Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 2† Disibodenberg, Kloster zw. 1138 u.1143?

Beschreibung

Inschrift an einem bisher unbekannten Armreliqiuar des hl. Disibod. Im Auflösungsinventar des Klosters von 1559 als „ain handt, ist halb silberen halb kupfernn“1) erwähnt, wird es noch 1610 in einem Besitzverzeichnis2) der damaligen pfalz-zweibrückischen Klosterschaffnei aufgeführt, heute verschollen. Unter der Rubrik „Alltar Geschmeidt“ findet sich dort an erster Stelle der Vermerk „1 Küpffern oder Meßinger arm vnd handt daran, so mit allerhandt steinen, die vor lengsten dauon kommen, versetzt gewesen (...)“. Es handelte sich also um einen typischen mittelalterlichen Reliquienbehälter, wohl in Form eines aufrechtstehenden, mit einem Gewandärmel bekleideten „kurz unter dem Ellbogen abgeschnittenen Unterarmes“3), der nach oben hin in eine Hand endet. Die kurze Inschrift („vnd stehet dieser Vers drauff“) könnte sich auf dem mit Edelsteinen geschmückten Saum befunden haben; die Juwelen waren allerdings zur Zeit der Abschrift4) bereits abhanden gekommen. Ein solches Reliquiar bestand meist aus einem mit Metallplättchen umkleideten Holzkern, der eine Aushöhlung zur Aufnahme der Reliquie aufwies.

Nach Inuentarium.

  1. Clauditur impositus tuus hic Disipode lacertus

Übersetzung:

Hiermit wird, o Disibod, dein hineingelegter Arm umschlossen.

Versmaß: Hexameter, leoninisch, einsilbig rein.

Kommentar

Der Datierung dieses Reliquiars liegt die Überlegung zugrunde, daß es wohl zu einer Zeit angefertigt wurde, als der Leichnam des Heiligen problemlos zugänglich war. Als Zeitraum bieten sich die Jahre 1138 bis 1143 an, als die Gebeine Disibods letztmals erhoben und bis zu seiner endgültigen Umbettung in ein Hochgrab in der Klosterkirche vorläufig beigesetzt wurden5).

Anmerkungen

  1. Vgl. LHAK. Der Eintrag, der die Inschrift nicht erwähnt, ist von späterer Hand marginal mit dem Zusatz „ist geschmelzt“ versehen worden, ob und wann diese Einschmelzung stattgefunden hat, ist allerdings nicht bekannt.
  2. Vgl. Inuentarium.
  3. RDK I 1106 (mit einer vergleichbaren Abb.).
  4. Leider bietet der Kopist keine Nachzeichnung der Inschrift, sondern hebt sie lediglich durch normale lateinische Buchstaben vom sonst durchgängig in deutscher Schrift gehaltenen Text ab.
  5. Vgl. dazu ausführlich die folgende Nr. 3 – Bei dieser Gelegenheit wurden wohl weitere Reliquienteile entnommen; so erhielt das mit Disibodenberg verbrüderte Kloster Sponheim ein ganzes Schulterblatt („scapula“) des Heiligen (vgl. Nikitsch, Überlegungen 198 Anm. 20), zudem wurden in der 2. Hälfte des 12. Jh. Altäre im Augustiner-Chorherrenstift Frankenthal/Pfalz und im Zisterzienserkloster Eberbach zur Ehre des hl. Disibod geweiht (vgl. dazu Falk, Disibod 54f.).

Nachweise

  1. Inuentarium vnd Verzeichnuß alles deßjehnigen, waß der gewesene Schaffner zu Disibodenberg Johann Weÿgandt Schott, dem (...) angenommenen Schaffner Johann Philip Söltzern, ahn Mobilien und haußrhadt geliefert, beschrieben durch Christianum Gervinum, Schaffner des Closters Offenbach, vndt Simon Lindern Kirchencammerverwandter den 9ten Novembris 1610 (Zweibrücken, Prot. Kirchschaffneiarchiv IV, 628 fol. 1).
  2. LHAK 33, 2512 fol. 21r (erw.); vgl. auch W. Zimmermann, Inventar des Klosters Disibodenberg aus dem Jahre 1559, in: Westpfälzische Gbll. 34 (1935) Nr. 6, 21.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 2† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di034mz03k0000206.