Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 238 Bad Hersfeld, Museum, von der Fuldabrücke 1595

Beschreibung

Namen und Jahreszahl auf einem Quader. Der gelbe Sandsteinblock steht heute in der Ausstellung des Museums im zweiten Stock und stammt von der alten Fuldabrücke südlich des Peterstors im Südosten der Stadt; dort war er bis zur Zerstörung der Brücke am Ende des II. Weltkrieges am ersten Pfeiler angebracht.1) Der genaue frühere Anbringungsort ist durch Hörle bekannt, der die Inschrift am flußaufwärts gelegenen ersten Wellenbrecher, wenn man vom Peterstor kommt, sah. In der Mitte des Steins befinden sich auf einer kleinen erhabenen Tafel gleichfalls erhaben die Jahreszahl und das Wappenbild ohne Schild. Die Namen sind darüber und darunter eingehauen. Links davon sieht man eine Rille für eine Klammer. Zur rechten Hälfte des Steins hin Ausbrüche und Oberflächenverlust, so daß Namen verstümmelt und verschwunden sind.

Maße: H. 39, B. 55, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. FRIDERICH [SELZAM]a) / [I]OANNES LAND[AW]b) // 1595 // HANS ∙ EICHELER / HAINESc) MNNSC[HER]d)

Wappen:
Wappenbild: Hersfeld (Stift).

Kommentar

Die in der Inschrift genannten Personen sind vermutlich die mit einer Baumaßnahme betrauten Amtsträger. Das ergibt sich aus der Natur des öffentlichen Bauwerks und der dort regelmäßig verewigten Baubeauftragten,2) die jedoch aus dem heutigen Buchstabenbestand nicht identifiziert werden konnten. Die beiden letzten Namen bzw. Begriffe wirken entstellt, weil anfangs auch ein A links in das N eingestellt und mit Nexus verbunden sein könnte, obwohl das nicht sehr wahrscheinlich ist. Den ersten Bestandteil der letzten Zeile könnte man nämlich auch als Heenes deuten, obgleich dieser Ort, mittlerweile Stadtteil von Bad Hersfeld, im Nordwesten liegt, während sich die alte Fuldabrücke im Südosten der Stadt befand; man verband trotzdem die Namen mit dem Ort und deutete den Text als Bauinschrift, wonach „Land und Eichler von Heenes [die Brücke] gebaut haben.“ Hörle sah in ihnen folgerichtig die „Steinmetzen“.3) Angesichts der Lage und der eingangs formulierten Hypothese, es handelte sich um im Namen der Stadt den Brückenbau, eigentlich die Erneuerung bzw. Renovierung, beaufsichtigende Personen, kann das nicht überzeugen.

Nur wenn man sich mit der obigen Hypothese den Namen und den kargen Resten der rechten Hälfte zuwendet, kann man daraus die Hypothese bestätigen, weil im Jahr 1595 Friedrich Selzam und Johannes Landau erster und zweiter Bürgermeister waren,4) wie die Reihenfolge des Steins vorgibt – Überlegungen, denen zufolge die Namen Land und Eichler in den Bürgeraufnahmen für Hersfeld zwischen 1601 und 1650 vorkommen, so Hörle, sind also obsolet, scheinen sogar auf unsoliden Grundlagen zu fußen. Man wird dann mit Mozer2) in den beiden unteren Namen die städtischen Baumeister erkennen dürfen. Immerhin war Hans Münscher im Jahr 1612 Ungelder und als wohlhabender Lohgerber lange Jahre im Rat (Nr. 279). Im Jahr 1602 hatte er dem Stipendium für das Gymnasium als erster (!) der vom Großen Viertel dazu Beauftragten zugestimmt,5) nahm also damals eine herausgehobene Position ein.

Textkritischer Apparat

  1. Von dem S glaubt man noch schemenhafte Umrisse zu erkennen; bisher nicht gelesen oder Verlust angezeigt.
  2. Von dem A glaubt man noch schemenhafte Umrisse zu erkennen; bisher nicht gelesen oder Verlust angezeigt; Hörle blieb bei LAND.
  3. So bestätigt in Jahreszahl. Es handelt sich um eine Variante des Vornamens Hans, nicht um eine Verballhornung des Ortsnamens Heenes, nördlich von Hersfeld, so Hörle und Mozer. Vgl. auch bei Anm. 5.
  4. MNNSG Jahreszahl; Hörle. Offenbar N nach dem M verhauen für V. Hörle zog HAINES zu EICHLER und vermutete hier einen MANNS aus vielleicht Gittersdorf, das hinter Heenes im Geistal liegt, vgl. aber Kommentar.

Anmerkungen

  1. Nach Jahreszahl; ebendort werden die Jahreszahlen 1833 und 1895 zu weiteren Baumaßnahmen und das Datum des 17. Januars 1841 für ein Hochwasser mitgeteilt.
  2. Man vergleiche den Stein vom Friedhof (Nr. 219) und beim Rathaus (Nr. 279); Mozer, Mensch und Wasser 20 versteht die Namen als die der beiden Bürgermeister und wahrscheinlich der Ädilen (Baumeister einer Gemeinde), also wie bei der Friedhofsinschrift, identifiziert sie aber nicht.
  3. So nach Jahreszahl. Nichts dazu bei Voit, Brücken.
  4. Demme, Nachrichten I 378.
  5. Demme, Nachrichten I 362, Beilage 111.

Nachweise

  1. Jahreszahl an der Fuldabrücke 122.
  2. Hörle, Alt-Hersfelder Inschriften 110.
  3. Mozer, Mensch und Wasser 20 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 238 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0023802.