Inschriftenkatalog: Landkreis Calw

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 30: Landkreis Calw (1992)

Nr. 216 Bad Herrenalb, Klosterkirche St. Maria 1535

Beschreibung

Grabplatte des Abtes Markus Schön aus Gernsbach. Im Chor an der Wand aufgerichtet, 8. Stein von links. Umlaufende Inschrift aus der vertieften Leiste erhaben ausgearbeitet (A). Im Mittelfeld Arm mit Pedum unter Netzrippen und Astwerkrahmung; im unteren Drittel des Feldes Wappen, von Schriftband umwölbt (B). Im Jahr 1776 im Paradies der Klosterkirche nachgewiesen. Roter Sandstein, alte Signatur XLVI links neben dem Pedum.

Maße: H. 243, B. 126, Bu. 8 (A), 11 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    ANNO · D(OMI)NI · M · D · XXX · V · DIE · SECV(N)DA · ME(N)SIS · MARCII · OBIIT · REVERE(N)D(VS) · IN · CHRISTOa) / · PATER · ET · D(OMI)N(VS) · MARC(VS) · DE · / GERSPACH · XVII · ABBAS · IN · ALBA · D(OMI)NOR(VM) · C(VIVS) · A(NIMA) · REQ(VIESCAT) · IN PACE

  2. B

    GENITRIX DEI

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1535, am zweiten Tag des Monats März starb der in Christus ehrwürdige Vater und Herr Markus aus Gernsbach, 17. Abt. in Herrenalb. Seine Seele ruhe in Frieden (A). – Gottesgebärerin (B).

Wappen:
Schön

Kommentar

Der auffallend reich dekorierte Stein entspricht in der formalen Ausführung denen des Nikolaus Wagenleiter († 1486) und des Michael Scholl († 1513, vgl. nrr. 137, 182). Die erhabenen Schriften wurden vermutlich von auswärtigen Steinmetzen ausgeführt. Erstmals erscheint das Wappen des Abtes auf dem Grabstein in Verbindung mit dem Pedum.

Die Schrift ist sehr eng gedrängt, die Buchstaben ausgesprochen schmal, Worttrennung durch paragraphenförmige Zierpunkte. Die Anrufung der Gottesgebärerin (B) ist offensichtlich eine Betonung der katholischen Gesinnung des Abtes. Die Zeichnung mit Wiedergabe des Wortlauts im Herrenalber Pfarrerbuch unterschlägt zwar das Schriftband nicht, es ist aber unleserlich und bei der Wiedergabe des Wortlauts fehlt die Anrufung.

Markus Schön aus Gernsbach (Lkr. Rastatt) hatte 1506 (nach urkundlicher Erwähnung) die Abtswürde übernommen; er resignierte 1529, nachdem ein Klosterbrand 1527 ihn schwer verletzt hatte (‚omnibus membris inutilis‘)1.

Textkritischer Apparat

  1. XPO = Christo.

Anmerkungen

  1. Pfeilsticker 3374. – Jongelinus p. 65.

Nachweise

  1. Crusius, Annales Suevici Lib. XI, partis III p. 628.
  2. Pfarrerbuch Herrenalb 133 nr. 6.
  3. Seilacher, Herrenalb S. 50.

Zitierhinweis:
DI 30, Landkreis Calw, Nr. 216 (Renate Neumüllers-Klauser), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di030h010k0021604.