Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 214† Bad Hersfeld, Stiftskirche/Stiftsruine 1580 o. 1588

Beschreibung

Epitaph des Abtes Ludwig Landau. Wie die Grabplatte in der Stiftskirche und wie beim Vorvorgänger (Nrr. 145 f.) über jener an die Wand gestellt. Die Nachzeichnung zeigt eine Säulenädikula, über deren anzunehmendem Sockel, der anscheinend nicht für die Füllung mit einer Inschrift vorgesehen war und daher nicht eingezeichnet wurde, sich eine Rundbogennische (der Rundbogen zwischen den Pilastern eingehängt) erhob. Darin kniete nach rechts gewandt die Figur des Abtes im Ornat, die Mitra auf dem Boden abgestellt, der Stab daneben liegend, vor einem Kruzifix mit Titulus (A); der Abt scheint den Kreuzstamm zu umarmen. Den beiden Säulen war zweimal das Stiftswappen aufgelegt. Auf der unteren Leiste stand die Signatur mit dem Herstellungsjahr (B). Im ädikulaartigen Giebel das Vollwappen, die Pilaster mit Masken, ebenso die äußere Zier; ein zweiter, kleinerer Giebel leer, nur in Umrissen und mit Kugeln dargestellt – offenbar sollte darin eine Inschrift stehen. Wo eine Grabinschrift bzw. ein Grabgedicht wirklich angebracht werden sollte, steht nicht fest, da über das Herstellungsjahr keine Gewißheit zu erlangen ist und davon eben die Zuweisung abhängt.

Nach Schlegel.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz; Forschungsbibliothek Gotha (Thomas G. Tempel (Repro)) [1/1]

  1. A

    I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDEORVM)1)

  2. B

    1. 5. V(ALENTIN) H(EP) 8. [.]a)

Wappen:
Stift HersfeldStift Hersfeld
Stift Hersfeld/Landau2)

Kommentar

Anscheinend wurde keine Inschrift des Epitaphs abgeschrieben, oder eine Grabinschrift bzw. ein Grabgedicht wurde in den Wirren des Weiffenbachschen Abbatiats und danach nicht mehr ausgeführt. Das ist umso bedauerlicher, als Landau zu den fleißigsten Kunstförderern und Auftraggebern von Inschriften zählt und sich gewiß selbst schon um seine Memoria gekümmert hat, zumal er als Altgläubiger damit rechnen mußte, daß ihm ein Protestant, nämlich der Dekan Crato (Kraft) Weiffenbach folgen würde, was ja auch geschah. Das Epitaph wurde möglicherweise auch deshalb nicht mehr fertiggestellt, weil der von Landau immer wieder beauftragte Bildhauer Valentin Hep im Hersfeldischen letztmals auf Landaus Grabplatte 1588 (vorangehende Nr.) signierte und danach anscheinend nicht mehr lange zur Verfügung stand.3) Diese Hypothese stützt zwar die Lesung des Herstellungsjahres 1580 nach Schlegel, könnte aber auch bedeuten, daß Hep nach September 1588 mit Landaus Epitaph begann und danach entweder die weitere Förderung durch den Nachfolger ausblieb oder Hep nicht mehr in Hersfeld oder überhaupt nicht mehr weiterarbeitete, war doch schon die veränderte Schrift auf Landaus Grabplatte (vorangehende Nr.) ein Anzeichen für massive Veränderungen in der Werkstatt.

Mit der in eine Ädikula eingestellten knienden Figur vollführte der Hersteller – im Auftrag des Setzenden – einen Entwicklungsschritt über die Standfigur in der Nische hinaus, wie sie noch für die Amtsvorgänger Melles (Nr. 146) und Landgraf (Nr. 180) erstellt wurde. Anscheinend wirkte der Bildhauer Hep in diesem Sinne prägend, da ihm das erste Denkmal dieses Typs in der Region, das Epitaph des Lucas von Trümbach in Wehrda (Nr. 172), zu verdanken ist. Allerdings wurde diese neue Epitaph-Variante noch nicht für das wenig jüngere Epitaph des Abtes Michael Landgraf, gestellt von Landau, übernommen.4)

Abt Ludwig V. förderte das von seinem Vorgänger gegründete Gymnasium, baute am Eichhof (Nr. 181), schmückte diesen mit einem Gemäldezyklus seiner Vorgänger (Nr. 211) und verewigte sich auch an den Stiftsgebäuden.5)

Textkritischer Apparat

  1. Schlegel überliefert hier eine 0; möglicherweise war die Stelle nicht gut lesbar, oder Schlegel schrieb nur seine Lesung des Herstellungsjahres von der Grabplatte weiter. Möglich scheint allerdings auch eine Herstellung zu Lebzeiten, vgl. unten im Kommentar.

Anmerkungen

  1. Nach Joh 19,19.
  2. Quadriert: 1/4. Stift Hersfeld; 2/3. Landau.
  3. An den ehemaligen Wirkungsstätten Heps, Wehrda und Hersfeld, folgen mit den Denkmälern Thüngen 1590 (Nrr. 220 f.) und Rüdiger 1591 (Nrr. 225 f.) solche aus anderer Hand.
  4. Der Typus ist zwischen 1570 und 1590 verbreitet, läuft dann mit den Denkmälern Roell (Nr. 275) und Erlach (Nr. 327) aus. Zu bescheideneren Vorläufern und kleinformatigen Nachfolgern vgl. Einleitung Kap. 4.1.
  5. Zur Person vgl. vor allem bei der Grabplatte (vorangehende Nr.) mit weiteren Hinweisen.

Nachweise

  1. Schlegel, Abbatia, fol. 187r (Nachzeichnung).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 214† (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0021400.