Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 595† Hüffelsheim, Evang. Pfarrkirche 1683

Beschreibung

Glocke mit Namens-, Spruch- und Meisterinschrift. Ehemals im 1611 neuerbauten Glockenturm1) der damaligen lutherischen Kirche, wurde sie am 20. Oktober 19422) zu Kriegszwecken abgenommen, ins Hamburger Glockenlager verbracht und fiel dort in den letzten Kriegstagen einem Bombenangriff zum Opfer. Die Glocke wurde nach der Ablieferung fotografiert und beschrieben3), außerdem wurde von der Schulterzone ein Abklatsch4) genommen. Große Glocke mit schmalem stilisiertem Blütenfries um die Schulter, darunter die von dem Ortssiegel unterbrochene, zweizeilige Umschrift zwischen einfachen Rundstegen, abgeschlossen von einem weiteren Steg. Als Worttrenner dienen buchstabengroße Sternchen. Gewicht 500 kg.

Beschreibung nach Foto, Text nach Abklatsch.

Maße: H. 98, Dm. 96, Bu. 1,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg [1/1]

  1. · S(ANCTVS) · LAMBERTVSa) · PATRONVS· S(ANCTA) · MARIA · HEISSCHb) · ICH· DEN · GESVNDEN · RVFF · ICH· DIE · TODEN · BESCHREI · ICH· DAS · WETTER · DVRCHS · / GEBETc) · VERTREIB · ICH ·HENRICVS · PISTORIVS · DER · ZEIT · PFARRER · IN · HIFFELSHEIM · MATTHIAS · CROMMEL · VON · TRIER · GOS · MICH · ANNO · 1683

Versmaß: Knittelverse.

Kommentar

Der weitverbreitete Glockenspruch findet sich in ähnlicher Form auf der im selben Jahr vom gleichen Meister für das benachbarte Mandel gegossenen Glocke5).

Das Siegel wird durch den beigegeben Namen erklärt: der hl. Lambert (von Maastricht) war Patron der mittelalterlichen Kirche6) und wurde anscheinend – trotz Reformation – auch von der lutherischen Gemeinde weiter in Ehren gehalten. Der Glockenname hingegen dürfte sich auf eine denkbare Marienkapelle oder auf den urkundlich nachgewiesenen Marienaltar7) der Vorgängerkirche bezogen haben, der beim Neubau des Kirchenschiffes im Jahr 1706 abgerissen wurde. Auftraggeber der Glocke war sicherlich die lutherische Gemeinde mit ihrem Pfarrer Heinrich Pistorius8), der als Nachfolger seines Vaters von 1658 bis zu seinem Tod 1703 sein Amt in Hüffelsheim ausübte.

Textkritischer Apparat

  1. Zwischen den Buchstaben M und B befindet sich das Orts- und Gerichtssiegel von Hüffelsheim, das den hl. Lambertus in bischöflichem Ornat zeigt, in der rechten Hand den mit einer (Sieges)Fahne versehen Bischofsstab, in der linken vermutlich einen Kelch. Zu Füßen befindet sich auf einem Schild das Wappen der Boos von Waldeck. Die Umschrift ist undeutlich, dürfte aber (nach der Abb. eines Siegels von 1653 bei Polke, Kirche 18) folgendermaßen gelautet haben: „GERICHTS(IEGEL) · ZV · HIFFELSHEIM“.
  2. Sic!
  3. Vor dem Wort eine kleine weisende Hand als Markierung des Zeilenwechsels.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 289 V von 1611.
  2. Vgl. zum Folgenden Polke 103.
  3. Karteikarte mit Foto im DGA Nürnberg, Leitziffer der Glocke 22/15/180 B.
  4. Verwahrt im Schloßparkmuseum Bad Kreuznach.
  5. Vgl. auch den Kommentar zu Nr. 567 von 1664.
  6. Vgl. dazu Seibrich, Entwicklung 125ff.
  7. Vgl. die Nachweise bei Polke 9 und 17.
  8. Vgl. zu ihm W. Zimmermann, Zur Pfarrerliste der lutherischen Gemeinde Hüffelsheim, in: MRKg 1 (1952) 143f. – Vater und Sohn wurden in der Hüffelsheimer Kirche begraben, ihre Grabinschriften wurden jedoch nicht überliefert; vgl. dazu Polke 65.

Nachweise

  1. Zimmermann, Glocken 35.
  2. Kdm. 186.
  3. Schloßparkmuseum Bad Kreuznach, Inv.-Nr. Gl 7, 1-3 (Abklatsch).
  4. Liste der Glocken 3.
  5. Deutsches Glockenarchiv Nürnberg, Kartei, Neg.-Nr. 4207 (Foto).
  6. Polke, Kirche 102.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 595† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di034mz03k0059506.