Inschriftenkatalog: Großkreis Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe (1980)

Nr. 148 Bretten, ev. Pfarrkirche St. Laurentius 1520

Beschreibung

Grabstein des Eucharius Reutter. Innen an der den ehemaligen Chor vom Langhaus trennenden Scheidemauer, im Langhaus in einer Nische hinter dem Altar; 3. Stein von links; bis 1935/36 vor der Sakristei im Boden. Rechteckplatte aus gelbem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien. In der unteren Hälfte des Mittelfeldes Reste eines abgearbeiteten Wappens. Links oben und an der rechten Langseite Bruchschäden mit geringem Buchstabenverlust.

Maße: H. 174, B. 99, Bu. 5,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis m. frühhumanistischen Zügen.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A[NNO] · D(OMI)NI · M · CCCCCXX · / JN · DIE · LEONHARDI · OBIIT · VENERABILIS · DO /MINVS · EVCHARIVS / REVTTER · CVIVS · ANIMA · DEO · VIVAT · AMEN · /

Übersetzung:

Im Jahre 1520 am Tag des (hl.) Leonhard starb der ehrwürdige Herr Eucharius Reutter; seine Seele möge bei Gott leben.

Datum: 6. November.

Wappen:
unkenntlich.

Kommentar

Der Verstorbene war ein Neffe des Humanisten Johannes Reuchlin und ein Onkel des Philipp Melanchthon1. Da er erst am 26. Oktober 1486 an der Universität Heidelberg immatrikuliert wurde, scheint er mit dem 1482 als Inhaber der Pfründe des St. Georgsaltars im Hospital zu Bretten nachweisbaren „Magister Eucharius“ nicht identisch zu sein2.

Die Schrift ist im Duktus unregelmäßig, in der Formgebung maniriert. N und I zeigen Ausbuchtung des Schaftes; daneben komt I auch mit i-Punkt und als J vor.

Anmerkungen

  1. Eltern: Hans Reuter (gest. 1508), Schultheiß und Amtmann zu Bretten, und Elisabeth Reuchlin aus Pforzheim, Schwester des Gelehrten; Barbara Reuter, die Schwester des Verstorbenen, heiratete 1493 den Rüstmeister Georg Schwartzerdt (gest. 1508); beider Sohn war der Reformator, auf den sich mehrere Brettener Inschriften beziehen; vgl. nrr. 222, 294, 389. Zur Familie Reuters vgl. zuletzt: Schäfer, Geschichte Bretten 240ff.
  2. Toepke I 384; Schäfer Quellenbuch 146, 150.

Nachweise

  1. KdmBaden IX 5, 44.
  2. Nik. Müller, Georg Schwartzerdt 11.

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe, Nr. 148 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0014808.