Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 326 Frauenprießnitz, Dorfkirche St. Mauritii 1639

Beschreibung

Inschrift auf der Bronzeglocke im Turm. Auf der Haube zwei Stege. Die zweizeilige Inschrift (A) verläuft zwischen drei Doppelstegen um den Glockenhals; darunter ein 6,5 cm breiter Akanthusfries; darunter sechs geflügelte Engelsköpfchen (H. 7,0 cm), zwischen zweien die Datierung (B). Auf der Flanke, gegenüberstehend, zweimal das Doppelwappen (H. 14,0 cm); am Wolm drei Stege; am Schlag zwei Stege.

Maße: Dm. 131 cm; H. 100 cm; Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis,1) erhaben.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/2]

  1. A

    IN FRAWBRISNIZENSIa) TRISTI INCENDIO ET IGNE PERMAGNO PERII: AST ERFORTI EX IGNE RESVRGO ∙ EXISTENTE ∙ PATRONO PERILLVS:/TRI AC GENEROSISSIMO D(OMI)NO: D(OMI)NO CHRISTIANO SCHENCK L(IBERO). B(ARONE). IN T(AVTENBVRG). ETC(ETERA) ∙ SVPERINTEND(ENTE) ∙ M(AGISTRO) ∙ HENRICO TILEMAN ∙ EFFECTORE IACOBb) KÖNIG :

  2. B

    ANNO ∙ 1 6 3 9

Übersetzung:

In der traurigen Feuersbrunst von Frauenprießnitz und im gewaltigen Brande ging ich zugrunde; aber zu Erfurt stehe ich aus dem Feuer wieder auf, als Patron der hochberühmte und hochedle Herr, Herr Christian Schenk, Freiherr zu Tautenburg usw., war, Superintendent (aber) Magister Heinrich Tilemann, während Jakob König den Guß ausführte. – Im Jahre 1639.

Wappen:
Schenk zu Tautenburg – Reuss zu Plauen.2)

Kommentar

Nach dem verheerenden Brand des Jahres 1638, dem der Ort Frauenprießnitz und die Kirche weitgehend zum Opfer fielen,3) stiftete Christian, der letzte der Schenken zu Tautenburg, für die Wiederaufnahme des Gottesdienstes diese Glocke, nachdem das alte Geläut offenbar durch das Feuer vernichtet worden war. Die Glocke wird einige Jahrzehnte in einem provisorischen Glockenstuhl gehangen haben, da erst nach 1660 die Kirche wieder instand gesetzt und der Turm mit Haube und Laterne abgeschlossen wurde. Wann eine (oder mehrere) andere Glocke(n) hinzukam(en), entzieht sich der Kenntnis; die 1917 abgegebene zweite (kleinere) Glocke war 1836 von Johann Heinrich Ulrich in Apolda gegossen worden.4)

Zu Christian Schenk zu Tautenburg, vgl. Nr. 328. Die Glocke zeigt das Allianzwappen Schenk/Reuss, obwohl Dorothea Sibylle geb. Reussin zu Plauen bereits 1631 verstorben war (vgl. Nr. 304). Heinrich Tilemann war von 1633 bis 1655 Pf. und Sup. in Frauenprießnitz.5) Der Glockengießer Jacob König aus Erfurt, Sohn des Gießers Hermann König,6) ist von 1612 bis 1648 mit einigen Glocken in Thüringen nachweisbar.7)

Textkritischer Apparat

  1. W aus zwei VV gebildet.
  2. Vorname nicht flektiert; erwartet wird IACOB(O).

Anmerkungen

  1. H und N jeweils mit ausgebuchteter Quer- bzw. Schräghaste; A mit gebrochenem Balken.
  2. PrA 146, Taf. 96 (Schenk zu Tautenburg). – Souv. 4,79, Taf. 66 (Reuss zu Plauen).
  3. Vgl. Nr. 264, Anm. 10.
  4. Lehfeldt gibt ein Musterbeispiel von Verwirrung: „Zwei Glocken, 1636 und 1639 von Ulrich in Apolda“
  5. Vgl. J. Chr. Friderici, D(ivi) V(erbi) ministros ex Dynastiae Tautenburgicae dioecesi ad sacra, extra eam, munia evocatos ..., Jena [o.J.]: geb. 1607; 1632 Hof- und Feldprediger des Hz. von Braunschweig-Lüneburg; 1633 Pf. und Sup. in Frauenprießnitz; 1655 Pf. und Sup. in Frankenhausen; dort gest. 1683.
  6. Vgl. Nr. 238.
  7. Vgl. Bergner 1896, 225.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 326 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0032605.