Inschriftenkatalog: Landkreis Calw

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 30: Landkreis Calw (1992)

Nr. 108 Bad Herrenalb, Klosterkirche St. Maria 1457

Beschreibung

Grabplatte des Antonius von Gärtringen. Im Chor an der Wand aufgerichtet, 7. Stein von links. Umlaufende Inschrift zwischen eingeritzten Linien, im Mittelfeld erhabenes Vollwappen. Untere rechte Ecke abgeplatzt und beschädigt, Flickstelle. Roter Sandstein, stark abgeschliffen. Alte Inventarnummer XLIV unter dem Wappen.

Maße: H. 209, B. 105, Bu. 7,5–8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. + anno · d(omi)ni · m · cccc ·/l · septi(m)o · obiit · emeritus · armiger · antho[nius] · de · gertringen · i(n) · vigilia / assu(m)pcionis · cui(us) · a(n)i(m)a · requiescat · in pace

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1457 starb der verdiente Edelknecht Antonius von Gärtringen an der Vigil von Himmelfahrt (Mai 25). Seine Seele möge ruhen in Frieden.

Wappen:
Gärtringen

Kommentar

Die Minuskel ist sorgfältig eingemeißelt, Oberlängen und Unterlängen noch wenig ausgebildet, keine Versalien.

Das Geschlecht nannte sich nach dem gleichnamigen Ort im Lankreis Böblingen und ist seit dem 12. Jahrhundert zu belegen. Die Bezeichnung emeritus armiger ist wohl eher auf verdienstvolle Tätigkeit als auf hohes Alter zu beziehen, zumal sie gleichlautend für einen zweiten Angehörigen der Familie wiederkehrt1. Crusius weist diese Grabplatte an zwei Stellen nach, einmal mit dem Datum 1407 und in vigilia assumpcionis Mariae2, einmal mit dem nachprüfbaren Wortlaut zu 1457. Offenbar überlas er (oder sein Gewährsmann) das Zahlzeichen am Beginn der rechten Längsleiste, das nur in der Form einer geraden Haste und sehr schwach gemeißelt ist; die verlesung mariae aus cui aia (so Buchstabenbestand ohne Kürzungszeichen) ist leicht möglich. Die Wahrscheinlichkeit spricht gegen zwei gleichnamige Angehörige des Geschlechts, vielmehr für irrige kopiale Überlieferung3. Den Crusius entsprechenden Wortlaut hat auch die Auflistung der Grabsteine des Herrenalber Pfarrerbuchs: ‚1407 Tags vor Mariae Himelfahrt starb emerich Antonius von Gertringen, Edelknecht‘ und ‚1457 Antonius von Gärtringen Edelknecht‘4.

Anmerkungen

  1. Vgl. nr. 113 (1462). – Zum Wappen Alberti I S. 210, Abb. 744.
  2. Crusius, Annales Suevici Lib. VI partis III p. 331.
  3. Eine weitere Überlieferung (Gabelkover) hat das Datum 1457 und verkürzten Text ohne Todesdatum: HStAStuttgart J 1 – 48 g, fol. 748.
  4. An beiden Stellen ist die Beschreibung des Wappens (‚voneinander gekehrte Sicheln‘) hinzugefügt.

Nachweise

  1. Crusius, Annales Suevici Lib. VII partis III p. 403.
  2. Pfarrerbuch Herrenalb.

Zitierhinweis:
DI 30, Landkreis Calw, Nr. 108 (Renate Neumüllers-Klauser), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di030h010k0010807.