Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 280 Kahla, Stadtkirche St. Margarethae 1615

Beschreibung

Inschriften auf dem Kanzelkorb an der Südseite des Triumphbogens, im Jahre 1888 nach Entfernung des Kanzelbehanges restauriert.1) Stein, bemalt, die Treppenwangen aus Holz, bemalt. Auf kurzer dorischer Säule ruht der in sechs Seiten des Achtecks gebildete Korb; er wird mit der Wand verbunden durch ein Feld mit Inschrift (A). Unter der Brüstung entsprechend sechs Kanzelfelder, die – von Süd nach Ost – zeigen: 1. Inschrift (B); 2. Auferstehung Christi; 3. Marter Christi; 4. Johannes den Täufer; 5. Prophet (Jeremias oder Jesajas); 6. Moses mit den Gesetzestafeln, auf deren linker eine moderne Inschrift2). Es schließt sich nach Osten die Kanzeltreppe an; auf der nördlichen Treppenwange zwei Gemälde mit der Darstellung von Evangelisten mit ihren Symbolen, oben Johannes, auf dessen Buch Inschrift (C); unten Lucas, auf dessen Buch Inschrift (D). Die entsprechenden Bilder auf der südlichen Treppenwange sind nicht mehr zugänglich, seit um 1900 – vielleicht bei der Restaurierung der Stadtkirche von 1906 – die Treppe an die Wand gerückt worden ist; zu sehen waren die Evangelisten Matthäus mit Inschrift (E) und Marcus (ohne Inschrift).3)

(E) nach Bergner.

Maße: Schriftfeld: (A) H. 66 cm; B. 70 cm; (B) H. 63 cm; B. 13 cm; Bu. 4 cm (A), 2,5 cm (B), 1.0–1,5 cm (C, D).

Schriftart(en): Kapitalis, schwarz ausgelegt, auf braunem Grund (A); Fraktur, golden auf braunem Grund aufgemalt (B); humanistische Minuskel, schwarz auf weißem Grund gemalt (C, D).

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Luise u. Klaus Hallof) [1/4]

  1. A

    HOC SVGGESTVM M(AGISTRO) IO/HANNE TISCHNERO EC/CLESIAE PASTORE; / THEODORICO WIGANDO / CONSULE: SEVERINO / GROSEN AEDILE EXTRVC/TUM EST MENSE SEPTEM/BRI ANNI CHRISTIANI / MDCXV. // [Friedrich Wilhelm Franck Mahler 1615]a)

  2. B4)

    1 Corin(ther) / am 1. Wir / predigen den / gecreutzigten / Christ, den Ju/den eine erger/nuss und den / Griechen ei/ne torheitt, de/nen aber die / beruffen sind / beide Jude(n) und / Grieche(n) predigenn / wir Christum

  3. C

    Victima q(u)odb) / fuerit pro / nobis, Lu/ca recen/ses.

  4. D

    Iohannes Chri/sti de Deita/te docet.

  5. E

    Matheus Christum pingit de Virgine natum.

Übersetzung:

(A) Diese Kanzel ist unter Magister Johann Tischner, Pfarrer (dieser) Kirche; Theodor Wiegand, Bürgermeister; Severin Grosse, Kämmerer; erbaut worden im Monat September des christlichen Jahres 1615. – (C) Du, Lucas, erzählst von dem Opferlamm, das für uns gewesen ist. – (D) Iohannes lehrt von der Göttlichkeit Christi. – (E) Matthäus beschreibt den von der Jungfrau geborenen Christus.

Versmaß: Hexameter (C, E) und Pentameter (D).

Kommentar

Die Kanzel von 1615 ersetzte die Renaissance-Kanzel von 1554 (Nr. 154), die in die Nikolaikapelle gegeben wurde. Der Steinmetz ist unbekannt, da der in (A) genannte Friedrich Wilhelm Frank das Werk wohl nur farblich gefaßt hat. Johann Tischner5) war von 1613 bis 1643 Pfarrer in Kahla. Severin Grosse wird zwischen 1614 und 1631, Theodor Wiegand sonst nur 1613 als Bürgermeister urkundlich genannt.6)

Textkritischer Apparat

  1. Diese Worte waren nach Bergner 1894a, 65, in der linken Ecke in viel kleinerer Schrift aufgemalt; jetzt verschwunden.
  2. qod.

Anmerkungen

  1. Löbe 1891, 431.
  2. Die Inschrift lautet: I prae(ceptum) / Diliges, es folgt nichts mehr. Vgl. Lc. 10,27: „diliges Dominum Deum tuum ex toto corde tuo“, ähnlich Dt. 6,5. Nichts deutet darauf hin, daß auf den Tafeln früher einmal alle zehn Gebote gestanden hätten, wie etwa DI 11 (Merseburg), Nr. 131; vielleicht ist der jetzige merkwürdige Zustand erst bei der Restaurierung 1888 entstanden. In diese Zeit weist auch die Schrift.
  3. Bergner 1894a, 65.
  4. 1 Kor. 1,23–24.
  5. Zu Johann Tischner, vgl. Kirchen-Galerie II 6 (Findeisen); er war aus Kahla gebürtig, zunächst Pf. in Eyringshofen (Würzburg), dann in Schlettwein; imm. 1609 in Jena als „exul“ und „Calensis“ (Matrikel Jena, 1, 334); 1613 Pf. in Kahla; gest. 10. Februar 1642 in Kahla.
  6. Vgl. Denner 1937, 107. 367.

Nachweise

  1. Löbe 1871, 23.
  2. BuKTh III (Kahla), 1888, 111.
  3. Bergner 1894a, 65.
  4. Löbe 1891, 431.
  5. Denner 1937, 120.
  6. Vgl. Weinhold 1986, 14.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 280 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0028003.