Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe (1980)

Nr. 344† Ettlingen, alte Friedhofskapelle1 1608

Beschreibung

Epitaph des Gregor Moch. Bei Abbruch der Kapelle 1902 zerstört. Wahrscheinlich großes Inschrift-Epitaph mit der Inschrift im Mittelfeld; Gestaltung unbekannt. 1927 wurde als einziger Rest im Bereich des ehemaligen Friedhofs die Konsole wiedergefunden und im Albgau-Museum geborgen (Inv. nr. 670a und b)2. Die Konsole besteht aus zwei ehemals in der Mitte zusammengefügten Werkstücken aus rotem Sandstein, die einen Reliefstreifen mit vor dem Kruzifix knienden Figuren bilden; außen jeweils die Sockel der ehemals hier ansetzenden Rahmenpilaster mit je einem Wappen mit Helmzier; unterer Abschluß Beschlagwerk. Relief verstümmelt. Wortlaut der Inschrift nach Schwarz3.

Maße: H. 42, B. 96,5 (A), 79,5 (B) cm.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Lapis Sepulchralis / Clarissimi et Consultissimi Viri pietate, eruditione, prudentia, atque autoritate praestantissime Domini Gregorii Mochii, J. u. Doctoris, Celeberimi Consiliarii Marchio Badensis, Dignissimi de Ecclesia et de Re Publica Christiana optime meriti, qui anno MDCVIII die octavo april. hora nona pomeridiana Ettlingae pientissime in Chr(ist)o obdormivit et extra hoc sacellum decenter inter suos humari voluit.

    Haud procul adjactum lapidis sub gramine moesto Gregorii Mochen molliter ossa cubant, Qui coluit studiis patriam, pietate dynastas, Officiis homines, religione Deum: Consiliis felix, animo gravis, ore rotundus, Fortis in aerumnis. Vixit, abivit, ovat. Marchio qui primum Carole serviit autor, Dandis consiliis, optimus usque suis, Huic post officii Janus creis lampada tradit, Moch ubi delati, munus honoris adit, Consultorque sagax ac protonotarius audit, In Röttelano fida columna solo: Marchica cum lectis tutoribus ora subesset, Acquem Christophorus Kircher Praecessor habebat Obtinet hunc magna cum gravitate locum Conficeretque suum septimus annus iter, Ettlingae residens, dein Consularius urbes Marchicas summa dexteritate regit, Ast Hochbergiacae cum sceptra capesseret ora. Marchio Georg Friedrich dux patriaeque pater Gregorium fidum clemens adscivit ab ejus Consili optata saepe pependit ope: Tertius et denus donec procurreret annus Appeteretque piae metu suprema necis. Sustulit infantes Moch qui nove ex conjuge quae tum Foeminei fuerat lucida gemma chori Ante diem expirant tria mascula pignora et inter Angelicos ludunt carmina sacra choros, Sed vivunt vivantque, precor, gnata utraque voluptate. His qui praecipuo sunt in honore, viris: Davidi Kottschareiter quem maxima juris Gloria complureis extulit ante viros: Janoque Ulrico Vinther quem curia tota Doctum Archiscribam suscipit usque suum, Quod jussit pietas socero haec monumenta locarunt, Funus honorantes moestus uterque gener. Discito ab exemplo hoc lector bene claudere vitam, Omnia nam vitam qui bene claudit habet.

Übersetzung:

Grabstein des vortrefflichen und erfahrenen Mannes, des durch Frömmigkeit, Bildung, Klugheit und Ansehen hervorragenden Herrn Gregor Moch, beider Rechte Doktor, des sehr berühmten markgräflich badischen Rates, des höchst würdigen, um die Kirche und den Staat hochverdienten Mannes, der im Jahre 1608 am 8. April, nachmittags um die 9. Stunde in Ettlingen gläubig in Christo entschlief und außerhalb dieser Kapelle unter den Seinen geziemend begraben zu werden wünschte.

