Inschriftenkatalog: Landkreis Bergstraße

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 38: Bergstraße (1994)

Nr. 195 Bensheim, Friedhofskirche 1596

Beschreibung

Epitaph des Huldrich Schumann. Das dreiteilige Epitaph aus rotem Sandstein ist heute in der Ostwand eingemauert. Der Aufsatz trägt ein von Voluten flankiertes Medaillon, in dem ein stark beschädigtes Bibelzitat (A) angebracht ist. Das Mittelfeld wird von einer Rollwerktafel gebildet, die durch Stege in drei Teile gegliedert ist. Die oberen beiden Teile sind mit einer Grabschrift (B) und einem deutschen Grabgedicht (C) versehen, auf dem untersten Abschnitt befinden sich ein lateinisches Grabgedicht (D) und eine Stifterinschrift (E). Der Sockel schließt mit einem einfachen Muschelornament ab. Darüber befindet sich eine kleine, leere Rollwerktafel. Die ursprüngliche Höhe des Epitaphs läßt sich nicht mehr genau feststellen, da man die drei Teile auseinandergerissen hat, um sie in die Wand einzumauern.

Maße: H. ca. 184, B. 93, Bu. 2-2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. A

    O / MENSCH Be/DENCKa) DAS / END S[O] WIRS / TV NIMER(M)ER / SVNDIGE/N1)

  2. B

    IM IAR CHRISTI, M · D · XCVI · DEN XXVIII TAG MAI, IST HERR / HVLDRICH SCHVMANN GEWESENER DIENER AM WORT GOTTES / ZV BENSHEIM IV IAR, NACH SEINES BRVDERS HANS IACOBS WEILA/ND CHVRF(ÜRSTLICH) PFALTZ ZOLLER DA SELBST CHRISTLICHEN ABSCHIED IN / GOTT SELIGLICH ENTSCHLAFEN, BEIDE DER FRÖLICHEN VFFERSTE(N)D/NVS ZVM EWIGEN LEBEN MIT ALEN CHRISTGLEVBIGEN ERWARTEND

  3. C

    LIEB‘ZVHORER NOCH VF ERDENWAS ICH BIN, DAS MVST IHR WERDENICH HAB AVCH G‘LEBT DIE EDEETb) ZEITALS ICH NOCH WAR, DA IHR IETZT SEITWER ENTGEHN WILL DER EW‘GEN NOTHDER THV BVS, TRAV VEc) CHRISTI TODTWIR WERDEN NITT ALL GLEICH VF STEHNDIE BOCK INS FEVR; IN FREVD WIR GEHNZVR LETZ BEDENCK DIS END, O CHRISTMEIN FREVD IST, WAN DV SELIG BISTHAB ICH DIR G‘DIENT IM LEBEN MEINGOTT VND DIR D‘MEINEN B‘VOLLEN SEIN

  4. D

    HIC IACEO DOMINI SERVUS, TELL VRE REPOSTVS ·EXPECTO, ANGELICAE CANTICA LAETA TVBAE ·PARVA SOPORIEERAd) ME TELLVS CONTIGIT VRNADONEC IN ASTRIGERVM TOLLAR IN ALTAe) POLVM,QVO RESIDET CHRISTVS QVI ME MORIE(N)DO REDEMIT,ET PRO ME SVPPLEX NV(N)C PATRIS ANTE THRO(N)VM ESTM(AGISTER) · G · R · F(ECIT) ·

  5. E

    D(EO) · O(PTIMO) · M(AXIMO) · S(ACRVM) · / PISf) MANIBVS DILECTISS(IMI) CONIVGIS ET PATRIS DE SE / NEC NON EGENIS OPTIME MERITI VDALRICI SCHVMAN(N) / DIACONI QVONDAM BENSHEIMENSIS VXOR MARTHA / LIBERIQ(VE) IOANNES GVLIELMVS2) ET ANNA MARGARITA / SVPERSTITES MOESTISS(IMI) PIETATIS ERGO M(ONVMENTVM) · H(OC) · F(IERI) · C(VRAVERVNT) ·

Übersetzung:

Hier liege ich, der Diener des Herrn; in die Erde gelegt erwarte ich den frohen Gesang der Engelsposaune. Mit der schlafbringenden Urne umfaßt mich die geringe Erde, bis ich in die Höhe zum gestirnten Himmel erhoben werde, wo Christus sitzt, der mich durch sein Sterben erlöst hat und der für mich bittend nun vor dem Thron des Vaters steht. Magister G. R. hat es gemacht.(D)

Dem besten und größten Gott geweiht. Den Manen des innig geliebten Gatten und des ganz besonders um sie und auch um die Armen verdienten Vaters Udalrich Schumann, einst Diakon in Bensheim, ließen seine Frau Martha und die Kinder Johannes Wilhelm und Anna Margarita als tief betrübte Hinterbliebene aus liebevoller Anhänglichkeit dieses Denkmal setzen.(E)

Versmaß: Deutsche Reime (C). Drei Distichen (D), leoninisch einsilbig gereimt außer Vers 5.

Kommentar

In Inschrift (D) fällt bei SERVUS die Verwendung von U auf, das im 16. Jahrhundert nur selten vorkommt.3) Hier wurde es vermutlich gebraucht, um zwei V hintereinander zu vermeiden.

Huldrich Schumann war ein Sohn des Bensheimer Ratsherrn Wilhelm Schumann.4) Er wurde im Jahr 1584 als Theologiestudent in Heidelberg eingeschrieben.5) Von 1586-1595 war er dann als Diakon in Bensheim tätig.6) Er war mit Martha Beck, der Tochter des Stadtschreibers und Kollektors Andreas Beck in Ladenburg verheiratet.7)

Textkritischer Apparat

  1. Sic.
  2. Das Wort ist offenbar verschrieben.
  3. So statt VF.
  4. So statt SOPORIFERA.
  5. Endsilbenkürzung.
  6. So statt DIS.

Anmerkungen

  1. Sir. 7,40; Sprichwort, vgl. Wander I 815, Nr. 28.
  2. Er ist wohl mit dem für 1617 nachweisbaren Schultheiß zu Bensheim Johann Wilhelm Schumann identisch, vgl. Krebs, Kurpfälzische Dienerbücher Nr. 2511.
  3. Vgl. Nr. 193, Anm. 5.
  4. Vgl. Nr. 182.
  5. Toepke, Heidelberger Matrikel II 550, Nr. 9.
  6. Er wird in Nr. 182 als Diakon in Bensheim erwähnt; vgl. Diehl, Hassia sacra 3, 334, Nr. 5.
  7. Vgl. Schröder, Evangelische Pfarrer 119f.

Nachweise

  1. Würdtwein, Epitaphienbuch 278f.

Zitierhinweis:
DI 38, Bergstraße, Nr. 195 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di038mz04k0019503.