Inschriftenkatalog: Landkreis Jena

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 39: Landkreis Jena (1995)

Nr. 221 Gumperda, Dorfkirche 1590

Beschreibung

Grabplatte der Amalie (... ?) von Dolzig, geb. von Drachsdorf, an der Nordwand des Chores in die Wand eingelassen. Rechteckige (Kalkstein?-) Platte mit Relief der Verstorbenen unter einem Bogen, links auf einem Kissen ein Wickelkind; in den Zwickeln oben zwei Wappen. Umschrift (A) auf dem 10 cm breiten Rahmen; im unteren Teil des Mittelfeldes eine Rollwerktafel (B. 67 cm) mit fünf(?)zeiligem Bibelzitat (B). Der Stein ist verwittert und dick übertüncht, der untere Rand entweder beschnitten oder im Sockel.

Maße: H. 156 cm; B. 108 cm; Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis, erhaben.

  1. A

    ANNO DOMINI 1590 DEN ∙ 3 ∙ AP[RI]/LIS IST D[IE] V[IL] V[N]Da) EHRNTVGENTSAME FRAW AMA[LIEb) – – – / – – – / ALTERS] 27c) TAGE IN GOT SELIG EN[T]SCHLAFFEN DER(N) SELE(N)d) GOT GENAD

  2. B1)

    IOHANNIS AM 3./ ALSO HAT GOT DIE WELT / GELIBET DA[S] ER S[EINEN EINGE/B]O[R]NEN SOH[N GAB AVF DAS ALLE] / DIE AN IHN [GLEVBEN – – – / – – –e)

Wappen:
Dolzig. – Drachsdorf.2)

Kommentar

Neben dem seit 1570 im Besitz der Familie von der Pforten befindlichen Siedelhof gab es in Gumperda ein Rittergut, das von etwa 1516 bis zum Verkauf im Jahre 1622 in der Hand der Herren von Dolzig war; die Verstorbene, eine geborene von Drachsdorf, könnte Gattin des um 1585 auf Gumperda urkundenden Hans Matthes von Dolzig3) gewesen sein. Der Darstellung nach starb die Frau im Kindbett. Das Kind war sicher neben seiner Mutter in der Inschrift genannt.4)

Textkritischer Apparat

  1. IST IN GOT DIE Kießkalt; IST DIE EDLE Lehfeldt.
  2. Folgt ein weiterer Vorname?
  3. Ziffer unsicher.
  4. Die Zeichen der Abbreviatur sind nicht mehr zu erkennen.
  5. Überhöhte Buchstaben halbfett gedruckt.

Anmerkungen

  1. Joh. 3,16.
  2. SaA 34, Taf. 25 (Dolzig). – SaA 5, Taf. 4 (Drachsdorf).
  3. Vgl. Löbe 1891, 544. 1585 erscheint Bernhard von Dolzig als Pate in Reinstädt, vgl. Martin 1904, 101.
  4. Auf der verlorenen unteren Seite der Umschrift. Nach dieser Annahme würden sich die Worte DER SELE trotz fehlender Abkürzungszeichen zwanglos als Plural erklären; dem Kind gehört dann wohl auch die Altersangabe 27 (?) TAGE.

Nachweise

  1. BuKTh III (Kahla), 1888, 96.
  2. Kießkalt 1914, 12, Nr. 49.
  3. Vgl. Löbe 1891, 548.
  4. Weinhold 1986, 78.

Zitierhinweis:
DI 39, Landkreis Jena, Nr. 221 (Luise und Klaus Hallof), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di039b006k0022109.