Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 245† Bad Münster am Stein-Ebernburg, Evang. Johannes-Kirche (sog. Wehrkirche; aus Kreuznach, Franziskaner-Kloster) 1515

Beschreibung

Grabdenkmal für Hedwig von Sickingen geb. von Flersheim. Ursprünglich im Chor der Franziskaner-Klosterkirche zu Kreuznach, wurde es im Jahr 1584 unter Hinterlassung einer entsprechenden Inschrift1) in die damalige Pfarrkirche zu Ebernburg überführt und konnte dort2) noch 1660 nachgewiesen werden; verloren. Grabdenkmal mit einer bronzenen Figur („epitaphium cum effigie aenea“), die einen Rosenkranz in den Händen hielt3); dabei vier Wappen.

Nach Helwich.

  1. Anno d(omi)ni m d xv die nona mensis Januarii catholice obiit d(omi)na Heydwig ex prosapia de Flersheim legitima validi Francisci de Sickingen armigeri c(uius) a(nima) r(equiescat) i(n) p(ace) a(men).

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1515 am 9. Tag des Monats Januar verstarb rechtgläubig Frau Hedwig aus dem Geschlecht von Flersheim, Ehefrau des mächtigen Kriegers4) Franz von Sickingen, deren Seele in Frieden ruhen möge Amen.

Wappen:
Puller von Hohenburg, Sickingen; Flersheim, Kranch von Kirchheim.

Kommentar

Hedwig5) war eine Tochter des kurpfälzischen Amtmanns Hans von Flersheim und seiner Frau Ottilia Kranch von Kirchheim. Im Jahr 1499 heiratete sie den auf der Ebernburg residierenden, später so berühmt-berüchtigten Franz von Sickingen6). Die zahlreichen Kinder dieser Ehe setzten trotz des unglücklichen Schicksals ihres Vaters7) das Geschlecht der Sickingen in mehreren Linien bis in die Neuzeit8) fort. Hedwig wurde als letzte (vorreformatorische) Angehörige der pfälzischen Linie der Sickingen in der Grablege der Familie im Franziskaner-Kloster zu Kreuznach an der Seite ihrer Schwiegermutter9) beigesetzt. Ihr aufwendiges Grabdenkmal unterstreicht den bereits 1515 erreichten Rang ihres Ehemannes.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 355 von 1584.
  2. So Bürvenich, Annales 426, dagegen nach Helwich in der Schloßkapelle der Ebernburg; vgl. dazu Nr. 143 von 1472.
  3. So Bürvenich ebd. („statua eius aenea ... rosarium in manibus“).
  4. Eigentlich Knappe oder Junker; ein Hinweis auf den ritterschaftlichen Stand des Ehemannes.
  5. Vgl. dazu Möller, Stammtafeln NF I Taf. XVII und zum Folgenden ausführlich Waltz, Flersheimer Chronik 52ff. sowie Kehrer, Sickingen 129 (1981) 135ff.
  6. Gefallen 1523 bei der Belagerung seiner Burg Nanstein; vgl. zu seinem Grabdenkmal in Landstuhl Kdm. Kaiserslautern 278 m. Abb. 191.
  7. Vgl. zu ihm umfassend nach wie vor Ulmann, Sickingen pass. und zuletzt Benz, Sickingen-Bildnisse 11ff. sowie Nr. 255 von 1519.
  8. Vgl. Europ. Stammtafeln NF XI Taf. 68.
  9. Vgl. Nr. 238 von 1507.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 451.
  2. Roth, Syntagma 2 (1884) 41.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 245† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di034mz03k0024500.