Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 7† Sponheim, ehem. Klosterkirche 1175?

Beschreibung

Grab- bzw. Gedenkinschrift für Bernhelm und Craffto, die beiden ersten Äbte des Benediktinerklosters Sponheim. Abt Craffto1) wurde im gleichen Grab („in eodem sepulcro“) wie sein Vorgänger bestattet, das sich mitten im Chor („in medio chori“) der Klosterkirche befand. Über der Grabstätte („super eius tumulum“) waren Verse eingemeißelt („versus excisi“), denen die Namen der Verstorbenen „in prosa“ vorangesetzt waren.

Nach Trithemius.

  1. [Bernhelmus / Craffto]Abbates clari quibus accidit huc tumulariAmbo deo chari sunt modo pace pari

Übersetzung:

Hochangesehen sind die Äbte, denen es bestimmt war, hier begraben zu werden; beide sind sie Gott teuer und sind gleicherweise im Frieden.

Versmaß: Distichon unisonum.

Kommentar

Folgt man den präzisen Angaben der Klosterchronik des Sponheimer Abtes Johannes Trithemius (1462-1516)2), so dürfte an der realen Existenz dieser wohl anläßlich des Todes des zweiten Abtes für beide Äbte angefertigten Gedenkinschrift kaum zu zweifeln sein. Zudem berichtet Trithemius auf den vorhergehenden Seiten lediglich von der Beisetzung des ersten Abtes „in medio chori“. Weder die gemeinsame Inschrift3), noch die Bestattung im gleichen Grab unter einer Deckplatte4), waren zu dieser Zeit ungewöhnlich. Auch die kunstvoll gereimte Form der Inschrift5) widerspricht nicht der vorgeschlagenen Datierung, die sich am Todesdatum des zweiten Abtes orientiert. Darüber hinaus soll der von Trithemius verbreiteten Überlieferung zufolge der im Jahr 1179 verstorbene Prior Anselmus die Verse verfertigt haben, ein „homo studiosus et doctus“. Hinsichtlich des Inschriftenträgers könnte man sowohl an eine gemeinsame Grabplatte als auch an ein kleines, tafelförmiges Epitaph denken.

Zur Biographie beider urkundlich gut bezeugten Äbte sind wir hauptsächlich auf die Sponheimische Klosterchronik des Trithemius angewiesen6): Abt Bernhelm (1124-1151) war vor seiner Wahl Mönch des Mainzer Klosters St. Alban; neben seinen Verdiensten um die inneren und äußeren Angelegenheiten des Klosters wird er von Trithemius vor allem dafür gerühmt, der Klostergemeinschaft zahlreiche bedeutende Reliquien verschafft zu haben, darunter ein Schulterblatt („scapula“) des hl. Disibod7) und aus der Hand Hildegards von Bingen den rechten Unterschenkel („crus“) des hl. Rupert8). Auch sein Nachfolger Abt Craffto (1151-1175) – von Trithemius wohl zu Unrecht9) als Sohn des Klosterstifters Graf Me(g)inhard von Sponheim bezeichnet – war in diesem Bereich äußerst erfolgreich; so erhielt er ein großes Holzstück vom hl. Kreuz10) und aus Trier das vollständige Haupt der hl. Irmina, das er in ein kostbares Reliquiar fassen ließ.

Von der wohl durch Trithemius, dem bedeutenden Frühhumanisten und 25. Abt des Klosters Sponheim bewirkten Verehrung seiner Vorgänger zeugen je zwei weitere mit Inschriften versehene Bildnisse11) dieser Äbte.

Anmerkungen

  1. Trithemius 255.
  2. Vgl. zu ihm Arnold, Trithemius pass. – Abgesehen von einigen historiographischen ‘Fälschungen‘ (vgl. dazu Mötsch, Genealogie 63 Anm. 4) kann seine Sponheimische Chronik zumindest für die das Klosterleben betreffenden, lokalgeschichtlichen Passagen durchaus als zuverlässig angesehen werden (vgl. Velten, Chronik IIIff. und Seibrich, Entwicklung 107). Soweit nachprüfbar, gilt dies ebenso für die wenigen, dort überlieferten Inschriften, so etwa die für den 1482 verstorbenen Mainzer Erzbischof Dieter von Isenburg (vgl. Trithemius 393 und DI 2 (Mainz) Nr. 195).
  3. Vgl. zu einer ähnlichen, um 1200 nachträglich angefertigten Inschrift für die drei ersten Äbte des Zisterzienserklosters Eberbach künftig DI Rheingau-Taunus-Kreis.
  4. Vgl. etwa die mit einem Doppelkrummstab versehene (inschriftlose) Abtsgrabplatte (Nikitsch, Bemerkungen 23 mit Abb. 4) sowie Nr. 102 von 1404 aus dem Kloster Disibodenberg.
  5. Der zweisilbig reine Reim ist nach Bayer, Entwicklung 123f. typisch für die inschriftliche lateinische Dichtung der zweiten Hälfte des 12. Jh.
  6. Vgl. zum Folgenden Trithemius 238ff.
  7. Laut den zuverlässigen Disibodenberger Annalen war Abt Bernhelm samt dem Sponheimer Konvent bei der Erhebung der Gebeine im Jahr 1138 auf dem Disibodenberg anwesend, vgl. Nr. 3.
  8. Vgl. Trithemius 251. Es handelt sich hier um einen lokal verehrten Heiligen; vgl. dazu H. Lehrbach, Katalog zur Ausstellung ‘Heilige Hildegard von Bingen 1179-1979‘. Bingen 1979, 28 und 55f.
  9. Vgl. Mötsch, Genealogie 79.
  10. Die Kreuzpartikel soll sich in dem heute in der Nikolauskirche zu Bad Kreuznach verwahrten Kreuzreliquiar befinden, vgl. Nr. 30.
  11. In denen u.a. auch die vorliegende Inschrift nochmals tradiert wird, vgl. Nrr. 623f. (17. Jh.?).

Nachweise

  1. Trithemius, Chr. Sponh. 255.
  2. Kremer, Geschichts=Kunde 38 Anm. 35.
  3. Rhein. Antiquarius II 16, 485.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 7† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di034mz03k0000706.