Inschriftenkatalog: Großkreis Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe (1980)

Nr. 217 Helmsheim (Stadt Bruchsal), kath. Pfarrkirche St. Sebastian 1558?

Beschreibung

Grabstein oder Epitaph der Ursula Landschad von Steinach geb. von Hirschhorn. Im Chor an der Nordwand. Platte aus weißem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien; die Inschrift verläuft zunächst in üblicher Weise von der Kopfleiste zur rechten Randleiste, dann über die linke Randleiste zur Fußleiste und setzt sich im Feld oben in einer Zeile fort; linke Randleiste und Fußleiste sind von oben nach unten bzw. von links nach rechts beschriftet. Im Feld die Figur der Verstorbenen in Hochrelief. In den Ecken vier Wappenschilde, zwei kleinere, abgearbeitete Wappen in Kniehöhe. Rand eingeputzt, oben in der Mitte mit Zement ausgebesserte Fehlstelle, Wappen bestoßen.

Maße: H. 196, B. 88, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. ANNO 13 · 5 [·] · 8 ·a) VF DVRSTAG / VOR · /// SANT · VRSLA · TAG · IST · VOR /// SCHIEDEN · DIE · / VON · GEBORN · LANTSCHEDIN /// VRSLA · FRAWb) · DVGA/SAM · VNNT · EDEL · / HIRSHORN · DER · GOT GNOT · /

An der linken Randleiste und an der Fußleiste ist die Abfolge der Worte von rückwärts zu lesen:

  1. EDEL · VNNT · DVGASAM · FRAW · VRSLA · LANTSCHEDIN GEBORN · VON ·

Datum: 20. Oktober.

     
Wappen:
Handschuhsheim / Fleckenstein /
Hirschhorn / Bock von Gerstheim /
unkenntlich / unkenntlich /

Kommentar Die Verstorbene war eine Tochter des Philipp II. von Hirschhorn (gest. 1522) und der Apollonia Bock von Gerstheim1. Sie war in erster Ehe mit Conrad von Venningen, in zweiter Ehe mit Friedrich I. Landschad verheiratet. Dessen Vater Blicker XIV. (1443–1499) hatte Helmsheim 1483 erworben und 1493 als pfälzisches Lehen erhalten. Der offenbar des Schreibens und Lesens unkundige Steinmetz hat die Wortfolge wohl aus Versehen vertauscht; auch die Anordnung der Wappen – die Wappen der Eltern unten – weicht vom üblichen Schema ab. Die Jahreszahl ist verhauen, jedoch erlaubt der stilistische Befund die Ansetzung um 1550. Die von Rott vorgeschlagene Lesung der Jahreszahl als 1558 scheint eher gerechtfertigt als die Datierung auf 15382.

Textkritischer Apparat

  1. Die Jahreszahl ist verschrieben und außerdem durch die Fehlstelle beschädigt und nicht eindeutig ergänzt. Der Befund zeigt die Ziffern 1 und 3 (?), dann nach kreisrundem Trennpunkt 5, dann eine Fehlstelle, dann (ergänzt) eine 8 nach Trennpunkt.
  2. W ist als M geschrieben.

Anmerkungen

  1. Grabstein des Vaters in der Hirschhorner Karmeliterkirche erhalten; vgl. KdmHessen, Kr. Bergstraße, Abb. 441. – Zur Genealogie vgl. Möller AF. II Taf. 64.
  2. KdmBaden a. a. O.; Helmsheim a. a. O.

Nachweise

  1. KdmBaden IX 2, 215, Abb. S. 214.
  2. Feigenbutz, Kraichgau 139.
  3. Stocker, Bruchsal 76.
  4. R. Irschlinger, in: ZGO NF. 47 (1933/34) 247.
  5. Helmsheim 769–1969. Festschrift z. 1200-Jahrfeier. Helmsheim (1969) 27f.

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe, Nr. 217 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0021708.