Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 230 Nentershausen, Evangelische Kirche 1592

Beschreibung

Epitaph der Elisabeth von Baumbach, geborene von Nauendorf. Das Denkmal aus gelbgrauem Sandstein ist innen in die Nordwand des Langhauses rechts neben dem Epitaph ihres Mannes Hermann eingelassen. Die in erhabenen Buchstaben ausgeführte Inschrift läuft auf dem eingetieften Rand um und geht im Feld in die zweite Zeile über. Dort sind die Buchstaben jedoch eingetieft statt erhaben. Im Feld steht unter einem auf schlanken Säulen ruhenden Bogen eine Frau in zeittypischer Kleidung, welche die Hände vor der Brust zusammengelegt hat. Unter ihrem linken Ellbogen ist ein Steinmetzzeichen (Nr. 13) zu sehen. In den Ecken sind vier, auf die Seitenleisten ausgreifende Vollwappen angebracht, von denen die unteren beiden bis zur Unkenntlichkeit zerstört sind. Wie bei dem Denkmal des Ehemannes sind hier die unteren Helmzierden wegen der Tiefe des Reliefs auf einen schildartigen Hintergrund aufgelegt. Das gesamte Denkmal ist farbig gefaßt. Der untere Teil der rechten Leiste sowie die untere Leiste und die untere Ecke der linken Leiste sind zerstört, wodurch Textverlust eingetreten ist. Als Worttrenner dienen Quadrangel.

Maße: H. 194, B. 96, Bu. 3,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/2]

  1. ANNO ∙ 1 ∙ 5 ∙ 92 ∙ DEN ∙ 17 ∙ OCTOBRIS IST ∙ / DIE // EDLE ∙ VND ∙ VIEL ∙ TVGENTSA͜M͜E [– – – / – – –]NDORFF ∙ IM∙ HERN ∙ SELIG ∙ ENTSCHLA//FFEN / // DER // SELEN GOTT ∙ GENADa)

Wappen:
Weitershausen1)unbekannt2)
Baumbach3)Nauendorf4)

Kommentar

Der erhaltene Namensrest auf der linken Leiste zeigt, daß es sich bei der Verstorbenen um Elisabeth von Nauendorf handelt, die seit 1561 mit Hermann I. von Baumbach verheiratet war, der ebenfalls 1592 starb und in Nentershausen durch ein Epitaph verewigt wurde (vorangehende Nr.).5) Wie die Ausführung der Inschrift und die gleichartige Konzeption der Denkmäler erkennen lassen, stammen beide Epitaphien aus der gleichen Werkstatt, doch ist nur jenes für Elisabeth mit einem Steinmetzzeichen versehen.

Die Verteilung der Wappen ist extrem ungewöhnlich, da links die beiden Elternwappen des Gatten und rechts die der Verstorbenen aufgebracht sind. Zumindest ergibt sich diese Annahme aus der Tatsache, daß beide Denkmäler aus dem Jahr 1592 identische Wappen in abweichender Anordnung zu zeigen scheinen. Die Abweichung von der Norm und die Verwechslung erklären sich vielleicht aus Fehlzuweisungen während einer gemeinsamen Herstellung.

Textkritischer Apparat

  1. Ab DER SELEN ist die Schrift eingetieft.

Anmerkungen

  1. Fünfmal schräglinksgeteilt; Helmzier: zwei Büffelhörner, vgl. Siebmacher 1, Taf. 136; Siebmacher, Hessen 30 mit Taf. 34. Das ist das Mutterwappen des Ehemanns, nicht das Wappen Nauendorf des Vaters, das sich auf der Mutterseite des Ehemanns findet, vgl. vorangehende Nr. Nach der neuen Hypothese zu den Wappen befíndet es sich hier rechts unten.
  2. Quadriert: 1/4. am Spalt ein senkrechter Balken, 2/3. eine Wolfsangel, darüber eine Maske; zwei Helmzierden: offener Flug; zwei Federköcher.
  3. Zu erkennen ist nur die das Schildbild wiederholende Helmzier, vgl. Siebmacher 1, Taf. 140.
  4. So die aus einer Krone wachsende Helmzier, abweichend von Siebmacher 1, Taf. 144, aber identisch zum Wappen auf dem Denkmal des Ehegatten (vorangehende Nr.) und nach der Hypothese des Wappenarrangements.
  5. Vgl. Baumbach, Familie von Baumbach 65 und Taf. IV.

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 230 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0023000.