Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 244 Bad Hersfeld, Stiftskirche/Stiftsruine 1597

Beschreibung

Fragment der Grabplatte des Johannes Beutefering, das früher an der linken Seite der Kryptamitteltreppe aufgestellt war. Von der Platte hatten sich bis 1941 nur Teile der von links unten umlaufenden Grabinschrift (A) und des im Feld angebrachten Grabgedichts (B) erhalten. Das über dem Grabgedicht vorhandene Wappen war damals schon stark beschädigt, der untere Teil der Platte ist verloren bzw. im Boden versunken. Die Platte steht heute an der südlichen Außenmauer des Westwerks, zweiter Stein von Osten innerhalb von Bewuchs. Die Zeilen des Pentameters sind links teilweise eingerückt. Gegenüber Hörles Zeit hat sich der Zustand des Steines erheblich verschlechtert. Mit der zehnten Zeile wird wohl der abschließende Pentameter begonnen haben.

Ergänzt nach Hörle.1)

Maße: H. (Fragm.) 105, B. 64, Bu. 7,5 (A), 4,0 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), erhaben (A).

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. A

    [ANNO DO]MINI […]a) NOVEMB(RIS) 20b) [– – –]

  2. B

    TERTI(VS) HIC RECV/BAT EXIN BEV/TFRINGIVS ANNOS /QVI TREDECIM / REXIT [DEDITA] / SCEPTRA SCOLAE /HUNC PIETAS / CANT[(VS)]c) T[RIPLICIS/QVEd) PERITIA LINGVAEVLTIMA O– – –]

Übersetzung:

(B) Hier liegt als Dritter nun Beutefering, der 13 Jahre lang das ihm übergebene Zepter der Schule führte. Diesen, (o Lobredner), schmückte die Frömmigkeit, Gesang und die Kenntnis dreier Sprachen; …

Versmaß: Zwei elegische Distichen (B).

Kommentar

Johannes Beutefering (aus Ostenfeld/e, mehrere Orte in Westfalen oder Schleswig-Holstein) wurde 1570 in Marburg immatrikuliert.2) Bereits 1578 unterrichtete er in Hersfeld am dortigen Gymnasium,3) das 1570 von Abt Michael Landgraf gegründet und dann von Abt Ludwig Landau gefördert worden war.4) Nach dem Tode von Gerhard Waldenberg übernahm Beutefering 1584 als vierter Rektor5) die Leitung des Gymnasiums. Er starb am 20. November 1597.6)

Textkritischer Apparat

  1. Hörle setzte hier die ihm nicht mehr erkennbare Jahreszahl 1597 ein.
  2. Die Nachstellung des Tagesdatums hinter den Monatsnamen ist ungewöhnlich.
  3. Die Lesung CANTOR bei Hörle, der keine Kürzungen anzeigt, bringt unnötige Probleme und könnte aus einer mißverstandenen VS-Kürzung wie in TERTI(VS) resultieren – so wurde im Text konjiziert.
  4. Ab hier war die Lesung Hörles auch nicht mehr ansatzweise nachprüfbar.

Anmerkungen

  1. Hörle übersetzt das Metrum nachahmend und macht gleichzeitig einen Vorschlag, wie der Text geendet haben könnte: „Hier liegt als Dritter der Reihe Beutfringius. Dreizehn der Jahre hat er das Szepter regiert, das ihm die Schule vertraut. Frömmigkeit und – ich erstaune – gar dreifacher Sprache Verstehen reiht ihn gewiß nicht zuletzt unter die Zierden der Welt.“
  2. Hütteroth, Pfarrer 436; Falckenheiner, Personen- und Ortsregister 11.
  3. Hütteroth, Pfarrer 436.
  4. Demme, Nachrichten I 72 und 80; Hafner, Geschichte 1 f.
  5. Die Zählung der Inschrift scheint sich nur auf die im Stift Begrabenen zu beziehen; von den bedeutenden Rektoren Uranus und Waldenberg kennt man allerdings keine Grabinschriften.
  6. Hafner, Geschichte 3; Hörle 43; Hütteroth, Pfarrer 24.

Nachweise

  1. Hörle, Die Grabsteine im Stift aus dem 16. Jahrhundert 43.
  2. „Johannes Beutefering 1597, Hersfeld“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1119> (Stand: 14. 11. 2006, Bearb. Andreas Schmidt, HLGL).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 244 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0024404.