Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 322(†) Wollershausen, ev.-luth. Kirche St. Marien 1619

Beschreibung

Kanzel. Holz, farbig gefaßt. Der fünfseitige Kanzelkorb wird getragen von einer Mosesfigur, auf den Gesetzestafeln eine erneuerte Inschrift.1) Der Kanzelkorb war seit dem Umbau der Kirche 1676 von der Trägerfigur getrennt als Bestandteil des Kanzelaltars verbaut.2) Erst bei der Kirchenrenovierung 1929/30 wurde die Kanzel wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Dabei wurden Teile der Mosesfigur ergänzt. Oben um die Brüstung der Kanzel verläuft die Inschrift A in Gold auf blauem Grund. Den Ecken der Kanzel sind freistehende, unten mit Engelsköpfen besetzte Säulen vorgebaut, die auf Postamenten stehen. Zwischen den Säulen vor Bogenfeldern als freiplastische Figuren Christus als Salvator und die vier Evangelisten mit ihren Symbolen, in den Zwickeln der Bogenfelder Engelsköpfe. In den Feldern zwischen den Säulenpostamenten Tafeln mit den zugehörigen Tituli (B) in Gold auf schwarzem Hintergrund. Vor den beiden mittleren Postamenten je ein Vollwappen. Auf dem rechten äußeren Teil, der die Kanzel zur Wand hin abschließt, die Inschrift C in schwarzen Buchstaben vor hellem Hintergrund, bei der es sich um die Neufassung der ursprünglichen Inschrift handelt, die bei der Renovierung 1929/30 auf einem der Bretter auf der Innenseite der Kanzel entdeckt wurde. Über den Verbleib des Bretts ist nichts bekannt. Der erneuerten Inschrift folgt ein Renovierungsvermerk aus dem Jahr 1930.3) Alle Inschriften sind gemalt.

Maße: H.: 271 cm; Dm.: 125 cm; Bu.: 3 cm (A, B), 1,2 cm (B, MVNDI), 2,8 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

Sabine Wehking [1/4]

  1. A

    EINEN ANDERN · GRVND KAN ZWAR NIMAND LEGENa), AVSSER DEM DER GELEGTb) IST, WELCHERc) ISTd) IESVS CHRISTVS 4)

  2. B

    S · MATTHEVS // S · MARCVS // SALVATOR / MVNDI · // S · LVCAS // S · IOANNESe)

  3. C†

    HANS ZIMMER-/MANN AVS LIC-/HTENFELS FER/TIGTE DIESE / KANZEL ANNO / 1619

Wappen:
Minnigerode5)Hanstein6)

Kommentar

Zum Ausbau und zur Ausstattung der Kirche in Wollershausen allgemein vgl. Nr. 309. Über den Künstler der Kanzel, Hans Zimmermann, läßt sich nichts sagen, da die Herkunftsangabe Lichtenfels nicht eindeutig zu klären ist. Da Dorothea von Hanstein auch die Grabdenkmäler für ihren Mann in einer überregionalen Werkstatt fertigen ließ, könnte sie auch die anderen Ausstattungsstücke bei einem nicht in der Region ansässigen Meister in Auftrag gegeben haben. Stilistische Übereinstimmungen weisen darauf hin, daß Hans Zimmermann und seine Werkstatt auch den 1614 entstandenen Altar (Nr. 306) der Kirche angefertigt haben.

Textkritischer Apparat

  1. E in L eingestellt.
  2. G klein zwischen E und T.
  3. L klein zwischen E und C.
  4. S klein zwischen I und T.
  5. S aus Platzgründen klein und hochgestellt.

Anmerkungen

  1. I / II / III.
  2. Akte zur Kirchenrenovierung Wollershausen im Pfarrarchiv der ev.-luth. Kirche in Gieboldehausen.
  3. WIEDERHERGESTELLT IM IA/HRE 1930.
  4. 1. Ko. 3,11.
  5. Wappen Minnigerode (aufgerichteter, nach rechts gekrümmter Angelhaken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 13 u. Tafel 14.
  6. Wappen Hanstein (drei Mondsicheln, 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 8 u. Tafel 9.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 322(†) (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0032202.