Inschriftenkatalog: Landkreis Bergstraße

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 38: Bergstraße (1994)

Nr. 32 Neckarsteinach, Evangelische Kirche 1369

Beschreibung

Tumbenplatte des Ritters Ulrich V. Landschad von Steinach. Die Platte ist heute in die Südwand des Langhauses eingemauert, was zu Textverlust auf der unteren Leiste geführt hat. Im Feld ist der Verstorbene auf einem Löwen stehend in voller Rüstung, sein Schwert vor sich haltend, dargestellt. Sein Kopf ruht auf einem von zwei Engelhalbfiguren gehaltenen Kissen. Ein Wappen verdeckt das linke Bein halb, der zugehörige Helm – mit gekröntem Haupt als Helmzier – befindet sich auf der rechten Seite. Die Bemalung ist neu. Die Inschrift ist auf den nach außen abgeschrägten Leisten angebracht. Sie beginnt auf der unteren Leiste, setzt sich auf der rechten fort und endet auf der oberen Leiste.1)

Maße: H. 260, B. 125, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. [Anno · d(omi)ni · mo]a) / ccco · lxixob) · in · die · sancti · michahel(is) · o(biit) · vlricus / · lantschad · miles ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1369, am Michaelistag (29. Sept.), starb der Ritter Ulrich Landschad.

Wappen:
Landschaden von Steinach.

Kommentar

Ulrich V. war ein Sohn Dieters I. Landschad und der Margarete von Erligheim. Verheiratet war er mit Anna von Neuenstein.2)

Die Ergänzung der Jahreszahl zu m ccc lxix ist durch die um 1604/06 entstandenen „Aufzeichnungen über sein Geschlecht“ des Hans Ulrich I. Landschad gesichert, der die Inschrift vollständig mitteilt. Dabei ergibt sich eine völlige Übereinstimmung mit dem heute noch erhaltenen Teil der Inschrift, wenn man von abweichenden Schreibarten absieht.3) Da auch die übrigen von Hans Ulrich I. gegebenen Abschriften von Grabmälern, soweit sie heute noch geprüft werden können, weitgehend richtig sind,4) kann man davon ausgehen, daß er die Inschrift entweder noch ganz lesen konnte oder eine zuverlässige Nachricht über ihren Text besaß. Außerdem paßt das Grabmal auch stilistisch in diese Zeit. H. Schweitzer und A. Seeliger-Zeiss haben auf Ähnlichkeiten mit der Tumbenplatte Engelhards I. von Hirschhorn (†1361) und auf einen möglichen Werkstattzusammenhang hingewiesen.5)

Es ist fraglich, wie der Stein früher aufgestellt war. Zur Zeit Hans Ulrichs I. Landschad stand er bereits aufrecht an der Südwand der Kirche,6) und Wickenburg gibt an, daß er die untere Leiste nicht mehr lesen konnte, weil sie zu tief eingemauert sei. Möglicherweise war die Platte ursprünglich wie eine Tumbenplatte aufgestellt, nur mit dem Unterschied, daß die linke Seite an die Wand angefügt war.7)

Textkritischer Apparat

  1. Ergänzt nach Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen. Das domini fehlt in seinen Abschriften regelmäßig, vgl. Nr. 33 u. Nr. 36 sowie Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen (Irschlinger 231) und dazu DI 12 (Heidelberg) Nr. 61.
  2. Schaum-Benedum gibt irrigerweise 1384 als Todesdatum an.

Anmerkungen

  1. Ausführliche Beschreibung der Platte bei Schweitzer 23f.; Seeliger- Zeiss 143f.
  2. Irschlinger, Landschaden Taf. 2.
  3. Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen. Zur Abfassungszeit der Schrift ebd. 205-209.
  4. Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen (Irschlinger 221f.).
  5. Schweitzer 23; Seeliger-Zeiss 143f. Zu Engelhard I. vgl. Nr. 30.
  6. Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen.
  7. So Seeliger-Zeiss 166, Nr. 5; Schweitzer 24 und 17f. geht von einem Tischgrab aus.

Nachweise

  1. Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen (Irschlinger 232).
  2. Wickenburg II 265.
  3. Inschriften Neckarsteinach 47.
  4. Schweitzer, Grabmäler 23.
  5. Möller/Krauß, Neckarsteinach 97.
  6. Siebeck, Inschriften 34.
  7. Schaum-Benedum, Figürliche Grabsteine 196.
  8. Seeliger-Zeiss, Ritter-Grabmäler 166, Nr. 5.

Zitierhinweis:
DI 38, Bergstraße, Nr. 32 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di038mz04k0003208.