Inschriftenkatalog: Landkreis Bergstraße

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 38: Bergstraße (1994)

Nr. 85 Lindenfels, Evangelische Kirche 15.Jh.

Beschreibung

Evangelistennamen auf einer Glocke. Die Bronzeglocke befindet sich im Glockenturm der Kirche. Die Inschrift läuft zwischen einfachen Stegen auf dem Hals der Glocke um. Der Anfang ist durch ein Kreuz gekennzeichnet, und zwischen den Namen stehen sternförmige Worttrenner. Die Glocke weist keine weiteren Zierelemente auf.

Maße: Dm. 68,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/4]

  1. + lucas · marcus · matheus · iohannes

Kommentar

Die Minuskel ist schmucklos ohne Zierstriche und Versalien. Ungewöhnlich sind die Buchstaben r und t. Beim r fehlt an der Haste oben der typische Knick nach links, und die Schulter ist nach rechts so weit nach unten gebogen, daß sie die Haste beinahe berührt. Der Buchstabe unterscheidet sich aber deutlich von dem verwendeten c und e, so daß eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Das t ist kaum als solches zu erkennen, da es keinen Querbalken trägt, sondern oben einen Knick nach links und einen Bogenansatz nach rechts aufweist. Es erinnert somit an eine Mischung aus c und r der gotischen Minuskel.

Die Glocken, die nur die vier Evangelistennamen als Inschrift in gotischer Minuskel tragen, gehören in den der Bergstraße benachbarten Regionen, von ganz wenigen nicht sicher datierbaren Beispielen abgesehen, alle dem 15. Jahrhundert an.1) Da die hier verwendete Minuskel zudem keine fortschrittlichen Tendenzen zeigt, ist die Entstehung der Glocke im 15. Jahrhundert als wahrscheinlich anzunehmen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Deutscher Glockenatlas, Baden Nr. 137, 172, 199, 235, 752, 1330, 1398, 1407, 1419, 1422.

Nachweise

  1. Dammann, Kdm. 179.
  2. Einsingbach, Kdm. 323.

Zitierhinweis:
DI 38, Bergstraße, Nr. 85 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di038mz04k0008507.