Nahe bei diesem Steine unter dem trauernden Grase ruhen sanft gebettet die Gebeine des Gregorius Moch, der durch seinen Eifer dem Vaterland, durch seine Treue den Fürsten, durch sein Pflichtgefühl den Mitmenschen, durch seinen Glauben Gott diente. Glücklich im Rate, im Urteil besonnen, in der Rede gewandt, stark im Unglück, lebte er, ging er dahin und frohlockte. Markgraf Carl, dem er, der Treffliche, zuerst als Ratgeber diente, immer die besten Ratschläge erteilend, übertrug ihm das Ehrenamt, zu dem Janus ihn mit des Verstandes Leuchte begabte. Moch unterzog sich der ehrenvollen Pflicht und als scharfsinniger Berater und Sachwalter schenkte er jedermann Gehör. Der Markgräflichen Regierung war er an ihres Gebietes äußerster Grenze, im Rötteln’schen Lande, eine zuverlässige Stütze. Er war an diesem Ort, den er unter großen Beschwernissen erreichte, als Amtsnachfolger des Christoph Kircher, sieben Jahre lang tätig. Hierauf, als Rat in Ettlingen wohnend, regierte er die markgräflichen Städte mit großem Geschick. Nachdem Markgraf Georg Friedrich, der Milde, der Führer und Vater des Vaterlandes, das Szepter der Hochbergischen Lande ergriffen hatte, ließ er den treuen Gregor schalten, denn er wußte, die von ihm gewählten Maßnahmen wohl zu würdigen. Nachdem er dreizehn Jahre in Ettlingen tätig war, erlitt er gottesfürchtig fromm den Tod. Von den Kindern Mochs, die ihm die Gattin, die leuchtende Krone im Chore der Frauen, geboren hatte, starben drei Knaben im zarten Kindesalter und singen nun heilige Lieder im Chor der Engel. Doch zwei Töchter wuchsen heran zu beider Eltern Freude und sind vermählt mit ehrenhaften Männern: David Kottschareiter, den der hohe Ruhm eines Rechtstgelehrten über die andern hinaushebt, und Johann Ulrich Vinther, den die gesamte Regierung stets als gelehrten Schreiber schätzte. Wie es die Dankbarkeit befahl, haben die beiden Schwiegersöhne dem Schwiegervater dies Denkmal zu Ehren des Verstorbenen errichtet. Lerne hieraus, o Leser, dein Leben gut zu beschließen, denn, wer es also beschließt, gewinnt das ewige dort.

Wappen:
Moch (schräg geteilt; im oberen Feld Pflugschar od. Schelle, flankiert von zwei sechsstrahligen Sternen; unten Stern, flankiert von zwei Pflugscharen); Vinther.

Kommentar

Gregor Moch, geb. um 1545 in Ellmendingen (Gem. Keltern, Enzkreis), war 1565/67 an der Universität Tübingen inskribiert4. Seine Frau Martha, geb. Forchheimer, starb 1597 Juli 75. Moch, nach Aussage der Inschrift zunächst in der Herrschaft Rötteln tätig, war 1595–1608 markgräflich badischer Rat zu Ettlingen. Der Stifter des Denkmals, Johann Ulrich Vinther, 1600–1620 in Ettlingen Stadtschreiber und Untervogt, vermählt mit Mochs Tochter Anna Maria, entstammt der vielfach in markgräflichen Diensten stehenden Familie der Vinther aus Lahr6.

Anmerkungen

  1. Der mittelalterliche Friedhof im Bereich der Martinskirche wurde 1527 an die Straße Ettlingen-Durlach verlegt; das vorliegende Epitaph wurde in der 1689 zerstörten Friedhofskapelle errichtet und vielleicht in den 1738/42 erbauten Neubau übernommen. 1889 wurde der Friedhof wiederum verlegt, die Kapelle aber erst 1927 abgerissen; vgl. KdmBaden IX 3, 36; Springer a. a. O.
  2. Zugehörig die Grabplatte nr. 345.
  3. Im Anschluß an die Inschrift überliefert Schwarz ein „Carmen Reticulatum“, das am Epitaph befestigt war, offenbar ein auf Pergament oder Papier geschriebenes Gedicht.
  4. Hermelink 162, 137.
  5. Sie war vermutlich eine Tochter des Ettlinger Schultheißen Bartholomäus Forchheimer, nachweisbar 1534–57; vgl. Schwarz, Ettlingen 54, 117; Springer a. a. O. – Sein Wappen ist auf einem Grabstein-Fragment ohne Inschrift erhalten; vgl. KdmBaden IX 3, 38 nr. 22.
  6. Vgl. nr. 286. – Zu seiner Bestallung als Untervogt vgl. Schwarz, Ettlingen 191f.

Nachweise

  1. Schwarz, Ettlingen, Anhang S. 88.
  2. K. Springer, in: Mittelbad. Kurier v. 21. 10. 1927 u. v. 16. 7. 1929.

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe, Nr. 344† (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0034400.