Inschriftenkatalog: Landkreis Calw

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 30: Landkreis Calw (1992)

Nr. 299 Wildbad, Frauenbad (1527)/1598

Beschreibung

Gedenktafel an den Stadtbrand von 1525, sog. ‚Ferdinandstein‘; ursprünglicher Standort außen am Eingang des Frauenbades, von dort zunächst versetzt an den Thermalbrunnen des Katharinenstifts (1844), an die Stützmauer des neuen Katharinenstifts (1872), danach (vor 1934) auf die rechte Enzseite zwischen Georg-Ebers-und Karlsbergbrücke; 1987 in Restauration, die Wiederaufstellung im Bereich des alten Eberhardsbades ist vorgesehen1. Die engzeilig beschriftete Tafel aus rotem Sandstein ist eine Replik der ersten Tafel von 1527 (bzw. um 1530).

Textzeugen der Originaltafel sind handschriftlich überliefert2.

Maße: H. 170, B. 120, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Rose Hajdu, Stuttgart [1/1]

  1. [M. D. XXV.]

    Alß dise Jar eben gezahlta) Nam dasfeür oberhandtb) mit gwaltc) In der stattdem Wildenbadt darauß volgetd) gargroßer schadt dan ese) zu aschen verbrantVnd macht auch manchen armen man ZurZeit Ertzherzog Ferdinandt Regiert dasWürttemberger Landt Vnder Im war dißf)wider gebawen gleich Baldt darnachwardt Im vertrawthg) hvngern vnd behaimdie Königreich so der Türckh daüor ligth)gleich bekrieget den könig erschlagen erregiert bey seinen tagen daß im lob ehr züward gemeßen Gott welle sein nimer ver=geßen vnd in allzeit mit glickh bewarenAüch in aller gsündthait sparen Ernewertwider den .2.0. tag decembris An(n)o 1598

Kommentar

Die deutschen Knittelverse wirken unbeholfen, zumal die Zeilentrennung auf den Reim keine Rücksicht nimmt. Die ursprüngliche Tafel hatte mehrfach abweichende Lesarten; die Jahreszahl M. D. XXV. war über den Versen in römischen Ziffern eingemeißelt, an diese Zahl knüpft der Beginn der Inschrift in der Replik an. Es ist auch nicht auszuschließen, daß auf der ersten Tafel der Reim mit dem Zeilenende schloß, die Tafel mithin 18 Zeilen statt 16 Zeilen zeigte. Die handschriftlichen Überlieferungen aus der Mitte des Jahrhunderts bringen die Inschrift in dieser Form; das muß nicht genau der originalen Anordnung der Schrift auf der ersten Tafel entsprechen, ist aber sehr wahrscheinlich.

Erzherzog Ferdinand hatte 1530 Wildbad aufgesucht und einen Schutzbrief für die Stadt ausgestellt; seine Erhebung zum König von Böhmen bzw. Ungarn erfolgte 1527 (Dez. 16) bzw. 1527 (Febr. 21), die Königswahl 1531 (Jan. 5). Vor diesem Zeitpunkt, aber nach 1527 muß der Text der ursprünglichen Tafel abgefaßt worden sein, da Ferdinand noch nicht als König angesprochen wird.

Die Fraktur hat willkürliche Groß- und Kleinschreibung und zeigt vor allem in den ersten 8 Zeilen keine Worttrennung, durchgehend keine Zeichensetzung.

Textkritischer Apparat

  1. gezalt Günterstal.
  2. fewr vberhand Günterstal.
  3. Hie in Günterstal.
  4. eruolgt Günterstal.
  5. ganz Günterstal.
  6. was wider Günterstal.
  7. vertrawet Günterstal
  8. hett Günterstal.

Anmerkungen

  1. Mitteilung des Staatl. Hochbauaumts Pforzheim vom 10. 4. 1987. – Zu den früheren Standorten Hannemann passim.
  2. Landesbibliothek Karslruhe Hs. Günterstal 11, S. 319 (Rüttel), um 1560/70 und Thomasarchiv Straßburg Hs. 212 (Johann Schwebel), um 1559; zur weiteren Überlieferung die ausführliche Studie von Hannemann, der auch alle Wiedergaben im Druck zitiert.

Nachweise

  1. Hannemann S. 118f. (Abb.).
  2. Renz S. 105.

Zitierhinweis:
DI 30, Landkreis Calw, Nr. 299 (Renate Neumüllers-Klauser), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di030h010k0029907.