Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 543(†) Meisenheim, Schloßkirche 1641

Beschreibung

Sarg der Pfalzgräfin Anna Sibylla von Pfalz-Zweibrücken in der sogenannten Stephansgruft unter dem Mittelschiff der Kirche. Erstmals erwähnt bei einer im Jahre 1767 erfolgten Öffnung der Gruft als stark beschädigte zinnerne Lade „rechter hand aufm Boden“, deren Aufschrift nur noch teilweise lesbar war1). Seit dem Einbau einer Fußbodenheizung in den siebziger Jahren ist die Stephansgruft durch Bodenplatten verschlossen und damit unzugänglich2).

Nach Specification.

  1. [Anna Sibylla]a) Serenissimorum Principum Johannis et Luisae Comitum Palatinorum Rheni Ducum Bavariae, Juliae, Cliviae, Montium, Comitum Veldenziae, Spohnhemiae, Marchiae et Bergae et Ravenspergi Dominorum in Ravensteinb) Biponti nata denc) 10ten/20ten Julii a(nn)o Christi MDCXII, Disteldorphii denata anno Domini 1641 denc) IXten Nov(embris)d). Christus vita mors lucrum3).

Übersetzung:

Anna Sibylla, der erlauchten Fürsten Johannes und Luise, Pfalzgrafen bei Rhein, Herzöge in Bayern, zu Jülich, Kleve und Berg, Grafen von Veldenz, Sponheim, der Mark und Ravensberg, Herren zu Ravenstein (Tochter), geboren zu Zweibrücken im Jahre Christi 1612 (richtig: 1617) am 10./20. Juli, gestorben zu Düsseldorf im Jahre des Herrn 1641 am 9.(/19.) November. Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn.

Kommentar

Anna Sybilla war das fünfte Kind aus der zweiten Ehe des Herzogs Johann II. von Pfalz-Zweibrücken mit Luise von der Pfalz4). Nach der Zerstörung der Residenzstadt Zweibrücken5) im 30jährigen Krieg durch die kaiserlichen Truppen ging sie 1635 mit ihren Eltern ins Exil nach Metz. Als beide Elternteile gestorben waren, suchte sie bei ihrer älteren Schwester Katherina Elisabeth, die mit dem (wegen des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites) in Düsseldorf residierenden Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg verheiratet war, Zuflucht. Dort starb sie im Alter von 24 Jahren; ihr Leichnam konnte erst am 1. April 1642 nach Meisenheim überführt und am 3. April in der Gruft neben ihrer Mutter beigesetzt werden.

Textkritischer Apparat

  1. Identifiziert nach den Lebensdaten und ergänzt nach vergleichbaren, zeitüblichen Gepflogenheiten.
  2. Anschließend wäre filia zu erwarten.
  3. Sic!
  4. Bereits Crollius stellte die wohl aus der Beschädigung resultierende, verworrene handschriftliche Überlieferung der Geburts-und Sterbedaten in die richtige, auch hier vorgenommene Reihenfolge. Zur doppelten Datumsangabe (übereinander geschrieben und durch einen waagerechten Strich getrennt), die man auch für das Todesdatum annehmen kann (9./19.), vgl. Nr. 542 von 1640.

Anmerkungen

  1. So Specification und Crollius 15.
  2. Vgl. Nr. 542 von 1640 mit Anm. 2.
  3. Phil. 1,21 (verkürzt).
  4. Vgl. ihre Sarginschrift wie Anm. 2.
  5. Vgl. zum Folgenden Heintz 207.

Nachweise

  1. Specification fol. 2.
  2. Copia Specification fol. 114.
  3. Crollius, Denkmahl 131.
  4. Heintz, Begräbnisse Nr. 127.
  5. Heintz, Schloßkirche 206.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 543(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di034mz03k0054302.