Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe (1980)

Nr. 231 Durlach (Stadt Karlsruhe), Schloß 1565

Beschreibung

Wappentafel des Markgrafen Karl II. von Baden-Durlach und seiner beiden Gemahlinnen. Prinzessinnenbau, an der Westwand der Torhalle (heute Lapidarium des Pfinzgau-Museums); früher über dem Haupteingang der alten, 1689 zerstörten „Carlsburg“, an der Stadtseite. Eine dreiteilige Aedikula aus weißem Sandstein umschließt drei Nischen mit Wappen in Hochrelief; in der Sockelzone Inschrifttafeln: dem breiteren Mittelfeld zugeordnet Rollwerktafel B, flankiert von Tabulae ansatae (A, C). Beschädigungen an den stark unterschnittenen, heraldischen Schmuckformen, am mittleren Segmentgiebel und am Mittelwappen. Reste farbiger Fassung, Buchstaben ehemals dunkel nachgezogen.

Maße: H. ca. 300, B. ca. 330, Bu. 3 (A, C) und 4 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. A

    KV̈NGVND · V(ON) · G(OTTES) · G(NADEN) · MARGGRA/VIN ZV BADEN ETC. GEBORNE / MARGGRAVIN ZV BRANDE(N)/BVRG · S(EINER) · F(ÜRSTLICHEN) · G(NADEN) · ERSTE GEMAHEL / SELIGER GEDECHTNVS · /

  2. B

    CARL · V(ON) · G(OTTES) · G(NADEN) · MARGGRAVE ZV / BADEN VND HACHBERG · LANDGRAVE / ZV SVSEMBERG · HERR ZV RÖTELN VND / BADENWEILER ETC. A(NN)O D(OMI)NI · M · D · LXV ·a) /

  3. C

    ANNA · V(ON) · G(OTTES) · G(NADEN) · MARGGRÄVI(N) ZV / BADE(N) ETC. GEBORNE PFALTZGRÄ/VIN BEI REI(N) HERTZOGI(N) IN BEI/ERN VND GRÄVI(N) ZV VELDE=/NTZ · S(EINER) · F(ÜRSTLICHEN) · G(NADEN) · A(N)DERE GMAHL /

Wappen:
fünfteiliges Wappen der Markgrafschaft Baden-Durlach1 (Herzschild Baden auf geviertem Schild, 1 Landgrafschaft Breisgau, 2 Usenberg, 3 Badenweiler, 4 Rötteln) in der Mitte; l. Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach (neunteilig); r. Herzogtum Pfalz-Veldenz (Herzschild Pfalz über geviertem Schild, 1 u. 4 Pfalz, 2 u. 3 Wittelsbach).

Kommentar

Die monumentale Tafel mit den Prunkwappen des Markgrafen Karl II. (1553–1577) und seiner Gemahlinnen Kunigunde von Brandenburg-Kulmbach (gest. 1558) und Anna von Pfalz-Veldenz (gest. 1586) hatte die Funktion einer Bauinschrift zum Gedächtnis der Vollendung des 1563/65 zur Residenz ausgebauten, mittelalterlichen Jagdschlosses, das vom Bauherrn den Namen „Carlsburg“ erhielt2. Anlaß der umfangreichen Baumaßnahmen war die Verlegung des Hofes von Pforzheim nach Durlach im Jahre 1565. Die Tafel wird 1577 erstmals von P. Cherlerus erwähnt und irrtümlich als „aenea tabula“ (Bronzetafel) bezeichnet3. Sie wurde namengebend für den „Meister der Carlsburg“4; dieser Anonymus hat zuvor in Pforzheim für den Markgrafen den Bauschmuck des Archivbaues am Schloß (1561) geschaffen und wohl auch die Epitaphien für die Markgrafen Bernhard d. J. von Baden (gest. 1553) und Albrecht Alcibiades von Brandenburg (gest. 1557) gearbeitet5.

Die genannten Denkmäler verbindet – abgesehen von der stilistischen Verwandtschaft der Ausführung – die völlig gleichartige, fein gearbeitete Kapitalschrift mit überhöhten Anfangsbuchstaben. Typisch für die relativ flach gehaltene Ausführung ist die deutliche Differenzierung zwischen kräftig und breit angelegtem Abstrich und sehr viel feiner gezogenem Aufstrich bei den einzelnen Buchstaben – besonders deutlich erkennbar bei A, M, N, V, W.

Textkritischer Apparat

  1. Jahreszahl 1565 auch am Bogen über dem r. Wappen.

Anmerkungen

  1. Die Wappenform mit drei Helmen entspricht dem Siegel Karls II.; vgl. K. Frh. v. Neuenstein, Das Wappen des Großherzoglichen Hauses Baden etc. Karlsruhe 1892, Taf. VI 1; W. Brambach, Das badische Wappen auf Münzen und Medaillen. Karlsruhe 1889, 34.
  2. Zur Baugeschichte vgl. KdmBaden IX 5, 69ff. (m. Angabe d. älteren Lit.).
  3. F. Cherlerus, Epicedon sive luctus in obitum ill. princ. ac Domini d. Caroli march. Bad. Basel 1577, 37; Rott, Durlach 22.
  4. Sein Oeuvre wurde erstmals von Rott (a. a. O. 33ff.) zusammengestellt; ebensoThieme-Becker 37 (1950) 174. – Vgl. Einleitung S. XXVI.
  5. KdmBaden IX 6, 290; ferner ebd. 169 nr. 4/5, Abb. 141 (Unterschrift falsch).

Nachweise

  1. KdmBaden IX 5, 74, Abb. 52.
  2. Gehres, Durlach 93.
  3. Fecht, Durlach 173.
  4. Rott, Durlach 22ff., Abb. 9, 33ff.
  5. K. Steinmetz, Kleine Chronik von Durlach. Karlsruhe-Durlach 1933, 5.

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe, Nr. 231 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0023108.