Die Inschriften des Landkreises Göppingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 41: Göppingen (1996)

Nr. 13 Donzdorf, kath. Pfarrkirche St. Martin 1348

Beschreibung

Grabplatte Johanns III. von Rechberg zu Rechberghausen1. Innen an der Langhaussüdwand, unter der Empore. Aus dem Chor der Stiftskirche zu Faurndau 1812 auf Betreiben des Grafen von Rechberg und Rothenlöwen nach Donzdorf verbracht2. Mit tiefer Kerbe eingehauene Umschrift zwischen Ritzlinien; im Mittelfeld großes Vollwappen in hohem Relief, das links und rechts in die Schriftleiste hineinragt und die Umschrift unterbricht. Roter Sandstein, Relief abgetreten, Ränder bestoßen; am unteren Rand starke Abschieferung mit Schriftverlust.

Maße: H. 244, B. 102, Bu. 7,5–9,0 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. + ANNO · D(OMI)NI · M° · C°C°C° · XL° · UIII° · OB(IIT)a) · // · IOH(ANN)ES · MILES [· DE / · RECH]BERG / [·] IN [·] VIGI(LIA) · M//ATHEIb) · AP(OSTO)LI

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1348 starb der Ritter Johann von Rechberg am Tag vor dem Fest des Apostels Matthäus (20. September).

Wappen:
Rechberg.

Kommentar

Die gotische Majuskel ist nicht besonders regelmäßig gehauen: Buchstabenhöhe und -abstände schwanken. Daß der Steinmetz ohne Vorzeichnung arbeitete, zeigt sich darin, daß ein Teil der linken Schriftleiste leer blieb. Die keilförmigen Verbreiterungen der freien Hasten- und Balkenenden und die Bogenschwellungen sind deutlich ausgeprägt. Bei rundem N und T können die Bogenschwellungen zu einer Spitze ausgezogen sein. E und C sind grundsätzlich rechts geschlossen. Halbnodus und Nodus treten gelegentlich beim I, an der Haste des D und an der Mittelhaste des symmetrischen unzialen M auf. Allgemein weisen die Einzelbuchstaben eine große Variationsbreite auf, so kommen etwa L, M und N in je drei verschiedenen Spielarten vor.

Johann von Rechberghausen erscheint urkundlich ab 1316. In erster Ehe war er mit Petrissa von Westerstetten, in zweiter Ehe mit einer von Staufeneck verheiratet3.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch einen dem us-Kürzel ähnlichen Haken, der am Berührungspunkt der beiden B-Bögen ansetzt.
  2. So der ursprüngliche Befund. Wohl von späterer Hand wurde das I mit einem Balken durchkreuzt, so daß eine Art Tatzenkreuz entstand. Dies ist vermutlich als Tilgung des Buchstabens gedacht, da gleichzeitig zwischen H und E ein kleines I eingefügt wurde. Offensichtlich wollte der Korrektor also MATHEI in MATHIE verbessern. Da der Ritter Johann von Rechberg freilich noch am 15. Juli 1348 in einer Güterangelegenheit für das Stift Faurndau urkundet (Württ. Regesten I 1 nr. 8473), muß doch der Tag vor St. Matthäus (20. September) sein Todestag sein und nicht der Tag vor St. Matthias (23. Februar bzw., da Schaltjahr, der 24. Februar, vgl. Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung 78). Johanns gleichnamiger Sohn († 1374, vgl. nr. 23) scheidet als Urkundenaussteller aus, da er 1348 erst 10 oder 11 Jahre alt war, mithin noch nicht als Ritter tituliert sein konnte.

Anmerkungen

  1. Zählung nach Stammtaf. d. med. Häuser 17 Taf. 1.
  2. Vgl. Rink, Familien Geschichte I 229: Die Grabplatte lag zusammen mit der für Johanns gleichnamigen Sohn (nr. 23) „zwei Schue unter der Erde in dem Chor der ehemaligen Stiftskirche. Bey einem Bauwesen 1812 wurden sie entdeckt, mit Bewilligung der Königlichen Regierung an die Gräflich Rechbergische Familie ausgeliefert und nach Donzdorf geführt…“.
  3. Vgl. Stammtaf. d. med. Häuser 17. Taf. 1. Weitere biographische Angaben bei Gemeinder, Herren von Rechberg (II): 1. Nebenlinie Rechberghausen bis 1413.

Nachweise

  1. Gabelkover (HStAS, J1 Nr. 48 g IV) fol 1650v; 1656v.
  2. Ders. (WLB, Cod. hist. O 16a) p. 131.
  3. Steinhofer II 126.
  4. Rechberg-Epitaphien-Album (GRA Donzdorf, o. Sign.), angelegt 1809, Zeichnung mit ungenauer Textwiedergabe.
  5. Rink, Familien Geschichte I 227.
  6. StAL, E 258 VI, Bü 17 OA. Geislingen: Bemerkungen zum topograph. Blatt Donzdorf von E. Paulus, 1832 (Zeichnung).
  7. OAB Geislingen 180.
  8. Kdm Geislingen 88 (Abb.).
  9. Gemeinder, Herren von Rechberg (II): 1. Nebenlinie Rechberghausen bis 1413.
  10. Kirschmer/Ziegler, Faurndau 33f. (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 41, Göppingen, Nr. 13 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012k0001302.