Inschriftenkatalog: Landkreis Bergstraße

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 38: Bergstraße (1994)

Nr. 244 Hirschhorn, Karmeliterkirche 1635

Beschreibung

Grabplatte des Jakobus, Amtmann des Mainzer Erzbischofs in Hirschhorn. Drittbenutzung der Umschriftplatte des Karmeliterpriors Werner Wacker.1) Die zehnzeilige Inschrift befindet sich unten im Feld. Die Grabplatte ist teilweise stark abgetreten, was in den Zeilen zwei und drei zu erheblichem Textverlust geführt hat.

Maße: Bu. 3,4-6,4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. PRAECLARVS VIR D(OMI)N(VS) IA/[C]OBVS [...]a)/ EPISCOPI MOGVNT(INAE) PRAEFECTVS / HIRSCHHORNENS(IS) OBIIT 21 IVLII / ANNO D(OMI)NI 1635 AETATIS 35 / HVI(VS) FILIA ANNA BARBARA OBI/IT 16 IVL(II) A(NN)O 1635 AETAT(IS) 2 / FILIVS IOAN(NES) GEORGIVS MORTVVS / [.]b) OCTOB(RIS) A(NN)O 1635 AETATIS 14 / ET QVIESCVNT IN D(OMI)NO

Übersetzung:

Der hervorragende Mann, Herr Jakobus ..., Amtmann des Mainzer (Erz)bischofs in Hirschhorn, starb am 21. Juli im Jahre des Herren 1635 im Alter von 35 Jahren. Seine Tochter Anna Barbara starb am 16. Juli des Jahres 1635 im Alter von zwei Jahren. Der Sohn Johann Georg starb am ... Oktober des Jahres 1635 im Alter von 14 Jahren, und sie ruhen im Herren.

Kommentar

Die Größe der Buchstaben schwankt. In den Zeilen 2-4 sind die Buchstaben wesentlich kleiner als in den übrigen Zeilen.

Mit dem Tode Friedrichs von Hirschhorn 1632 starb das Geschlecht der Hirschhorner aus. Amt und Burg Hirschhorn waren kurmainzische Lehen und fielen als solche an den Mainzer Erzbischof zurück. Aber erst als sich die Schweden nach der Schlacht von Nördlingen im Herbst 1634 aus Hirschhorn zurückzogen, konnte Kurmainz seine Ansprüche durchsetzen. Die Verwaltung wurde nun von kurmainzischen Amtmännern übernommen.2)

Der hier erwähnte Jakobus kann sein Amt also kaum mehr als ein halbes Jahr ausgeübt haben. In der von Eckhart G. Franz aufgestellten Liste der landesherrlichen Verwaltungsbeamten des Amtes Hirschhorn fehlt der Name Jakobus.3) Die Tatsache, daß drei Familienmitglieder innerhalb von vier Monaten starben, dürfte auf die im Jahr 1635 an der Bergstraße und in der Umgegend grassierende Pest zurückzuführen sein.4)

Textkritischer Apparat

  1. Der Rest der Zeile ist unleserlich. Am Schluß könnte ARCHI gestanden haben.
  2. Das Datum ist weggebrochen. Es ist Platz für eine Ziffer, so daß nur der 1.-9. Oktober in Frage kommen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 115.
  2. Vgl. Franz, Hirschhorn 87-131, hier 87f.
  3. Franz, Hirschhorn 129.
  4. Zur Ausdehnung der Seuchen 1635 vgl. Fuchs, Katharinenkirche 146f. u. DI 29 (Worms) XVf.; vgl. die hohe Inschriftendichte in DI 23 (Oppenheim) zu 1635. Vgl. auch Barudio, Krieg 464.

Zitierhinweis:
DI 38, Bergstraße, Nr. 244 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di038mz04k0024403.