Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 17† Duchroth (aus Kl. Disibodenberg?) 13.Jh.?

Beschreibung

Glocke mit rätselhafter Inschrift. Sie stammt vermutlich aus der Marienkapelle des 1559 aufgehobenen Klosters Disibodenberg1) und wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Pfalz-Zweibrücken der Kirchengemeinde in Duchroth überlassen2). Letzte Verwendung als Gemeindeglocke auf dem Dachreiter des Rathauses. Im Jahr 1894 wurde sie wegen einer Beschädigung als Glockenschrott verkauft3). Vertraut man der vorliegenden Nachzeichnung, so zeigte die Glocke wohl die Übergangsform von der Zuckerhutglocke zur gotischen Rippe4): Eine fast senkrechte, zur Krone hin spitz zulaufende Flanke mit nach innen gezogenem Schlagring, auf dem sich – abgesetzt durch einen Steg – die kurze Inschrift befand.

Nach Kraus.

Maße: H. 685), Dm. 62 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, früh?

  1. + O Aa) S O +

Kommentar

Die in Umzeichnung vorliegende Inschrift weist zwischen zwei griechischen Kreuzchen vier unsicher gearbeitete Großbuchstaben auf, die keine sicheren schriftgeschichtlichen Aussagen zulassen. Ob sich die Nachricht von einem 1628 erfolgten Umguß6) auf diese Glocke bezieht, ist fraglich; dies könnte zwar die fast unleserliche Inschrift erklären, nicht jedoch die altertümliche Form der Glocke. Für die vorgenommene Datierung spricht neben der äußeren Form auch die ungewöhnliche, wohl eine frühe Entwicklungsstufe dokumentierende Plazierung der Inschrift, die wohl auch zu dieser Zeit in der Regel auf der Schulter angebracht wurde. Ob die schon früh vorgeschlagene Auflösung O(mnia) A(d) S(alutem) O(mnium)7) zutreffen könnte, oder ob es sich eher um eine sinnlose Buchstabenkombination handelt, muß offen bleiben.

Textkritischer Apparat

  1. Buchstabe verderbt.

Anmerkungen

  1. So wohl aufgrund der geringen Größe Baudenkmale III 142.
  2. Vgl. Schworm, Glockenkunde 191 und ders., Disibodenberg 171. – Die im Zusammenhang mit den ehemaligen Disibodenberger Glocken ständig wiederholte Behauptung, sie seien bereits während des bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges 1504 „vom Turm genommen und mit fortgeschleppt“ (ebd.), später aber wieder zurückgegeben worden, beruht auf einer Notiz bei Remling, Geschichte 40, mit der er sich auf eine inhaltlich so nicht nachweisbare Stelle bei Trithemius, Chron. Sponh. 421 beruft.
  3. Vgl. Herzog, Duchroth 53.
  4. Vgl. die Beispiele bei Kramer, Glockenform 69ff.
  5. Ohne Krone 60 cm.
  6. Vgl. Herzog, Kirchengeschichte 16.
  7. Vgl. Kraus 2 (1885) 13 (Alles zum Heile aller). Dagegen scheint die von Baudenkmale III 129 und Schworm, Glocken bzw. Disibodenberg vorgenommene Lesung o p n o mit der Auflösung ora pro nobis eher spekulativer Natur zu sein. Beide Sprüche werden für diesen Zeitraum in der Sammlung von Walter, Glockenkunde, nicht nachgewiesen.

Nachweise

  1. Kraus, Pfälzische Glockenkunde 1 (1895) 6 (mit Abb. und Nachzeichnung).
  2. Baudenkmale III 129.
  3. Schworm, Glockenkunde 191 (erw.).
  4. Schworm, Glocken 9.
  5. Herzog, Duchroth 53.
  6. Schworm, Disibodenberg 172.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 17† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di034mz03k0001703.