Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 271 Olenhusen, Gutshaus 1603

Beschreibung

Zwei Steinfragmente. Ehemals an der Außenwand des sog. Castrums, eines turmartigen Steinbaus auf dem Gelände des Gutes Olenhusen,1) der im Zweiten Weltkrieg durch Artilleriebeschuß zerstört und danach abgerissen wurde, heute im Gutshaus links (A) und rechts (B) vom Kamin im Erdgeschoß. Die beiden Steine sind beschädigt, aber vom Verlauf der erhaben in vertiefter Zeile ausgeführten Inschriften her wohl vollständig. Es dürfte aber zu dem rechten Stein ein Gegenstück gegeben haben, auf dem der Vers komplettiert wurde. Möglicherweise sind beide Fragmente Teil eines größeren aus Sentenzen bestehenden Inschriftenprogramms gewesen.

Maße: H.: 48 cm; B.: 57 cm; Bu.: 7–7,5 u. 5,5 cm (A). H.: 26,5 cm; B.: 61 cm; Bu.: 7–7,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    VIVITVR EXI/GVO MELIVS 2)/ ANNO : MDC · III

  2. B

    MEDYS TRAN/QVILLA TRIVM(PHAT)a)

Übersetzung:

Man lebt bescheiden besser. (A)

Inmitten ... triumphiert ein ruhiger (Geist?). (B)

Versmaß: Erster Teil eines Hexameters (A), zweiter Teil eines Hexameters (B).

Kommentar

Die Auswahl der Inschriften dürfte auf Dr. Joachim Götz von Olenhusen zurückgehen, der bis zu seinem Tod im Jahr 1617 auf dem von ihm erworbenen Gut Olenhusen wohnte.3) Joachim Götz wurde am 25. April 1540 in Münden als Sohn des Peter Gotze (vgl. Nr. 148) und der Anna Ludewig geboren. Nach Schulbesuchen in Gotha und in Lüneburg immatrikulierte er sich am 13. Juni 1559 in Wittenberg4) und studierte dort bei Melanchthon. 1569 begleitete er den mecklenburgischen Gesandten auf einer Reise an den polnischen Reichstag nach Lublin. Danach setzte er seine Studien in Paris, Orleans und schließlich in Bourges fort, wo er am 5. Oktober 1572 zum Doktor beider Rechte promoviert wurde. Anschließend kehrte er nach Münden zurück und nahm im Dienst der Herzöge von Braunschweig-Grubenhagen an zahlreichen Gesandtschaften teil. Im Jahr 1595 wurde ihm das Erbhofamt eines Erbküchenmeisters zwischen Deister und Leine verliehen. Schon 1591 hatte er durch kaiserliche Bestätigung die Erlaubnis zur Führung des Adelsnamens ‚Götz von Olenhusen’ nach dem von ihm 1581 gekauften Gut Olenhusen erworben. In erster Ehe war Joachim Götz von Olenhusen mit Elisabeth Olemann verheiratet, der Tochter des Einbecker Bürgermeisters Andreas Olemann.5) Eines der sieben Kinder aus dieser Ehe starb 1597 im Alter von nur drei Jahren vier Tage nach dem Tod seiner Mutter wie diese an der Pest und erhielt an St. Alexandri in Einbeck ein Epitaph; die Inschrift hebt hervor, daß der Kleine bereits den Katechismus Luthers, 23 Psalmen und etliche Bibelstellen auswendig konnte.6) In zweiter Ehe heiratete Joachim Götz von Olenhusen im Jahr 1601 Clara Ernst, die Witwe des Carl von Rueden, die 1608 starb. Joachim Götz von Olenhusen starb am 6. August 1617 und wurde in der Kirche von Settmarshausen beigesetzt, die er hatte instandsetzen lassen. Vgl. a. sein Epitaph Nr. 314.

Textkritischer Apparat

  1. Kein Kürzungszeichen, anders als in der Zeile darüber hier jedoch keine senkrechte Begrenzungslinie der Zeile. Zu tranquilla ist möglicherweise mens zu ergänzen. Die Bedeutung des ganzen Verses etwa im Sinne von In der Ruhe liegt die Kraft. Eine sichere Ergänzung ist nicht möglich, da sich der Vers nicht nachweisen ließ.

Anmerkungen

  1. Stölting-Eimbeckhausen/Münchhausen, Rittergüter, S. 310.
  2. Claudian, Invectiva in Rufinum I,215. Vgl. a. Walther, Proverbia sententiaeque, Bd. 5, S. 882, Nr. 34034 Vivitur exiguo melius, male vivitur abs re.
  3. Die biographischen Angaben nach Samse, Zentralverwaltung, S. 265f., nach der Auswertung der Autobiographie bei Stölting-Eimbeckhausen/Münchhausen, Rittergüter, S. 315f., u. nach der Leichenpredigt, verf. v. Samuel Rakebrandt, Goslar 1618 (SUB Göttingen, 4° N. II. 5.).
  4. Matrikel Wittenberg, Bd. 1, S. 362a. Dort irrtümlich als Mindensis anstelle von Mundensis bezeichnet.
  5. Das Epitaph für die Eltern der Elisabeth Olemann befindet sich in Einbeck in der Kirche St. Alexandri. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 137.
  6. Ebd., Nr. 124.

Nachweise

  1. Stölting-Eimbeckhausen/Münchhausen, Rittergüter, S. 310 (A).
  2. Lücke, Burgen, S. 122 (A).
  3. Otto Fahlbusch, Dr. Joachim Götz von Olenhusen. In: Göttinger Jahrbuch 1964, S. 177–194, hier S. 183.
  4. Fahlbusch, Landkreis, S. 96 (A).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 271 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di066g012k0027100.