geschichte der Schifffahrt 228 f. allgemein zu den Bemühungen des Landgrafen; Kemp, Kulturdenkmäler II 763 f. und 846. Zur Vorbereitung der Flußbauten hatte Landgraf Moritz von Just/Joist Moers eine detaillierte Karte einer Vermessung der Fulda anfertigen lassen, vgl. Engel, Joist Moers und Kurz, Fuldaschifffahrt 50–52 sowie Kurz, Ortsansichten, bes. 51 zu den nachgenannten Fahrten.
  2. Brunner, Geschichte der Schiffahrt 229.
  3. Lucae 344 (158); Brunner, Geschichte der Schiffahrt 229 f.
  4. Lucae 344 (158); Kemp, Kulturdenkmäler II 763 f.
  5. Vgl. Europäische Stammtafeln NF I.1, Taf. 23.

Nachweise

  1. Lucae, Kleinod 346 (160).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 251† (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0025105.