Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 209 Niederaula, Rathaus, aus Hauptstraße 13, ehemaliger Amtshof 1584

Beschreibung

Bauinschrift auf einer Tafel, die früher neben dem rundbogigen Tor in der Mauer des Amtshofes eingelassen war. Sie ist heute im Flur des 1. Obergeschosses des Rathauses eingelassen. Die querrechteckige Tafel aus gelbem Sandstein wird von einem schlichten rechteckigen Rahmen umlaufen und ist mit sechs das Feld füllenden Zeilen beschrieben. Die Verse und somit die Zeilen sind mit Doppelpunkten aus vertieften Quadrangeln abgeschlossen, wenige unspezifische Worttrenner im Text, in der Zahl steht ein Vierpaß in Kontur; die Worttrennung durch Spatien unregelmäßig. Die Oberfläche ist stellenweise mit Verlust der Schrift abgewittert.

Ergänzt nach Textverlauf und Hörle.

Maße: H. 40, B. 75,7, Bu. 3–4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. DER MAVRERa) HANS THOMAS GENANT ∙ /MICHEL ∙ KOCH WERCKMEISTER ∙ BEKANT ∙ /MACHTE[N] DIS WERCK [A]VS RHAT VND THAT ∙ /WOCLHSb) ABT LVDWIGHc) [B]EVHOLEN HADT ∙ /SCHVLTHAIS WILHEL[M M]EVRER DERZEIT ∙ /ALS MAN 15 ∙ 84 SCHREIBEN THAIT ∙

Versmaß: Deutsche Reimverse.

Kommentar

Im Jahr 1584 veranlaßte Abt Ludwig Landau von Hersfeld1) einen Umbau des Amtshofes in Niederaula, bei dem neben der Rentmeisterei (vorangehende Nr.) auch die Mauer und das Tor errichtet wurden. Das ehemalige Gebäude der „Renterei“ (Hauptstraße Nr. 17) wurde 1976 abgerissen.2)

Anders als die große lateinische Bauinschrift von 1587 (Nr. 212) und kleinere (Nrr. 118/IV, V, 181, 208) des baufreudigen Abtes Ludwig Landau wendet sich die vorliegende Inschrift mit ihrem Inhalt und ihren deutschen Versen an den landläufigen Betrachter und hebt neben dem Bauherrn die ausführenden Bauhandwerker und den Vertreter der Ortsherrschaft hervor; das ist Konvention.

Textkritischer Apparat

  1. Hörle gibt hier und im Folgenden zumeist U statt V wieder, doch entspricht die U/V-Schreibung bei ihm in der Regel nicht dem Buchstabenbestand der Inschriften.
  2. Sic statt WELCHS.
  3. Nicht LUDWICH wie Hörle.

Anmerkungen

  1. Zur Biographie Abt Ludwigs vgl. Nr. 213.
  2. Vgl. Kemp, Kulturdenkmäler II 671.

Nachweise

  1. Hörle, Alt-Hersfelder Inschriften 119.

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 209 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0020904.