Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 216 Neukirchen (Haunetal), Evangelische Kirche 1588

Beschreibung

Bibelzitat, Jahreszahl und Meistername auf einem Taufstein aus grauem Sandstein, der rechts vor dem Chor steht. Das Bibelzitat (A) läuft oben auf dem Rand des Beckens um, während sich die Jahreszahl und der Meistername (B) auf der Außenseite des oberen Beckenrandes befinden. Becken und Fuß sind mit schmalen Gratstäben verziert, die sich gitterförmig überschneiden. Die acht einzelnen Beckenfelder sind mit unterschiedlichen Motiven geschmückt: Zwei auf einer Seite nebeneinander liegende Felder tragen Wappen, dann folgen eine heraldische Lilie, ein Sonnenrad, eine Rosette, ein Vierpaß, nochmals eine Rosette und nochmals ein Vierpaß. Als Worttrenner dienen Quadrangel.

Maße: H. 103, Dm. 64,5, Bu. 4,5 (A), 2,5 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/4]

  1. A

    WER ∙ DA GLEVBET VND GETAVFT WIRD DER SOL SELIG WERDEN MARCI AM 16 CAP(ITEL)1)

  2. B

    1 ∙ 5 ∙ 8 ∙ 8 ∙ / HENT HOES MEISTER

Wappen:
BuchenauTrümbach

Kommentar

Die beiden Wappen beziehen sich auf die lutherischen Herren von Buchenau sowie auf die Herren von Trümbach, die das fuldische Gericht Neukirchen innehatten, jedoch ebenfalls lutherisch geworden waren.2) Eine Eheverbindung zwischen den Familien von Buchenau und Trümbach läßt sich allerdings nicht nachweisen, und es ist auch unklar, welche Rolle die von Buchenau in der Pfarrei Neukirchen spielten. Da ein Taufstein von 1582 in Odensachsen (Nr. 204) ebenfalls die Wappen Trümbach und Buchenau trägt, geht Neuber von einer engen Zusammenarbeit der beiden protestantischen Familien auf kirchlichem Gebiet gegen das Stift Fulda aus.3)

Die jeweils mit sehr tiefer Kerbe gehauenen Inschriften gleichen sich in fehlenden Sporen, mehrfach ungelenker Ausführung vor allem von Bögen und in Einzelformen wie oben und unten angespitztem O, spitzen und vor allem flachen Bögen des S. Eine aus den Entstehungsumständen zu erwägende Identität der Hände kann nicht durch überzeugende Merkmale gestützt werden, zumal auch der umlaufende Dekor der Kuppa unterschiedlich konzipiert ist.

Anmerkungen

  1. Mk 16,16.
  2. Neuber 116.
  3. Neuber 117.

Nachweise

  1. Kietzell, Kirche von Neukirchen 50 (A, Jz. von B).
  2. Großmann, Taufsteinwerkstatt 66 (B).
  3. Haase, Geschichte unseres Dorfes 35 (Jz. von B).
  4. Sturm, Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes II 277.
  5. Dehio, Hessen I (2008) 682 (B).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 216 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0021608.