Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 276 Frauenprießnitz, Dorfkirche St. Mauritii 1613

Beschreibung

Sarg des (17) Georg Schenk zu Tautenburg, in der westlichen Gruftkammer, rechts; im Jahre 1819 „durch die Verschüttung fast zerstört“ gefunden und wieder zusammengesetzt; von hexagonalem Querschnitt. Zinnblech. An den Kanten 3 cm breite Bänder mit plastischem figürlichem Schmuck. Auf dem Deckel ein einfaches Kreuz. An der Schmalseite je ein, an den Längsseiten je fünf Löwenköpfe mit einem Ring im Maul. Von den Inschriften auf dem Deckel des Sarges war „nichts zu lesen, als daß er die Überreste des Georg Schenk enthielt.“1) Bei genauer Prüfung konnten aber die Inschrift auf dem unteren Drittel des Deckels (A) sowie zwei Inschriften links (B) und rechts (C) einer Malerei – wohl des Wappens? – auf der vorderen Schmalseite des Deckels entziffert werden. Der Sarg ist stark verschmutzt; nur in seinem unteren Drittel zugänglich. Malereien verloschen.

Maße: Sargdeckel: L. 172 cm; H. 22,5 cm; B. 30 cm (oben), 62 cm (unten); Bu. 0,5–1,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis und humanistische Minuskel, eingraviert, zum Teil doppelstrichig (A); Minuskel, der Rotunda nahe (B).

  1. A

    – – – a) / QVI / ANNO CHRISTI / M D[C] II / DIE XIII MENS[IS IV]NII / [H]ORA V VESPERTINA / NATVS / Puer certè praeclari Ingenij et ad Summa omnia / adspirantis / Cum probe perceptis CHR(ISTI)ANAE Doctrinae / capitibus omnibus / dum in vivis erat / VERBVM DEI TOTO CORDE DILEXISSET / PIETATEM VERAM ANIMITVS COLVISSET / LITERARVM STVDIA IMPENSE AMASSET / Et in Sermone omniq(ue) actione / Gravis et modestus / MAGNAM DE SE VIRTVTIS / ET GLORIAE / SPEM / CONCITASSET / DEO OPT(IMO) MAX(IMO) / ITA DISPONENTE / Post ardentissimas magna devotione nemine / Penè Suggerente effusas preces / et hymnos Germanicos clara et / ex[sert]a voce decantatos / IPSO aetatis puerilis flore / ANNIS VNDECIM / MENSIB(VS) DVOBVS / DIEBVS NOVEM / placidissimè / IN CHR(IST)O IH(ES)V OBDORMIVIT / DIE XXIII[I] AVGVSTI S(ANCTO) BAR/tholomaeo Sacra / ANNO SALVATORIS NOSTRI / M DC XIII

  2. B2)

    [Philip. I] / Christus ist mein / leben sterben ist mein / gewin Ich habe lust / [abzu]scheiden und bey / Christo zu seyn

  3. C3)

    Apocal. II / Sey getre[w bis] in / den todt so will ich / dir die Krone des / lebens geben

Übersetzung:

[... Georg Schenk zu Tautenburg, ...] der im Jahre Christi 1602, am 13. des Monats August, zur 5. Abendstunde geboren wurde; ein Knabe von hervorragendem und zu allem Höchsten hinstebendem Geiste; der, obwohl er alle Hauptteile der christlichen Lehre in trefflicher Weise erlernt und, solange er am Leben war, Gottes Wort mit ganzer Seele geliebt, die Wahre Tugend von Herzen gepflegt, das Studium der Wissenschaften nachdrücklich geliebt und, in Rede und jeglicher Handlung ernst und maßvoll, eine große Hoffnung auf Tugend und Ruhm für sich erweckt hatte, (dennoch), weil Gott, der beste und höchste, es so beschloß, nach heftigsten, aus großer Ergebenheit fließenden Gebeten, die ihm fast keiner eingegeben hat, und nach mit heller und kräftiger Stimme gesungenen deutschen Liedern, in der Blüte des Knabenalters selbst, mit elf Jahren, zwei Monaten, zehn Tagen und neun Stunden, sanft in Jesu Christo entschlief am 24. Tag des August, der dem hl. Bartholomäus geweiht ist, im Jahre unseres Heilandes 1613.

Kommentar

Obwohl der Name des in dem Sarg bestatteten Schenken nicht zu lesen ist, ist der Bezug auf (17) Georg Schenk4) durch die Daten gesichert. Der Verstorbene, Sohn des (14) Burkhard Schenk (vgl. Nr. 262) und jüngerer Bruder des letzten Schenken zu Tautenburg, Christian (vgl. Nr. 328), war nach den Urkunden am 24. August 1613 zu Gera gestorben und am 13. September desselben Jahres in der Gruft beigesetzt worden.5) Sein Geburtsdatum war bislang unbekannt.6) Der Sarg ist in derselben Technik angefertigt wie der ältere des Burkhard Schenk (Nr. 264), jedoch schon in der jüngeren sechseckigen Form (Deckel mit gebrochenen Kanten).7)

Textkritischer Apparat

  1. Namen und Titel, die (in größerer Schrift) auf dem mittleren Teil des Sargdeckels standen, sind nicht mehr zu lesen.

Anmerkungen

  1. Schneider 1820, 18.
  2. Phil. 1,21.23.
  3. Offb. 2,10.
  4. Die Ziffern vor den Namen beziehen sich auf das unter Nr. 112 gegebene Stemma.
  5. Schneider, a.O.
  6. Europäische Stammtafeln, N.F. Bd. VIII, Taf. 144; verzeichnet ist dort nur die erste Erwähnung 1605 (wohl im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters Burkhard).
  7. Vgl. Nr. 264.

Nachweise

  1. Vgl. Schneider 1820, 18.
  2. BuKTh I (Jena), 1888, 48, c).

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 276 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0027604.