Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 262 Frauenprießnitz, Dorfkirche St. Mauritii 1605

Beschreibung

Grabplatte des (14) Burkhard Schenk zu Tautenburg, im Boden des nördlichen Seitenschiffes (Erbbegräbnis), vierte Reihe von oben, links. Rechteckige Platte aus gelblichem Sandstein mit Wappen im Mittelkreis (Dm. 66 cm), umgeben von breitem Beschlagwerk. Inschrift (A) über und (B) unter dem Wappen, oben und rechts verwittert.

Maße: H. 187 cm; B. 100 cm; Bu. 3,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben; Initialen zum Teil überhöht.1) Worttrennung durch Quadrangeln.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Karl-Heinz Priese) [1/1]

  1. A

    ANNO DOMI[N]I 1605 ∙ DE[N 2. SEPT(EM)BR(IS)a) IST] / IN GOT SELIGLICH ZV DRESDEN VER/SCHIEDEN, DER WEILANDT WOHLGEBOR/NE VND EDLE HERR HERR BVRCKHARDT / SCHENCK, FREYHERR ZV TAVTENBVRG[K] / VND FRAWENBRIESENITZ, CHVRF(VRSTLICH)∙ SECHS(ISCHER) / FVRNEHMER GEHEIMBTER RATH, CAM/MERHERR VND OBERHEVBTMAN ZV / FREYBVRGK VND ECKHARTSBERG[K] / SELIGER LOBLICHER GEDECHTNIS / WELCHES SEELE BEY GOTT, DER LEIB A/BER ALHIER RVHET, DEM DER ALMECHTI/GE AM IVNGSTEN TAGE ∙ EINE FROLICHE / AVFFERSTEHVNG VERLEIHEN WOLLE∙

  2. B2)

    IOB AM 19 ∙ CAP(ITEL) ∙ / ICH WEIS DAS MEIN ERLOSER LEBET, VND / ER WIRD MICH HERNACH, AVS DER ERDEN AVF/ERWECKEN, VND WERDE DARNACH MIT ME[I]/NER HAVT VMBGEBEN WERDEN, VND WERD[E] / IN MEINEM FLEISCH GOTT SEHEN. DENSE[L]/BEN WERDE ICH MIR SEHEN VND MEINE AVGEN / WERDEN IHN SCHAVEN VND KEIN FREMBDER.

Wappen:
Schenk zu Tautenburg.3)

Kommentar

Die sehr qualitätvolle Grabplatte für (14) Burkhard Schenk zu Tautenburg,4) der seit 1601 kursächsischer Geheimer Rat und Oberhauptmann von Eckartsberga und Freyburg a.d. Unstrut war, stammt mit ihrem plastischen Schmuck und der erhabenen, durch breite Serifen ausgezeichneten Kapitalis aus derselben Werkstatt wie die Grabplatte für seine Frau Agnes geb. Gräfin von Everstein, auf welcher entsprechend Todesdatum und -ort fehlen und auch nicht nachgetragen worden sind (vgl. Nr. 263), und wie eine dritte, völlig verwitterte, mit dem Wappen der Schenken.5) Sie muß nach Burkhards Tod 1605 entstanden sein. In die Jahre bis 1608 fällt eine rege Bautätigkeit der Witwe in Frauenprießnitz (vgl. Nr. 260) und Tautenburg (vgl. Nr. 269), für die die Mitarbeit Melchior Brenners bezeugt ist; seiner Werkstatt dürften die drei Grabplatten zuzuschreiben sein. Der Sarg Burkhards steht in der Gruft zu Frauenprießnitz (Nr. 264).

Textkritischer Apparat

  1. SEPTBE Lehfeldt, wohl eher SEPTBR.

Anmerkungen

  1. Im folgenden halbfett gedruckt.
  2. Hiob 19,25–27.
  3. PrA 146, Taf. 96 (Schenk zu Tautenburg).
  4. Die Ziffern verweisen auf das bei Nr. 112 gegebene Stemma.
  5. Rechteckige Grabplatte aus gelblichem Sandstein, H. 186 cm, B. 99,5 cm, mit Wappen der Schenken zu Tautenburg. Lehfeldt dachte an Burkhards Bruder (15) Heinrich Schenk zu Tautenburg in Trebra, gest. 18. Juli 1626 und 1627 in das Erbbegräbnis überführt; eher aber Burkhards Sohn (17) Georg, gest. 24. August 1613, dessen Sarg in der Gruft steht (Nr. 276).

Nachweise

  1. Friderici 1722, 88–89.
  2. Puhle, f. 1b (1781), 115.
  3. Schneider 1820, 14–15.
  4. BuKTh I (Jena), 1888, 48 Nr. 10.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 262 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0026205.