Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 248 Rotenburg, Evangelische Pfarrkirche St. Jakobi um 1597/98?

Beschreibung

Bezeichnungen von Maßen, rechts des Westportals in relativ großer Höhe in den Mauerbestand des 15. oder frühen 16. Jahrhunderts eingegraben.1) Die untere Bezeichnung (A) steht knapp unter einer querrechteckigen Vertiefung in den mehrfarbigen Sandstein, die zweite einen knappen Meter darüber ohne Zuordnung zu einem heute noch sichtbaren Bezugspunkt. Die Entfernung von der unteren Vertiefung zu der oberen nicht bezeichneten beträgt – jeweils mittig gemessen – ca. 210 cm und dürfte die Länge des Maßes angeben.

Maße: Bu. 4,5–5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. A

    KLAFTER

  2. B

    MESGERT

Kommentar

Die noch unlängst als “mittelalterliche Maßangaben”2) bezeichneten Markierungen stammen nicht aus der Bauzeit der Kirche und somit von um 1500, sondern wurden den Schriftformen zufolge wesentlich später hinzugefügt. Diese sind unabhängig von der Baugeschichte in der fortgeschrittenen Renaissance entstanden und wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Erneuerung des Rathauses ab 1597 zu sehen. Man wird sich damals entschlossen haben, die für den zwischen beiden Gebäuden liegenden Markt relevanten Maße am gut zugänglichen Kirchenportal anzubringen.

Die Buchstabenformen lassen diese Datierung durchaus zu, obwohl es um die Jahrhundertwende einander entgegengesetzt erscheinende Schriftausprägungen gibt. Dabei erwecken sogar die 14 Buchstaben der Maße den Verdacht, nicht von einer Hand zu stammen, weil die von Inschrift (B) im Duktus breiter angelegt sind und besser der Grundlinie folgen als die von (A). In der Zeit sind aber A mit Deckbalken, letztmalig datiert 1608 (Nr. 280),3) E mit schwankenden Längenverhältnissen der Balken bis zum längeren oberen Balken, breites G mir hochgezogener Cauda (Nr. 236, weniger breit Nr. 280) und gestauchtes S belegbar, ohne daß man die Formen auf eine Dekade eingrenzen könnte. Nur die rechts am Bogen sitzende und kurze konkave Cauda des R von (A) und die etwas längere von (B) wecken sonst nicht gestützte Reminiszenzen an klassizierende Schriften.

Anmerkungen

  1. Zur Baugeschichte der 1495 geweihten Kirche vgl. Pontow in 500 Jahre St. Jakobus 8–10.
  2. So Dehio, Hessen I (2008) 786.
  3. Vgl. Einleitung Kap. 5.2.

Nachweise

  1. Riebeling, Rechtsmale 77 m. Abb. S. 84.

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 248 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0024800.