Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 235 Rotenburg, Evangelische Pfarrkirche St. Jakobi um 1592, 1731

Beschreibung

Rest einer Meistersignatur (?) (A) in der Nordwestecke der unteren Empore im Westen. Auf einem Balkenstück, das durch die fiktiven Flechtwindungen zweifelsfrei zu den Rotenburger Emporen gehört. Da es offensichtlich später in die Ecke eingebaut wurde, hält man es für ein Stück aus der im Jahre 1731 abgerissenen Südempore, die durch eine Erhöhung im Westen ausgeglichen wurde; dort befindet sich eine entsprechende Inschrift (B). Das Balkenstück soll von der Schwelle der Südempore stammen.1) Der kleine Ausschnitt läßt sich leider nicht ergänzen, da keine Akten über die Ausstattung vorhanden sind.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/1]

  1. A

    [– – –]HEM(…)a) H[– – –]b)

  2. B

    J(OHANN) CONRAD STUNSTZ P(RO) T(EMPORE) CONSUL 1731

Übersetzung:

(B) Johann Conrad Stuntz, dieser Zeit Bürgermeister, 1731.

Kommentar

Pontow forderte dazu auf, in den städtischen Akten den Namen des Zimmermannmeisters zu suchen, und glaubte ihn um 1700 finden zu können. Tatsächlich geht es aber um die Zeit des ersten Emporenbaus, den man in Anlehnung an die Inschrift des Drechslers Barthel Scherer (Nr. 233) in der Nähe von dessen Wirken, das die Inschrift auf das Jahr 1592 setzt, annehmen muß. Angesichts des Größenunterschieds der beiden Schriften von mindestens 4:1 und der geringen Buchstabenzahl kann man nur festhalten, daß die Balken des E übereinstimmend stark abgestuft sind, hier aber ein Halbnodus am Balken des H hängt; beide Inschriften können also durchaus zeitnah entstanden sein, geben jedoch keinen positiven Hinweis auf eine gemeinsame Werkstatt.

Eine Zusammenstellung von Personennamen im Kämmereibuch der Stadt Rotenburg von 1590 nennt zwar keinen Zimmermann, nur eine Witwe des Hans Zimmermann, dafür aber mehrfach Geschoßsetzer und einen Stadtbaumeister Wilhelm Homann.2) Bei einer angenommenen Verschleifung des Vornamens könnte sich dessen Name hinter der Inschrift verbergen. Es wäre also dann nicht oder eben nicht nur der Hersteller, sondern ein für den Bau Mitverantwortlicher der Stadtverwaltung genannt, wie das auch 1731 (B) mit der Nennung des Bürgermeisters geschah.3)

Es ist noch nicht geklärt, wie die Inschrift von 1609 (Nr. 285) dazu paßt.

Textkritischer Apparat

  1. Der Doppelpunkt nach dem M könnte eine Kürzung anzeigen.
  2. Das H links der Mitte beschnitten.

Anmerkungen

  1. So Pontow.
  2. Vgl. Bingemann, Einwohner, Sp. 272 zu Homann.
  3. Johann Conrad Stuntz war mehrfach (1725–1728?, 1729–1731!, 1737, …) Bürgermeister, vgl. Johannes Sempert, The Mayor list of the Northern Hessian town of Rotenburg on the Fulda river, in: http://archiver.rootsweb.ancestry.com/th/read/HESSE/1999-09/0937515237 (konsultiert letztmals am 15. Januar 2015 - nicht mehr frei zugänglich).

Nachweise

  1. M. Pontow, in: 500 Jahre St. Jakobus 13 (A, B) mit Abb. S. 20 (A).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 235 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0023505.