Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 299 Münchenroda, Dorfkirche 1625

Beschreibung

Inschriften auf der mittleren Bronzeglocke1) im Turm; im II. Weltkrieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof ausgelagert. Krone aus sechs abgekanteten Bügeln auf abgesetzter Fußplatte; abgerundete Haube. Die einzeilige Inschrift (A) verläuft zwischen zwei Doppelstegen um den Glockenhals; darunter auf der Flanke breiter Fries (Medaillons mit geflügelten Engelsköpfchen zwischen Rankenwerk mit Vögeln, Eichhörnchen und springenden Hirschen). Am Wolm zwei Stege; am Schlag Inschrift (B) zwischen zwei Stegen.

Maße: Dm. 60 cm; H. 64 cm; Gewicht: 131 kg; Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben.

Germ. Nationalmuseum, Glockenarchiv, Sig. 11/20/259 C (Neg.Nr. 6772) [1/1]

  1. A

    a) ANNO M DC XXV ∙ GOS MICH MELCHIOR MOERINGK ZV ERFFVRDT

  2. B

    DIE ZEIT WAREN ∙ M(AGISTER) IOHAN TONDORF PFARRER ∙ CLAVS RISCH ∙ VND MARTIN BAVMGARTEN ALTARLEVTE ZV MVNCHERODA∙

Kommentar

Die Glocke ist das späteste datierte Werk des (älteren) Melchior Moering „zu Erfurt“; doch mag die Zuschreibung nicht zutreffend sein.2). Die Nennung des Pfarrers und der Altarleute (= Kirchältesten) geschieht auf Moering-Glocken häufig.3) Johann Tondorf war von 1622–1631 Pfarrer in Großschwabhausen und Münchenroda.4). Ein Hans Risch wird als Altarist auf der Beyer-Glocke von 1664 genannt.5)

Textkritischer Apparat

  1. Lilie, wie auf Nrr. 223, 228.

Anmerkungen

  1. Die größere Bronzeglocke (mit Ps. 95,6) wurde von Wendelin Beyer (vgl. Bergner 1896, 223, wo noch „Berger“ steht) in Jena 1664 gegossen, die kleinere war von 1716 (Wette 1756, 298).
  2. Melchior Moering „zu Erfurt“ ist nach Bergner 1896, 226 bis 1617 als Glockengießer tätig gewesen. Die früheste Glocke des jüngeren Melchior Moering „zu Erfurt in Rudolstadt“ stammt aus dem Jahr 1633. Die Glocke von 1625 wäre die ebenso mit Abstand späteste des einen wie früheste des anderen Moering.
  3. Vgl. Nrr. 317319.
  4. Johann Tonndorf, geb. 28. Januar 1588 in Großschwabhausen; 1599 stud. und Mag. phil. Jena; ordiniert 20. Juli 1610 in Jena; 1610–1621 Substitut, 1622–1631 Pf. in Großschwabhausen (als Nachfolger seines Vaters, vgl. Nr. 267); 1631–1644 Pf. in Bucha; gest. 1644 (nach den Unterlagen der Pfarrerkartei des Landeskirchenarchivs Eisenach).
  5. Vgl. die Inschrift der Anm. 1 genannten Glocke (Inschrift unvollständig in BuKTh Jena, 188): M ∙ IOH ∙ STEIN PFARER ∙ HANS RISCH ALTARIST.

Nachweise

  1. BuKTh I (Jena), 1888, 188 (nur (A)).
  2. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Glockenarchiv, Nr. 11/20/259 C und Photo Neg.Nr. 6772.
  3. Vgl. Wette 1756, 289.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 299 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0029906.