Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 204 Odensachsen (Haunetal), Evangelische Kirche 1582

Beschreibung

Stifterinschrift (A), Bibelzitat (B) und Jahreszahl (C) auf einem Taufstein aus grauem Sandstein, der heute vor dem Chor steht. Die beiden Inschriften laufen oben auf dem Rand des Beckens um, und zwar (A) außen und (B) innen. Auf den mit Blütenmotiven geschmückten Seiten des Beckens sind zwei Wappen und dazwischen die Jahreszahl (C) angebracht. Als Worttrenner dienen Quadrangel. Die farbige Ausmalung der Buchstaben ist modern.

Maße: H. 88, Dm. 68, Bu. 3,5–4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/3]

  1. A

    HOC ∙ BAPTIS∙TERIVMa) ∙ IOHANNES MANGEL ∙ TVM HIC PASTOR CONSTITVI CVRAVIT AN(N)O 1582 ∙

  2. B

    ZACH(ARIAE) 13 ∙ IN ISTO DIE ERIT FONS PATENS IN REMISSIONEM PECCATORVM ∙1)

  3. C

    1 ∙ 5 ∙ 8 ∙ [2]b)

Übersetzung:

(A) Diese Taufe hat Johannes Mangel, als er hier Pfarrer war, im Jahr 1582 aufstellen lassen. – (B) An diesem Tag wird eine Quelle offen stehen, um den Sündern Vergebung zu gewähren.

Wappen:
Trümbach; Buchenau2)

Kommentar

Johannes Mangel wurde 1582 Pfarrer von Neukirchen und war somit auch für die Neukirchener Filialkirche in Odensachsen zuständig.3) Die beiden Wappen beziehen sich zum einen auf die Herren von Trümbach, die das fuldische Gericht Neukirchen innehatten, jedoch lutherisch geworden waren,4) und zum anderen auf die ebenfalls lutherischen Herren von Buchenau. Eine Eheverbindung zwischen den Familien von Trümbach und Buchenau läßt sich allerdings nicht nachweisen, und es ist auch unklar, welche Rolle die von Buchenau in der Pfarrei Neukirchen spielten. Da ein Taufstein von 1588 in Neukirchen (Nr. 216) ebenfalls die Wappen Trümbach und Buchenau trägt, geht Neuber von einer engen Zusammenarbeit der beiden protestantischen Familien auf kirchlichem Gebiet gegen das Stift Fulda aus.5)

Textkritischer Apparat

  1. Der Worttrenner wurde versehentlich mitten in das Wort gesetzt.
  2. 1584 Sturm und Sabo, der in seiner Übersetzung die Jahreszahl richtigstellte; die letzte Ziffer ist heute fast verloschen, auf dem Photo bei Neuber aber noch gut zu erkennen. Bei Groscurth gut nachvollziehbar verlesen zu 1587, richtiggestellt bei Großmann, Kirche von Odensachsen 12.

Anmerkungen

  1. Sach 13,1; nach der Vulgata lautet der Text allerdings: „In die illa erit fons patens domui David et habitantibus Jerusalem in absolutionem peccatoris et menstruatae“.
  2. In Gold ein grüner bekrönter Vogel (Sittich), vgl. Siebmacher, Hessen 26, Siebmacher, Bayern, Abgestorbene 3, 165 mit Taf. 115, vgl. auch Nr. 269.
  3. Neuber 116.
  4. Ebd.
  5. Ebd. 117.

Nachweise

  1. Taufstein Odensachsen 16 (A, B in Ü) mit Abb. S. 12.
  2. Groscurth, Kirche von Odensachsen 61 f. (A–C).
  3. Großmann, Taufsteinwerkstatt 66 (C).
  4. Sturm, Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes II 304.
  5. Neuber, Haunetaler Geschichte 117, Abb.
  6. Sabo, Buchonia 405 (Jz., Übersetzung).

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 204 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0020402.