Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 236† Hann. Münden, Brückentorturm 1598

Beschreibung

Glocke aus dem Turm des Brückentors. Die Glocke wurde 1729 zusammen mit dem Uhrwerk des Brückentorturms an das Rathaus versetzt und 1942 zu Kriegszwecken eingeschmolzen.1)

Inschrift nach Fischer.

  1. Anno 1598 da gos mich Melghior Moerinck

Kommentar

Der Glockengießer Melchior Moerinck stammte aus einer Erfurter Glockengießerfamilie. Walter weist für ihn zwischen 1577 und 1617 30 Glocken nach, die er überwiegend für Orte in Thüringen gegossen hat. Die Mündener Glocke ist Walter nicht bekannt.2) Drei weitere, bei Walter nicht verzeichnete Glocken Moerincks in Albersroda und Schnellroda mit demselben Gießervermerk stammten aus dem Jahr 1625 und belegen vermutlich die lange Wirkungszeit des Glockengießers.3)

Anmerkungen

  1. Brethauer erweckt in seinen Publikationen zu Rathausuhr und -glocke (Münden 2, S. 14; Münden 4, S. 81f.) den Eindruck, als habe sich die Glocke in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts noch am Rathaus befunden, da er offensichtlich nichts von der Ablieferung zu Kriegszwecken wußte. Tatsächlich erhielt das Rathaus nach dem Zweiten Weltkrieg eine Leihglocke aus Tolkemit (Ostpreußen), die der dortigen Kirche im Jahr 1992 zurückgegeben wurde. Der Stadtverwaltung Münden danke ich für die Zusammenstellung der die Geschichte der Glocke betreffenden Daten.
  2. Walter, Glockenkunde, S. 823.
  3. Vgl. DI 64 (ehem. Landkreis Querfurt), Nr. 200202, dort noch weitere Glocken Moerincks Nr. 128, 143, 192, 194, 197. Alle Glocken tragen den auch auf der Mündener Glocke verwendeten Gießervermerk. Es ist allerdings nicht ganz auszuschließen, daß die späteren Glocken bereits einem anderen, bei Walter seit 1633 verzeichneten Mitglied der Erfurter Gießerfamilie mit Vornamen Melchior zuzuschreiben sind (Walter, Glockenkunde, S. 823).

Nachweise

  1. Fischer, Rathaus, S. 10.
  2. Brethauer, Münden 2, S. 14 (nach Fischer).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 236† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0023601.