Die Inschriften des Landkreises Göppingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 41: Göppingen (1996)

Nr. 86 Roßwälden (Stadt Ebersbach a. d. Fils), ev. Pfarrkirche (St. Benedikt) 1467

Beschreibung

Glocke, signiert von Meister Jacob. Im Turm1. Schulterinschrift, oben von einem Kanten-Würfel-Fries über glattem Steg, unten von einem Fries hängender, abwechselnd großer und kleiner Kreuzblumen gerahmt. Auf der Flanke Aachener Pilgerzeichen: rundes Medaillon mit der Beweinung Christi, bekrönt von zwei Fialen und Wimperg; unter dem Wimperg, mit dem großen Medaillon durch einen kleinen leeren Kreis verbunden, ein Kreisfeld mit Darstellung des von zwei Klerikern gehaltenen Mariengewands2.

Maße: H. (o. Krone) 63, Dm. 75, Bu. 3,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. · ave · maria · bit · got · fvr · vns · maister · iacob · gos · mich · anno · do(min)i · m cccc · lxvii

Kommentar

Als Worttrenner sind 12strahlige gesichtete Sonnen eingefügt. Diese wie überhaupt die ganze Glockenzier einschließlich des Aachener Pilgerzeichens weisen auf einen Meister „aus einem nördlichen Kulturkreis“3 hin.

Anmerkungen

  1. Der Westturm stammt in seinem unteren Geschoß noch vom spätgotischen Kirchenbau, er wurde aber erst im 18. Jahrhundert, als die übrige Kirche weitgehend neu errichtet wurde, über Firsthöhe hochgemauert, vgl. Kdm Kirchheim 170.
  2. Vgl. Kurt Köster, Meister Tilman von Hachenburg. Studien zum Werk eines mittelrheinischen Glockengießers des fünfzehnten Jahrhunderts. Mit besonderer Berücksichtigung der als Glockenzier verwendeten mittallalterlichen Pilger- und Wallfahrtszeichen, in: Jb. d. Hessischen Kirchengeschichtl. Vereinigung 8 (1957) 1–206, Taf. I–XVI, hier: 58–62, 64–69 m. Taf. I; ders., Wallfahrtsmedaillen und Pilgerandenken vom Heiligen Rock zu Trier, in: Trierisches Jb. 1959, 36–55, hier: 37f. Ein solches Pilgerzeichen befindet sich auch auf einer Glocke von 1475 in Mandel (LKr. Bad Kreuznach): DI 34 (Bad Kreuznach) nr. 148 m. Abb. 80.
  3. Dt. Glockenatlas WürttHohenzollern 27.

Nachweise

  1. Pfarrbeschreibung für die Pfarrei Roßwälden, 1905 (DekA Göppingen, 7. 24) 73 (ungenau).
  2. Kdm Kirchheim 172, 181 Abb. 235.
  3. Glockenbeschlagnahme 1917 OA. Kirchheim (LKA, A 26, 1484,6).
  4. Mayer, Geschichte des Roßwälder Stabs 53 (dat. 1468).
  5. Dt. Glockenatlas WürttHohenzollern nr. 688; 25 Abb. 30.

Zitierhinweis:
DI 41, Göppingen, Nr. 86 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012k0008605.