Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 474 Simmertal, Evang. Kirche 1613

Beschreibung

Epitaph des Pfarrersohnes Johann Nikolaus Schlosser, textlich bisher unbeachtet. Als erster Stein links von der Kanzel an der Nordwand der 1730 neu erbauten Kirche befestigt. Im dreieckigen Giebel vierzeiliger Bibelspruch (A), darunter eine fast quadratische, mit Beschlagwerk gerahmte Platte aus Kalkstein mit umlaufender Inschrift (B) auf den Leisten, die sich auf der breiten oberen Leiste in kleiner Schrift zweizeilig fortsetzt. Abschließend folgt ein mehrzeiliger Bibelspruch (C) auf dem mit Voluten versehenen Konsolstück. Im vertieften Mittelfeld ein reliefiertes Vollwappen im Lorbeerkranz. Das Grabdenkmal ist an den vorstehenden Teilen erheblich beschädigt, zudem Schriftverlust bei (C).

Maße: H. 145, B. 84, Bu. 1,7-3,6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/1]

  1. A

    DANIEL(IS) 3 / DER · GLAVBIGE · / WIRDT · NICHT · ZV · / SCHANDEN1)

  2. B

    HIER · LIGT BEGRABEN · IOH(ANNES) · NICO/LAII · SCHLOSSER · M(AGISTER) · IOH(ANNES) · SCHLOSSE[RS] / VON · KIRN · ITZT · PFARRERS ·a) / ZV · SIMMERN · SÖNLEIN · WELCHER / STARB · DEN · 7 · IVLII · A(NN)O · 1613 · SEINES · ALT/E[R]S · 19 · WOCHEN · 4 · TAG · DEM · GOTT · GNADE ·

  3. C

    WIHR · LEBEN · ODER · / STERBEN · SO · SEIND / [WIR DES HERRN]2)

Wappen:
Schlosser (männliche Figur mit Schlüssel in der ausgestreckten rechten und Schloß in der linken Hand).

Kommentar

Der früh verstorbene Säugling3) war der erstgeborene Sohn des Pfarrers Johann Schlosser und seiner Frau Anna, Tochter des Postmeisters Velten Schauß aus Eckweiler, mit der er weitere sieben Kinder hatte. Johann, Sohn des Kirner Weißgerbers Ulrich Schlosser, immatrikulierte sich am 7. April 1608 an der Universität Gießen und folgte im Mai 1611 dem ebenfalls in der Kirche begrabenen Sebastian Ärtzgräber4) im Pfarramt. 1623 wurde er Pfarrer in Spabrücken, wo er (als letzter lutherischer Geistlicher) im Jahr 1626 starb.

Textkritischer Apparat

  1. Da die Inschrift (B) auf den vier Leisten im Uhrzeigersinn umläuft, ist der Text auf der unteren Leiste zwangsläufig so angeordnet, daß er – wie bei der entsprechenden Stelle einer Grabplatte – eigentlich nur von innen zu lesen ist.

Anmerkungen

  1. Der Spruch ist kein wörtliches Zitat, sondern eine auf den Punkt gebrachte Zusammenfassung des 3. Kap. (Unversehrte Errettung dreier gläubiger Juden aus dem Feuerofen des Nebukadnezar).
  2. Rö. 14,8 (Paraphrase).
  3. Getauft am 24. Februar 1613. – Vgl. zum folgenden Penningroth, Pfarrer 120.
  4. Vgl. Nr. 470 von 1611.

Nachweise

  1. Kdm. 354 (erw.).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 474 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di034mz03k0047405.