Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 249 Wehrda (Haunetal), Evangelische Kirche 1598

Beschreibung

Epitaph für Margarethe von Trümbach, geborene Töpfer. Das ädikulaförmige Denkmal aus gelbgrauem Sandstein steht heute an der Ostwand des Chores. In der Rundbogennische steht die Frau in zeitüblicher Kleidung. Die Hände, die vermutlich einmal ein Buch hielten, sind heute verstümmelt. Links und rechts des Kopfes befinden sich auf dem Rahmen der Nische zwei Vollwappen. Die Grabinschrift (A) beginnt links unten auf dem Rahmen und endet rechts unten. Als Worttrenner dient einmal ein auf die Zeile gesetztes Quadrangel. Im Sockel ist das Bibelzitat (B) angebracht. Bekrönt wird das Epitaph von einem mit Rollwerk verzierten Medaillon, das zwei Vollwappen enthält. Auf dem oberen Rand des Medaillons steht die Signatur (C). Die Farbfassung des gesamten Denkmals ist modern.

Maße: H. 259, B. 94, Bu. 3,7 (A, B), 2 (C) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/3]

  1. A

    ANNO 1598 DEN 8 NOVEMB(RIS) IST DIE EDLE VND TVGENTSAME FRAVW / MARGRETA VON TRVEMBACH / GEBORNE TÖPFFERIN IN GOT SELIGLICH ENTSCHLAFFEN D(ER) S(EEL) GOT. G(NAD)

  2. B

    DAS IST ABER DER WILLE DES DER MICH / GESANDT HAT DAS WER DEN SON SIHET / VND GLEVBET AN IN HABE DAS EWIGE LEBEN / VND ICH WERDE IN AVFFERWECKEN AM IVNGSTE(N) TAGE / IOH(ANNES) […..]a, 1)

  3. C

    B Z E

Wappen:
Töpfer2)Schönberg
Einsiedel3)Gans

Kommentar

Margarethe entstammte der Ehe des Friedrich Töpfer mit Catharina von Schönberg (Nr. 200). Daß Catharina und nicht Kunegunde von Heldritt, wie Biedermann meinte,4) Margarethes Mutter war, ergibt sich aus Übereinstimmungen der Ahnenprobe ihrer Grabdenkmäler. Margarethe war mit Jörg von Trümbach (Nrr. 240 f.) verheiratet.

Für das Wiedererkennen des Bildhauers B Z E sind möglicherweise Eigenheiten der Kapitalisschrift nützlich, wie sie sich im Zier-A des Beginns von (A) (nach rechts gebogen, linker Schaft hochgebogen und eingerollt) und durch Abkehr vom Kreisbogen zeigen. Durch Verlängerung des oberen Bogenendes erscheinen C und G wie das S nach rechts gekippt; eine Art Leitbuchstabe könnte das N mit geschwungenem und doch steil bis senkrecht stehendem Schrägschaft sein.

Textkritischer Apparat

  1. Die Kapitelzählung ist verloren, denn die Buchstaben IOH stehen nicht in der Mitte.

Anmerkungen

  1. Joh 6,40.
  2. Von Schwarz und Silber halb gespalten und geteilt (unten blau), im ersten Feld ein Blatt; Helmzier: offener Flug, darin ein wachsender Bock, vgl. Siebmacher 1, Taf. 160; Siebmacher, Thüringen 108 mit Taf. 85, hier in Courtoisie gewendet.
  3. Ein Mönch, nur Gesicht frontal, mit geschulterter Hacke, in der linken Hand einen Rosenkranz haltend, Beil fehlt; in der Helmzier Bild wachsend, wie bei Siebmacher 1, Taf. 153 Figur – hier in Courtoisie – nach links gewendet; detaillierte Beschreibung auch in Siebmacher, Nassau 1, 11 mit Taf. 12.
  4. Biedermann, Geschlechtsreg. Rhön und Werra, Taf. CCCLI. Schmidt nennt als Vater Wolf Töpfer. Fraustadt, Geschichte Schönberg IA ist leider nicht aufschlußreich.

Nachweise

  1. Sturm, Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes II 437.
  2. „Margaretha von Trümbach geb. Töpfer 1598, Wehrda“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1055> (Stand: 04. 01. 2022, Bearb. Andreas Schmidt, HLGL).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 249 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0024906.